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Evian-les-Bains - Joachim Löw hat den 20-jährigen Jonathan Tah nachnominiert für den EM-Kader. U21-Trainer Horst Hrubesch zeigt sich bei SPORT1 begeistert von seinem ehemaligen Schützling.

Jonathan Tah war in Florida, als ihn der Bundestrainer anrief. Statt USA heißt es jetzt für ihn Frankreich, und so war Tah am Mittwoch schon auf dem Weg nach Evian.

"Ich weiß, dass er sehr professionell ist und auch im Urlaub nicht auf der faulen Haut liegt", sagte Joachim Löw, nachdem er Tahs Nachnominierung für den mit einem Kreuzbandriss ausgefallenen Antonio Rüdiger für die EM 2016 in Frankreich bestätigt hatte.

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Tah sei "seit drei Wochen im Training, wir werden ihn schnell integrieren", meinte Löw. Er habe sich bewusst für eine 1:1-Lösung entschieden beim Ersetzen Rüdigers.

Die Nominierung des erst 20 Jahre alten Leverkuseners ist eine nachvollziehbare Entscheidung, auch wenn er erst ein Länderspiel absolviert hat.

"Er hat ein Riesenpotenzial und eine hohe Qualität", sagte U21-Nationaltrainer Horst Hrubesch zu SPORT1.

"Als ich von der Nachnominierung hörte, habe mich sehr für den Jungen gefreut. Er hat bei uns in der U21 und auch in Leverkusen überragend gespielt", so Hrubesch, der Tah zuletzt noch bei den DFB-Junioren coachte.

Als der Innenverteidiger im März zum ersten Mal einen Anruf des Bundestrainers erhalten hatte, war er - anders als jetzt - vorbereitet. Bayer-Sportchef Rudi Völler hatte ihn vorgewarnt. 

"Es war ein besonderer Moment für mich. Ich habe schon immer dafür gearbeitet. Aber dass es so schnell kommt, hätte ich mir nicht erträumen können", sagte Tah damals.

Unglückliches Debüt gegen England

Beim 2:3 gegen England war der bullige 1,94-Meter-Hüne beim Stand von 2:0 für den verletzten Mats Hummels eingewechselt worden und erlebte einen etwas unglücklichen Einstand. Nun könnte er bei der EM wieder Hummels ersetzen, der mindestens für die ersten Gruppenspiele ausfällt.

Jochen Stutzky (l.) und Thorsten Mesch berichten bei der EM 2016 für SPORT1 vom deutschen Team
Jochen Stutzky und Thorsten Mesch berichten für SPORT1 vom DFB-Team in Frankreich © SPORT1 Grafik: Paul Haenel

"Die Frage ist, ob er die Aufgabe jetzt in dieser Situation schon zu 100 Prozent erfüllen kann. Zutrauen tue ich ihm das ohne Weiteres", sagte Hrubesch.

Löw schwankt zwischen Höwedes und Mustafi

Doch wie es aussieht, wird Tah zumindest nicht sofort zum Einsatz kommen.

Germany v England - International Friendly
Jonathan Tah feierte im März gegen England sein Debüt im DFB-Team © Getty Images

"Wir haben zwei Möglichkeiten", erklärte Löw am Mittwoch und nannte Shkodran Mustafi und Benedikt Höwedes als mögliche Hummels-Vertreter für das erste EM-Spiel des Weltmeisters am Sonntag in Lille gegen die Ukraine (ab 20 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER).

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Die Nase vorne haben dürfte Mustafi, da Höwedes rechts in der Viererkette wohl eher gebraucht wird.

Doch im Verlauf eines Turniers werden viele Spieler benötigt, und selbst wenn Tah in Frankreich nicht spielen sollte: Er ist der Innenverteidiger der Zukunft.

"In zwei Jahren wird er Weltklasse sein", lobte ihn Hrubesch schon im März. Nicht nur Löw verglich ihn damals mit dem jungen Jerome Boateng.

Vergleich mit Jerome Boateng

"Er hat für sein Alter schon ein sehr gutes defensives Verhalten, auch im taktischen Bereich. Und er ist körperlich präsent. Er ist noch jung, entwicklungsfähig - ähnlich wie es Jerome Boateng in seinem Alter war", sagte der Bundestrainer, ergänzte aber auch: "Er muss noch einiges dazulernen."

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Tatsächlich ähnelt Tah dem sieben Jahre älteren Boateng in der Spielanlage. Beide haben ihre Stärken im Stellungsspiel und sind kopfballstark. Auch Tahs Spieleröffnung ist ordentlich.

Tah und Boateng haben übrigens denselben Berater, beide werden vom ehemaligen Nationalspieler Christian Nerlinger gemanagt.

Seine Gegner und Mitspieler beeindruckt der 20-Jährige schon jetzt.

"Er ist immer eng dran und durch seine Masse auch extrem schnell. Er bleibt ruhig, hat die Größe und die Kopfballstärke", erzählte sein Leverkusener Teamkollege Stefan Kießling. Und weiter: "Er hat einen Körper wie ein Bulle, und es ist unheimlich schwierig, gegen ihn zu spielen."

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