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Alexander Golowin (l.) ersetzte Kapitän Roman Schirokow - und fand keinen Abnehmer für dessen Binde © Getty Images

Als wäre Russlands klägliches EM-Aus nicht bitter genug, folgt gegen Wales ein trauriger Tiefpunkt. Der Trainer reagiert, bis zur Heim-WM in zwei Jahren bleibt viel zu tun.

Zwei Pleiten, nur ein Punkt - und wohl bald keinen Trainer mehr: Russlands klägliches Aus bei der EM in Frankreich könnte der Sbornaja noch lange nachhängen.

Beim 0:3 gegen Wales erreichte der WM-Gastgeber nach dem 1:2 gegen die Slowakei und dem äußerst glücklichen Last-Minute-Remis beim 1:1 zum Auftakt gegen England einen neuen Tiefpunkt - und das nicht nur aus sportlicher Sicht.

Nahezu hilflos ergaben sich die Russen schon in der Anfangsphase in ihr Schicksal, bereits nach 20 Minuten stand es nach Toren von Aaron Ramsey (11.) und Neil Taylor (20.) 2:0 für den EM-Neuling aus Wales.

Peinliche Posse um Kapitänsbinde

Als wäre die sportliche Misere nicht traurig genug, spielten sich kurz nach der Halbzeit schier unglaubliche Szenen ab.

Was war passiert? Kapitän Roman Schirokow wurde in der 52. Minute ausgewechselt und durch den gerade 20-jährigen Alexander Golowin ersetzt. Beim Verlassen des Spielfelds überreichte Schirokow seinem Ersatz die Kapitänsbinde, damit dieser sie weiterreichen konnte. Das Problem: Kein Mitspieler wollte sie haben.

Suchend irrte Golowin fragenden Blickes von einem Teamkollegen zum anderen, wurde die Armbinde aber schlicht und ergreifend nicht los - bis sich irgendwann Torwart Igor Akinfejew erbarmte und sich das offensichtlich ungeliebte Accessoire überstreifen ließ.

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Der bemitleidenswerte Igor Akinfejew trug in der Schlussphase gegen Wales die Kapitänsbinde © Getty Images

Es passte ins Bild dieses Abends und der russischen EM insgesamt, bei der der 30 Jahre alte Schlussmann von ZSKA Moskau abgesehen von seinem Patzer gegen England noch einer der Lichtblicke im Team war - trotz des 0:3 durch Gareth Bale (67.) verhinderte er gegen Wales noch Schlimmeres.

Letztes Pflichtspiel vor der Heim-WM 2018

Das Positive aus Sicht der Russen: Es wird für lange Zeit der letzte Gegentreffer in einem Pflichtspiel gewesen sein. Wirklich um die Wurst geht es für sie erst wieder am 14. Juni 2018, wenn das Eröffnungsspiel der WM im eigenen Land ansteht, vom Confederations Cup im kommenden Sommer abgesehen.

Langweilig dürfte es ihnen in den fast zwei Jahren bis dahin aber nicht werden: Trainer Leonid Sluzki stellte unmittelbar nach dem EM-Aus sein Amt zur Verfügung. Sein Nachfolger muss in einem der ältesten Kader der EM einen fast schon überfälligen Umbruch einleiten.

Und dass es in der Sbornaja auch abseits des Sportlichen genug Baustellen gibt, hat spätestens die Posse um die Kapitänsbinde eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

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