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Antonio Rüdiger bestritt bislang zehn Länderspiele für die Nationalmannschaft © Getty Images

Ascona und Gelsenkirchen - Antonio Rüdiger spricht im SPORT1-Interview über seine Chancen als Ersatz von Mats Hummels, mögliche Varianten in der Abwehr und seine Situation bei der Roma.

Die Weltmeisterschaft hat Antonio Rüdiger noch verpasst. Im Mai 2014 feierte er gegen Polen sein Länderspieldebüt, nach Brasilien durfte er aber nicht mit.

Zwei Jahre später ist der 23-Jährige nicht nur EM-Teilnehmer, der groß gewachsene Abwehrspieler der Roma hat die besten Chancen, bei der Europameisterschaft als Ersatz für Mats Hummels zum Einsatz zu kommen.

Beim 1:3 gegen die Slowakei und beim 2:0 gegen Ungarn ersetzte Rüdiger Hummels in der Innenverteidigung - und vieles spricht dafür, dass er auch beim EM-Auftakt am Sonntag gegen die Ukraine (ab 20 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) in der Startelf steht.

Im SPORT1-Interview spricht Rüdiger über seine Aussichten, mögliche Varianten in der Abwehr und seine Situation in Rom.

SPORT1: Man hat den Eindruck, dass Sie nach zu Beginn etwas schwierigeren Spielen im DFB-Team immer besser werden. Sehen Sie das auch so?

Antonio Rüdiger: Ich habe nie an mir selbst gezweifelt und habe mich auch nie durch Kritik unterkriegen lassen. Ich bin einfach glücklich, dass wir die Generalprobe für die EM gewonnen haben.

SPORT1: Sie haben gegen Ungarn in der Defensive nichts zugelassen und sich auch ins Spiel nach vorn eingeschaltet, hatten auch eine riesige Kopfballchance, aber…

Rüdiger: Den Ball hätte ich definitiv rein machen müssen. Ich weiß, was ich in den nächsten Wochen üben muss.

SPORT1: Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein, Mats Hummels auch bei der EM, zumindest in den ersten Spielen, ersetzen zu dürfen?

Rüdiger: Es tut mir leid für Mats, er ist definitiv ein wichtiger Spieler für diese Mannschaft. Aber ich sage auch: Wenn es die Chance geben sollte, dass er nicht spielen kann, macht man sich natürlich Hoffnungen. Der Trainer entscheidet. Aber ich denke, die Chancen stehen gut.

SPORT1: Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die EM?

Rüdiger: Ich freue mich riesig auf die EM. Natürlich möchte man bei so einem Turnier auch spielen. Wenn es dazu kommen sollte, werde ich da sein.

SPORT1: Sie könnten auch zur Not Rechtsverteidiger spielen, auch wenn Sie Ihre Stärken wohl eher im Zentrum sehen.

Rüdiger: Ich bin Innenverteidiger, klar. Aber ich kann auch Rechtsverteidiger spielen: Wenn ich da helfen kann, spiele ich da auch gerne.

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SPORT1: Es wird immer über die Dreier- oder Viererkette diskutiert. Wo liegen für Sie die Vorteile der jeweiligen Variante und wo Ihre Vorlieben?

Rüdiger: Die Viererkette hat man drin. Eine Dreierkette ist keine Sache von heute auf morgen. Da musst du wirklich gewisse Abläufe kennen. Ich habe beides in Italien gespielt, mir liegt beides gut. Es kommt immer darauf an, wie man es spielt.

SPORT1: Und wahrscheinlich auch auf die Gegner. Gerade in der Vorrunde erwartet die deutsche Mannschaft eher defensiv eingestellte. Ist da die Dreierkette mit offensiven Außen eine Option, um mehr Offensiv-Power zu haben?

Rüdiger: Es könnte eine Option sein, aber 2014 sind wir auch mit Viererkette Weltmeister geworden. Da standen einige Gegner auch sehr defensiv. Es ist immer eine Sache der Interpretation.

SPORT1: Fühlen Sie sich im DFB-Team schon ähnlich sicher wie im Verein?

Rüdiger: Wir spielen im Verein anders als in der Nationalmannschaft. Man muss sich immer erst wieder aneinander gewöhnen, wir sehen uns ja nicht jeden Tag. Aber ich denke, es wird immer besser.

SPORT1: Wie stellt sich Ihre persönliche Lage beim AS Rom dar?

Rüdiger: Ich habe eine gute Saison gespielt und fühle mich dort wohl.

SPORT1: Ihr Name wird aber auch immer wieder bei einigen Bundesligisten genannt. Wäre eine Rückkehr nach Deutschland überhaupt eine Option?

Rüdiger: Deutschland ist eine super Liga. Ich habe immer gesagt, dass mich das Ausland reizt. Da, wo ich gerade bin, bin ich zufrieden. Irgendwelche Gerüchte sind für mich nebensächlich. Ich konzentriere mich voll und ganz auf die Nationalmannschaft.

SPORT1: Wie geht die Mannschaft nach den Anschlägen in Paris im vergangenen November mit dem Thema Sicherheit bei der EM um?

Rüdiger: Klar ist man besorgt um Familie und Frauen. Bei mir ist es so, dass meine Mama jetzt nicht hinkommen möchte wegen der Ereignisse im November. Sicher waren wir ja schon, so ist es nicht. Aber wenn man ehrlich ist: Egal, wo man hingeht, muss man aufpassen. Ich hoffe einfach, dass es für alle, die in Frankreich sind, ein friedliches Fest bleibt. Das ist das Wichtigste. Ich wäre ein Egoist, wenn ich nur an meine Familie denken würde.

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