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Manuel Neuer im DFB-Team
Manuel Neuer will nach dem WM-Titel 2014 auch bei der EM in Frankreich triumphieren © Imago

Evian-les-Bains - Manuel Neuer spricht im Interview über das EM-Viertelfinale gegen Italien, ein mögliches Elfmeterschießen und über Italiens Torwart-Legende Gianluigi Buffon.

Manuel Neuer ist gut gelaunt, als er im Medienzentrum in Evian zum Interview kommt. Er ist locker, kein Zeichen von Anspannung.

Als er ein Handyfoto von Italiens Torwart Gianluigi Buffon mit Jeans, lässig gestylten Haaren und Sonnenbrille nach dem Achtelfinalsieg gegen Spanien sieht, lacht er. Dennoch ist der 30-Jährige fokussiert, denn er weiß, dass am Samstag viel auf dem Spiel steht.

Bei der EM 2012 schied Neuer mit dem DFB-Team im Halbfinale gegen Buffons Italiener aus. Am Samstag im Viertelfinale (ab 20 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) will er das bessere Ende für sich haben.

In einer kleinen Medienrunde sprach Neuer über das Spiel gegen die Squadra Azzurra, ein mögliches Elfmeterschießen und über Italiens Torwart-Legende.

Thorsten Mesch mit Manuel Neuer
SPORT1-Reporter Thorsten Mesch (l.) traf Manuel Neuer während der EM zum Interview © SPORT1

Frage: Herr Neuer, können Sie sich vorstellen, mit 38 noch im Tor zu stehen wie Gianluigi Buffon?

Manuel Neuer: Das ist schwer zu sagen. Man muss auf seinen Körper hören und schauen, ob man dann noch in der Lage ist, der Mannschaft zu helfen. Bei Gigi klappt es perfekt. Er bringt alles mit, er hat die Erfahrung und auch noch die körperliche Fitness. Man sieht ihm sein Alter nicht an.

Frage: Schwingt da vielleicht auch etwas Bewunderung mit?

Neuer: Es ist typisch für die Italiener, dass sie faire Sportsleute sind. Wenn ich Gigi begegnet bin, hat man immer nett miteinander geredet. Egal, wie ein Spiel ausgegangen ist, war der Umgang mit Gigi immer sehr fair und freundschaftlich.

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Frage: Haben Sie sich in jüngeren Jahren etwas von ihm abgeschaut?

Neuer: Gigi hat seit zwei Jahrzehnten Topleistungen gebracht und ist nach wie vor ein Weltklasse-Torwart. Er gehörte natürlich auch mit zu meinen Vorbildern.

Frage: Was zeichnet ihn aus?

Neuer: Er ist ruhig, er kennt seine Jungs, die vor ihm stehen, von Juventus Turin. Er ist auch im Strafraum sehr präsent, redet viel, ist sehr gut auf der Linie.

Frage: Sind Sie auch schon einmal wie Buffon nach einem Sieg an die Torlatte gesprungen?

Neuer: In meiner Kindheit, in der E-Jugend, da habe ich es mal versucht. Ich habe es beim ersten Mal nicht gesehen, aber es scheint ja bei den Italienern zum Klassiker zu werden.

Frage: Sind Sie überrascht über die Art und Weise, wie die Italiener bisher gespielt haben?

Neuer: Dass Italien bei Turnieren immer ein anderes Gesicht zeigt als in Testspielen, ist allen bekannt. Wie sie aber gegen Spanien gespielt haben, das war schon sehr gut. Sie waren toll vorbereitet, die taktischen Vorgaben ihres Trainers haben gegriffen. Wie sie schon in der Offensive die Spanier angelaufen haben und sie nicht haben ins Spiel kommen lassen, das war beeindruckend.

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Frage: Wie bereiten Sie sich vor, auch auf ein mögliches Elfmeterschießen?

Neuer: Ich bereite mich vor wie immer, analysiere die Offensivspieler und die Standardsituationen. Aber der Spieler entscheidet, wohin er schießt. Man muss darauf achten, was in anderen Spielen passiert ist, man muss aber auch auf sich hören, auf seine Erfahrungen, die man selbst gesammelt hat.

Frage: Würden Sie einen Elfmeter schießen?

Neuer: Ich würde mich erst bereit erklären, wenn die Spieler sich nicht freiwillig melden. Wenn bei einem Angst da ist, würde ich auch schießen. Mein Job ist es aber erst einmal, die Bälle zu halten.

Frage: Sie haben in vier EM-Spielen noch kein Tor kassiert. Was macht die deutsche Abwehr so stark?

Neuer: Egal wie die Formation war, wir haben gute Defensivleute. Wir wissen, worauf es ankommt, wir sprechen mehr miteinander und versuchen, den Gegner vom Tor wegzuhalten. Ich bin zwar auch gerne im Spiel, aber wenn wir gut stehen und unseren Job erledigen, ist es perfekt für mich.

Frage: Was muss die Abwehr gegen Italien beachten?

Neuer: Man muss sich daran orientieren, wie die Offensivspieler stehen. Wir wollen früh stören, um zu unterbinden, dass sie ihr typisches Spiel aufbauen und mit einem Querball ins Zentrum kommen. Wir wissen, dass Eder ein sehr schneller Spieler ist, der in die Tiefe geht, und dass ich dann vielleicht etwas höher stehe.

Frage: Merken Sie schon die Anspannung?

Neuer: Für uns erfahrene Spieler gibt es keinen Unterschied in der Vorbereitung. Vielleicht ist das so bei dem einen oder anderen jüngeren Spieler. Bei mir war es früher auch so, dass die Anspannung und Nervosität hinzukommt. Das soll aber nichts Negatives heißen. Wir gehen mit solchen Spielen positiv um und freuen uns darauf, dass wir jetzt ein so tolles Viertelfinale haben.

Frage: Ist noch von 2012 eine Rechnung offen?

Neuer: Nein, eine Rechnung ist nicht offen. Wir nehmen das Spiel so an, wie es kommt. Die Mannschaften haben sich ein bisschen verändert, und man braucht auch nicht zurückzudenken an 2012.

Frage: Was hat das Spiel damals bei Ihnen bewirkt?

Neuer: Natürlich arbeitet es im Kopf, man geht es noch mal durch. Das Jahr 2012 war nicht so positiv für mich, mit Bayern sind wir zweimal Zweiter geworden, das Halbfinal-Aus kam noch on top. Trotzdem geht es immer weiter. Das ist das Positive an unserem Beruf, dass man immer neue Chancen bekommt.

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Frage: Hilft Ihnen der WM-Titel, das Spiel mit einem anderen Selbstbewusstsein anzugehen als 2012, als sich Trainer und Team vielleicht zu sehr nach dem Gegner gerichtet haben?

Neuer: Wir versuchen natürlich, den Italienern unser Spiel aufzuzwingen. Der Gegner freut sich auch nicht, wenn er gegen Deutschland spielt. Italien wird uns auch attackieren, wie sie  es bei den Spaniern gemacht haben. Aber man hat auch gesehen, dass sie in den letzten 20, 30 Minuten auch ein bisschen nachgelassen haben. Wichtig wird es sein, wer das erste Tor macht. Geduld spielt in so einem Spiel eine große Rolle.

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