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München - Island gelingt im Achtelfinale gegen England eine der größten Sensationen der Geschichte. SPORT1 nennt sieben kuriose Fakten über den spektakulären EM-Neuling.

Sie machen einfach immer weiter. Island zeigt im Achtelfinale der EM seine bislang beste Turnierleistung und besiegt England, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt.

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Europa verliebt sich gerade in eine Mannschaft, die vor diesen sensationellen Tagen in Frankreich kaum jemand wirklich kannte.

Sieben kuriose Fakten über die "Strakarnir okkar" ("unsere Jungs"):

- Fans und Schlachtgesänge:

330.000 Einwohner hat Island – fast zehn Prozent von ihnen sollen sich gerade in Frankreich aufhalten. Davon wiederum knapp 10.000 kommen in die Stadien und malen die Ränge blau. "Es ist, als wenn deine Familie hier wäre. Die Hälfte der Leute kenne ich wahrscheinlich", sagte Abwehrspieler Kari Arnason.

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Die Isländer sorgten – ebenso wie die irischen und nordirischen Fans - für schöne Bilder bei dieser von Hooligan-Krawallen überschatteten EM.

Der Schlachtgesang der Isländer – ein langgezogenes "Uuuuuuuhhhh" hebt sich wohltuend ab von den auf Dauer doch recht eintönigen Schlachtrufen wie "Die Nummer 1 der Welt sind wir" oder "Deutschland! Deutschland!" (wahlweise zu ersetzen durch "Italia! Italia!" oder andere Ländernamenrufe) anderer Nationen.

- Unsterblicher Kommentator:

Mit einem Moment macht sich Gudmundur Benediktsson unsterblich. Der Mann ist Kommentator beim isländischen TV-Sender RUV und begleitet Islands Siegtor im letzten Gruppenspiel gegen Österreich dermaßen schrill und losgelöst, dass er sofort zum weltweiten Hit wird.

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Übersetzt hört sich das in etwa so an: "Meine Stimme ist weg, aber das ist egal. Wir sind durch. Arnor Ingvi Traustason hat getroffen. Island 2, Österreich 1. Wer hätte das gedacht! Wer hätte das gedacht! Der Schlusspfiff ist da! Ich habe mich noch nie, nie so gut gefühlt."

Ähnlich emotional geht es bei ihm zu, als Island das Achtelfinale gegen England dreht. Mittlerweile ist Benediktsson eine echte Berühmtheit: Auch die Nachricht, dass er seinen Job als Co-Trainer bei einem isländischen Erstligisten verloren hat, geht um die Welt.

- Zahnarzt an der Seitenlinie

Heimir Hallgrimsson wird nach der EM alleiniger Nationaltrainer, derzeit führt er die Mannschaft gemeinsam und gleichberechtigt mit dem Schweden Lars Lagerbäck.  

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Heimir Hallgrimsson ist mitentscheidend für Islands Erfolg © Getty Images

Das hat zur Folge, dass er seinen eigentlichen Beruf vorerst aufgeben wird. Denn bislang arbeitete der 49-Jährige weiterhin als Zahnarzt, seine Praxis auf den Westmännerinseln wird er vorerst nicht mehr betreuen.

- Regisseur hütet das Tor

Thor Halldorsson (keine Wortspiele mit Namen, bitte - gilt auch für Stürmer Sigthorsson) hatte gegen Portugal viel zu tun, musste aber nur nach dem Treffer von Nani hinter sich greifen. Von Superstar Ronaldo dagegen ließ er sich nicht bezwingen. Und das, obwohl er 2005 noch Hobby-Kicker war. Elf Jahre später steht er bei einem großen Turnier im Tor.

England v Iceland - Round of 16: UEFA Euro 2016
Thor Halldorsson hält Island hinten zusammen © Getty Images

Doch auch der hat eigentlich einen anderen Beruf. Im "richtigen Leben" ist er Filmregisseur, bis vor zehn Jahren verdiente er damit sein Geld, hauptsächlich mit Musikvideos und Training. Auch heute noch schneidet er zwischen den Trainings und Spielen seine Filmchen. So läuft aktuell in Island ein Spot mit Aufnahmen aus den Kindheitstagen seiner Kollegen in der Nationalmannschaft.

- Aus aller Länder – nur Island nicht

Klar, zu seinem Abschied will Lars Lagerbäck noch einmal alles versuchen. Dafür hat er Spieler aus sage und schreibe 22 verschiedenen Vereinen in ganz Europa um sich versammelt und mit einem EM-Ticket versehen.

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Das Besondere daran: Keiner von ihnen spielt noch in Island.

- Eidur ohne -son

Ob sich Eidur Gudjohnsen im Team wie ein Außenseiter fühlt? Der Stürmer vom norwegischen Erstligisten Molde FK ist der einzige Spieler im Kader, dessen Name nicht auf –son endet.

Nach isländischer Tradition übernehmen die Kinder die Vornamen ihres Vaters mit der entsprechenden Endung "–son" (Jungs) beziehungsweise "-dottir" als Nachname.

Es gibt also kaum klassische Nachnamen in Island. Die wenigen, die es gibt, sind meist Überbleibsel der über 600-jährigen dänischen Besatzungszeit – wie eben bei Gudjohnsen.

- Isländer schreibt Länderspiel-Geschichte

Apropos Eidur Gudjohnsen: Er ist mit 26 Treffern nicht nur Islands Rekordtorschütze, sondern hat auch bereits Fußball-Geschichte geschrieben.

Bei seinem Länderspiel-Debüt gegen Estland am 24. April 1996 wurde der damals 17-Jährige für seinen Vater Arnor eingewechselt. Dass ein Sohn für seinen Vater in einem Länderspiel eingewechselt wurde, hat es bislang nur dieses eine Mal gegeben.

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