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Paris - Die französische Nationalmannschaft ringt Rumänien beim EM-Auftakt dank eines Traumtors von Dimitri Payet nieder. Der Stürmer ist der beste Spieler der Partie.

Der Held des Abends hatte Tränen in den Augen. Als Dimitri Payet wenige Augenblicke nach seinem Geniestreich unter dem donnernden Applaus des Publikums vom Rasen im Stade de France ging, übermannten ihn die Gefühle - Glück, Erleichterung, Rührung.

"Viele Emotionen"

Ganz Frankreich hatte er mit seinem wunderschönen Siegtreffer in der 89. Minute in einen einzigen Freudentaumel versetzt, als Dankeschön für den Gänsehaut-Moment gab es zunächst eine liebevolle Umarmung von Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps.

"Nach meinem Tor habe ich natürlich ganz viele Emotionen gespürt", berichtete der Angreifer von West Ham United.

Mit dem Treffer zum 2:1 (0:0) gegen widerspenstige Rumänen, seinem erst vierten im Nationaltrikot, bescherte der 29 Jahre alte Payet den Franzosen zum EM-Auftakt doch noch einen unverhofften Sieg.

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"Es wird jetzt wichtig sein, konzentriert weiterzuarbeiten. Der Druck vor dem ersten Spiel war schon groß. Vielleicht nimmt er nach diesem Sieg ein bisschen ab", sagte er.

"Das war natürlich ein ganz wichtiger Sieg", meinte auch Deschamps. "Am Anfang war unser Spiel leider nicht sehr gut. Am Schluss habe ich immer noch an eine Chance geglaubt, denn ich habe gesehen, dass die Rumänen müde wurden."

Payet macht Evra-Bock wieder gut

Es war in der Tat ein zäher Start, aber einer mit Happy End. Zunächst hatte der lange verfemte Olivier Giroud (57.) vom FC Arsenal für einen ersten Aufschrei der Erleichterung gesorgt, nur acht Minuten später folgte bereits die Ernüchterung: Bogdan Stancu verwandelte einen von Patrice Evra an Nicolae Stanciu verschuldeten Foulelfmeter (65.) (Das Spiel zum Nachlesen im LIVETICKER)

"Wir haben ein gutes Spiel gemacht und hatten einige gute Momente", sagte Anghel Iordanescu, Nationaltrainer Rumäniens. "Wir hatten Chancen auf ein weiteres Tor und hätten das Spiel sogar gewinnen können. Ich möchte den Spielern gratulieren, sie haben den taktischen Plan sehr gut umgesetzt. Es ist traurig und schmerzhaft, in der 89. Minute zu verlieren. Jetzt müssen wir uns physisch und psychisch erholen. Wir haben nun zwei sehr wichtige Spiele vor uns und können immer noch eine Runde weiterkommen."

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Der erlösende Treffer von Payet (89.) war schließlich der Lohn für das fast verzweifelte Bemühen, die standfeste Abwehr der Rumänen zu knacken, Glanz versprühte die Equipe tricolore allerdings selten.

Es war ein Auftritt ohne Leichtigkeit, allzu schwer lasteten offensichtlich die Erwartungen des ganzen Landes auf den Blauen. Die beiden anderen Gruppengegner der Franzosen, die Schweiz und Albanien, treffen am Samstag in Lens aufeinander. (Die Statistiken zum Spiel)

Griezmann und Pogba scheitern

Frankreich war nach hypernervösem Beginn überlegen, hatte auch gute Chancen, vor allem durch Antoine Griezmann (14. und 37.) und den über weite Strecken unsichtbaren Paul Pogba (57.) kurz vor dem Führungstreffer, konnte aber von Glück sagen, nicht jeweils zu Beginn der Halbzeiten in Rückstand zu geraten.

Beide Male hatte Stancu vom türkischen Erstligisten Genclerbirligi die Führung auf dem Fuß, beide Male konnte er die Chance nicht nutzen (4. und 48.). (EM-Torjäger)

Das Eröffnungsspiel war auch unmittelbar vor dem Anpfiff noch einmal zu mehr als nur einer sportlichen Angelegenheit überhöht worden.

"Ich glaube, dass wir gewinnen", sagte der französische Staatspräsident Francois Hollande auf der Tribüne, "es wäre sehr wichtig", fügte er noch hinzu. (Ergebnisse und Spielplan der EM)

Bereits in den Tagen zuvor hatte Hollande die Bedeutung eines guten Abschneidens der Equipe tricolore für die gesamte Nation betont.

DFB-Team schaut am Fernseher

Die Worte verfehlten ihre Wirkung nicht. Die Franzosen schienen die Marseillaise mit besonderer Inbrunst zu singen.

Doch viel hätte nicht gefehlt, und die Euphorie hätte bereits nach vier Minuten einen Dämpfer bekommen. Nach einem Eckball der Rumänen kam Stancu aus zwei Metern völlig frei zum Schuss, zielte aber genau auf Torhüter Hugo Lloris.

Schon waren sie zu sehen, die Abwehrprobleme der Franzosen.

Ohnehin schienen die Gastgeber zunächst überlastet vom Erwartungsdruck: Die deutschen Nationalspieler, die das Spiel in ihrem Teamquartier in Evian in entspannter Atmosphäre verfolgten, sahen anfangs nervöse Franzosen, die ungeordnet wirkten und keinen anständigen Spielaufbau zustande brachten.

Doch am Ende ließ Payet alle Probleme weitgehend vergessen.

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