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Paris - Verschossener Elfmeter, nicht gegebenes Abseitstor: Cristiano Ronaldo erlebt gegen Österreich einen gebrauchten Tag. Seine wohl größte Szene hat er nach dem Spiel.

Die Geduld von Cristiano Ronaldo war bewundernswert.

In aller Seelenruhe wartete der portugiesische Superstar, bis der aufgeregte junge Mann, der um jeden Preis ein Selfie mit seinem Idol haben wollte, die Kamerafunktion seines Smartphones im Griff hatte. Immer wieder bedeutete Ronaldo den bereitstehenden Sicherheitskräften, den auf den Rasen vorgedrungenen Störenfried machen zu lassen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit konnten die Ordner den in Freudentränen aufgelösten Flitzer dann abführen. Und Ronaldo hatte mit dieser großen Geste zumindest noch Sympathiepunkte gesammelt.

Vielleicht wollte er aber einfach auch nur erleben, dass an diesem vermaledeiten Abend mal irgendetwas klappt.

Portugal droht Vorrundenaus

In den 90 Minuten zuvor hatte Ronaldo gegen Österreich alles probiert. Mit dem Fuß, mit dem Kopf. Unter Bedrängnis und vom Elfmeterpunkt - der Ball wollte einfach nicht rein ins Tor. Als er doch mal drin lag, stand Ronaldo zuvor zwei Meter im Abseits.

Das 0:0 gegen die Österreicher ist für die Portugiesen nach dem 1:1 gegen Island die nächste herbe Enttäuschung. Für Ronaldo, der auch mit der Nationalmannschaft endlich mal einen Titel gewinnen will, ist es ein Desaster.

(Der EM-Spielplan als PDF zum Downloaden und Ausdrucken)

20 Torschüsse hat er bei diesem Turnier bereits abgegeben. Kein einziger war drin. Jetzt droht den Portugiesen im letzten Gruppenspiel gegen Ungarn sogar das Vorrundenaus.

Scholl vermutet: "Da ist was im Busch"

Und ganz Portugal wird sich bis zu diesem Spiel am Mittwochabend die Frage stellen: Was ist nur mit Cristiano los? Der wurde an diesem Abend zum Rekordnationalspieler der Selecao und agierte gegen die tapferen Österreicher um den herausragenden Torhüter Robert Almer keinesfalls schlecht. Doch wenn einer wie er hundertprozentige Torchancen auslässt und einen entscheidenden Elfmeter an den Pfosten setzt, kommen automatisch Fragen auf.

Fragen, die Ronaldo mit einem kuriosen Auftritt vor Spielbeginn sogar noch befeuerte. In schwarzen Nylonstrümpfen spazierte er da aus dem Mannschaftsbus.

"Es wirkt ein bisschen so, als hätte er einen Achter im Rad", kommentierte ARD-Experte Mehmet Scholl: "Irgendwo hat er eine verletzbare Stelle, und die versucht er zu schützen. Ihm passieren technische Fehler, also da ist was im Busch. Ich weiß nicht, was er hat, aber er hat was."

Wirkt die Oberschenkelverletzung nach?

Nun ist das aus der Ferne des TV-Studios eine relative steile These. Ronaldo ging auch gegen die Österreicher da hin, wo es weh tat. Den verschossenen Elfmeter holte er im Ringkampf mit Martin Hinteregger selbst heraus.

Eine in aller Schnelle überwundene Oberschenkelverletzung vor dem Champions-League-Finale mit Real Madrid würde aber erklären, warum die Tormaschine Ronaldo aus dem Rhythmus gekommen ist. Fehlschüsse wie jenen in der 22. Minute, als er freistehend aus neun Metern vergab, sieht man von ihm höchstens einmal im Jahr.

Nach dem Spiel wurde Ronaldo von einer Entourage aus Team-Betreuern und Mitspielern durch die Interviewzone des Pariser Prinzenparks geleitet. Traurig über das Ergebnis sei er, ließ der Superstar anschließend noch in die Welt twittern, "aber gemeinsam werden wir das umdrehen".

Immerhin einen Fan ließ Ronaldo an diesem für ihn bitteren Abend glücklich zurück - sofern der alle Knöpfe an seinem Handy richtig gedrückt hat.

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