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Lille - Mario Götze sitzt im Achtelfinale gegen die Slowakei nur auf der Bank. Er zeigt sich als Teamplayer und jammert nicht, aber sein persönlicher Traum ist in Gefahr.

"Teamwork makes the dream work." Auf Facebook, Instagram und Twitter war Mario Götzes Kommentar knapp zwei Stunden nach dem Einzug ins Viertelfinale zu lesen. 

Götze hatte beim überzeugenden 3:0-Achtelfinalsieg gegen die Slowakei nur auf der Bank gesessen, doch in den sozialen Netzwerken betonte er den Erfolg der Mannschaft. Aber wirklich glücklich hatte er nicht ausgesehen, als er sich nach Abpfiff im Stade Pierre Mauroy mit seiner extra angereisten Freundin traf.

"Das war ein trauriger Abend für Mario", meinte ZDF-Experte Sebastian Kehl, bei Borussia Dortmund einst Götzes Kapitän. 

"Er wird sich über das Weiterkommen gefreut haben. Aber ausgerechnet derjenige, der reinkommt, macht ein überragendes Spiel. Da schlagen vielleicht zwei Herzen in seiner Brust. Er wird vielleicht geknickt ins Bett gehen", sagte Kehl.

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"Jeder möchte auf dem Platz stehen"

Wie Götze sich selbst fühlte, gab er nicht preis. Er wich eher aus. "Wir haben heute ein sehr, sehr gutes Spiel gemacht und sind eine Runde weiter, ein großes Kompliment an die Mannschaft", betonte er nach dem Spiel bei SPORT1.

Jochen Stutzky (l.) und Thorsten Mesch berichten bei der EM 2016 für SPORT1 vom deutschen Team
Jochen Stutzky (l.) und Thorsten Mesch berichten bei der EM 2016 für SPORT1 vom deutschen Team © SPORT1 Grafik: Paul Haenel

Nach außen Teamplayer, aber nach innen? Es wurmte ihn schon, dass er 90 Minuten lang nur zusehen musste. "Nichtsdestotrotz: Jeder ist heiß auf einen Startelfeinsatz. Jeder, der Fußballer ist, möchte auf dem Platz stehen, das steht außer Frage", sagte der 24-Jährige.

In den drei Gruppenspielen hatte Joachim Löw ihn jedes Mal in der Startelf gebracht. Nun droht Götze auch im Viertelfinale gegen Spanien oder Italien die Bank.

Denn Julian Draxler, der den Vorzug auf der linken Offensivseite bekommen hatte, und auch Mario Gomez nutzten ihre Chance.

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Draxler und Gomez nutzen ihre Chance

Draxler bereitete einen Treffer vor, erzielte das 3:0 und wurde als Man of the Match ausgezeichnet. (Die SPORT1-Einzelkritik) Gomez traf zum zweiten Mal im Turnier, hat seinen Stammplatz ganz vorne untermauert. (Pressestimmen)

"Jule macht ein Tor, Mario macht sein Tor. Ich hätte beim letzten Spiel auch meine Tore machen können", haderte Götze. Die Frage, was Löw ihm als Begründung im Einzelgespräch gesagt hatte, ließ er unbeantwortet. "Das ist eine Sache, die bleibt zwischen Trainer und mir. Ich glaube, da brauchen wir jetzt nicht drüber zu reden", meinte er und richtete den Blick nach vorn.

Weiter Gas geben

"Ich werde Gas geben. Werde wieder versuchen anzugreifen. Mehr kann man als Fußballer nicht machen. Man muss seine Leistung bringen. Man muss abliefern."

Und genau da liegt Götzes Problem. Er braucht Einsätze und Tore in der Nationalmannschaft, um auch seine Situation beim FC Bayern zu verbessern. In der vergangenen Saison war Götze unter Trainer Pep Guardiola meistens nur Ersatz. Ob er bei Guardiolas Nachfolger Carlo Ancelotti bessere Karten hat, muss sich erst herausstellen.

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Keine Rückendeckung von den Bayern

Spekulationen über eine Rückkehr nach Dortmund hatte Götze den Wind aus den Segeln genommen. Er wolle sich in München durchbeißen. Doch vom FC Bayern bekam er keine Rückendeckung. Im Gegenteil.

"Er weiß Bescheid, wie der Klub denkt, und er weiß, wie der künftige Trainer denkt", hatte FCB-Boss Karl-Heinz Rummenigge Ende Mai kühl erklärt. "Mario kennt die Gedanken des FC Bayern. Vielleicht möchte er jetzt einfach in Ruhe die EM spielen.“

Spätestens seit Sonntagabend ist es vorbei mit der Ruhe. Der Teamplayer Götze braucht auch ein persönliches Erfolgserlebnis wie im WM-Finale von Rio, als er eingewechselt wurde und das Siegtor erzielte.

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Überrascht Löw noch einmal?

Bei der EM war er bislang gesetzt, doch plötzlich ist er auch bei Löw, der immer treu zu ihm gehalten hat, nicht mehr automatisch erste Wahl.

Natürlich werden die Karten neu gemischt, vielleicht baut Löw im Viertelfinale ja doch wieder auf ihn. Die Entscheidungen des Bundestrainers sind ja oft unergründlich. (Interview Neuer: "Götze wird noch wichtig")

Doch momentan hält Götze keinen Trumpf in der Hand. "Teamwork makes the dream work." Das Team funktioniert, aber sein persönlicher Traum ist in Gefahr.

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