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Paris - Island steht im Achtelfinale der EM und schreibt damit Fußballgeschichte. Gylfi Sigurdsson erklärt im SPORT1-Interview, wie es zu diesem Erfolg gekommen ist.

Islands Nationaltrainer Heimir Hallgrimsson wollte den Nationalfeiertag verlegen, der TV-Kommentator geriet in vollkommene Ekstase: Islands Nationalmannschaft hat mit dem Einzug ins EM-Achtelfinale Fußball-Geschichte geschrieben.

Mittendrin war ein ehemaliger Bundesliga-Profi. Gylfi Sigurdsson, früher in Hoffenheim und jetzt in der Premier League bei Swansea City aktiv, leistete beim 1:1 gegen Ungarn mit einem Tor seinen bisher wichtigsten Beitrag zum isländischen Coup.

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Im Interview mit SPORT1 erklärt Sigurdsson die Gründe für die Leistung des Fußball-Zwergs.

SPORT1: Wie war es, mit den Fans im Stade de France den Einzug ins Achtelfinale zu feiern?

Gylfi Sigurdsson: Es war ein unglaubliches Gefühl. Keiner von uns wird das je vergessen. Es war super, in der letzten Minute noch das Siegtor zu schießen. Wir sind sofort zu den Fans gelaufen, um mit ihnen zu feiern. Es bedeutet viel für die Spieler und die Fans.

SPORT1: Können Sie uns das isländische Wunder beschreiben? Die Geschichte hat ja schon in der Qualifikation begonnen.

Sigurdsson: Es war eine lange Reise. Es hat mit der WM in Brasilien angefangen, für die wir uns fast qualifiziert hätten. Aber die WM verpasst zu haben, hat uns mental stärker gemacht. Danach haben wir uns als Ziel gesetzt, es nach Frankreich zu schaffen. Als wir hier angereist sind, haben wir uns keinen Druck gemacht. Wir haben schon etwas erreicht, was keiner von uns erwartet hat. Wir wollten die Gruppenphase schaffen – und jetzt stehen wir unter den letzten 16.

SPORT1: Aber wie kann so etwas funktionieren, dass Island mit so wenigen Einwohnern so gut in Teamsportarten wie auch im Handball ist?

Sigurdsson: Das ist eine gute Frage. Wir sind ein sehr stolzes Volk. Wir mögen es nicht zu verlieren. Aber unser Team ist etwas ganz Besonderes. Wir sind alle Freunde. Ich habe noch nie einen derartigen Spirit erlebt, wie wir ihn in der Mannschaft haben.

SPORT1: Deutschlands U21 hat vor ein paar Jahren eine ganz bittere Pleite gegen Island erlitten. Hat die Erfolgsgeschichte auch dort ihren Ursprung?

Sigurdsson: Wir wussten damals, dass wir eine gute Mannschaft und die Chance hatten, Deutschland zu schlagen. Das haben wir geschafft, haben uns für die U21-EM qualifiziert. Dann ist uns klar geworden, dass wir gute Spieler haben und dass wir auch bei einem großen Turnier Chancen haben, weiterzukommen.

SPORT1: Der österreichische Trainer hat zugegeben, dass seinem Team die Erfahrung auf diesem Niveau gefehlt habe. Warum wart ihr nicht nervös, da euch ja auch diese Erfahrung fehlt?

Sigurdsson: Das liegt an unserer Mentalität. Wir haben nichts zu verlieren. Niemand hat erwartet, dass wir es zur Endrunde schaffen. Österreich hat eine starke Mannschaft mit guten Spielern. Es ist schwer, gegen sie zu spielen. Wir haben uns vor dem Spiel gesagt: "Wir wollen nicht nach Hause fahren. Wir wollen weiter bei diesem Turnier spielen."

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SPORT1: Jetzt geht es gegen England. Sie haben durch Ihr Engagement in der Premier League die meiste Erfahrung mit dem englischen Fußball. Was erwarten Sie für das Spiel?

Sigurdsson: Es wird ein schwieriges Spiel. Sie haben sehr gute Spieler. Sie haben sowohl junge Spieler, als auch sehr erfahrene wie Wayne Rooney oder Torhüter Joe Hart im Team. Aber wir freuen uns auf das Spiel und werden es hoffentlich genießen.

SPORT1: England hat ein ähnliches Problem wie Österreich mit der Chancenverwertung. Ist das vielleicht Islands Chance?

Sigurdsson: England ist weitergekommen, ohne wahrscheinlich seinen besten Fußball gespielt zu haben. Das zeigt, wie gut sie sind. Wir wissen, dass es sehr hart werden wird, weil sie einige fantastische Spieler haben. Wir freuen uns auf das Spiel und werden dafür bereit sein.

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