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Andreas Möller (r., mit Bernd Storck) startete eine Trainerkarriere 2007 bei Viktoria Aschaffenburg © Getty Images

München - Vor dem Start der Europameisterschaft spricht SPORT1-Experte und Ungarns Co-Trainer Andreas Möller bei SPORT1 über die Magyaren, die deutsche Elf und Bastian Schweinsteiger.

Andreas Möller sprüht vor Tatendrang.

Der SPORT1-Experte ist jetzt seit rund einem halben Jahr Co-Trainer von Ungarns Nationalmannschaft.

Dort assistiert der 48-Jährige Chefcoach Bernd Storck. Und das mit viel Freude und großem Engagement. Die EM ist nun das erste große Highlight für Möller als Trainer.

Vor dem EM-Comeback der Ungarn nach 44 Jahren spricht der Europameister von 1996 im SPORT1-Interview über die Magyaren, die deutsche Elf und Bastian Schweinsteiger.

SPORT1: Herr Möller, am Freitag fällt der EM-Startschuss. Wie sehr kribbelt es schon?

Andreas Möller: Die Vorfreude ist riesengroß. Eine Europameisterschaft als Trainer zu erleben und da aktiv mitzuwirken, ist natürlich eine fantastische Sache. Ich kann es kaum erwarten, bis es losgeht. Den Jungs und Bernd (Nationaltrainer Bernd Storck, d. Red.) geht es genauso.

SPORT1: Es ist Ihr erstes Turnier als Trainer. Machen Sie da etwas anders im Vorfeld?

Möller: Natürlich. In dem Wort Trainer steckt schon sehr viel drin. Es ist klar, dass man außerhalb des Platzes sehr viele Themen hat, die es zu bearbeiten und vorzubereiten gilt. Der Aufgabenbereich ist schon weitaus größer als wenn du Spieler bist. Es muss viel organisiert werden, und du musst die Mannschaft optimal auf so ein großes Turnier vorbereiten. Das ist schon ganz anders wie als Spieler.

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Matchwinner: Andreas Möller erzielt 1996 für Deutschland gegen Tschechien das 2:0-Siegtor © Getty Images

SPORT1: Welche Lehren zieht man aus der Niederlage gegen Deutschland?

Möller: Wir konnten aus diesem Spiel einige Erkenntnisse gewinnen. Es war für unsere Mannschaft natürlich ein besonderes Spiel, noch dazu im Land des Weltmeisters. Aus solchen Duellen können wir sehr viel lernen und mitnehmen. Es war für uns ein sehr guter Test - trotz der Niederlage.

SPORT1: Was muss noch besser werden bis zum Auftaktspiel gegen Österreich?

Möller: Wir wissen schon, was wir können. Man muss seine Leistung auch realistisch einschätzen können, und das tun wir. Wichtig ist, dass sich das Team kontinuierlich weiter entwickelt hat. Nach den Playoff-Spielen gegen Norwegen haben wir versucht die nächsten Schritte zu gehen und haben an unserem Auftreten und auch sonst in vielen Bereichen in der Defensive und Offensive gearbeitet. Natürlich ist das gegen Deutschland sehr schwer, aber wichtig ist, dass wir sehen, dass wir von Spiel zu Spiel Fortschritte machen.

SPORT1: Sie sagten, dass Ungarn klarer Underdog ist. Warum so devot?

Möller: In erster Linie wollen wir uns in Frankreich selbst etwas beweisen. Wir wollen vor allem zeigen, dass wir auch gut Fußball spielen können. Den Anspruch stellen wir selbst an uns. Wir fahren jetzt nicht zum Turnier und werden vorher große Ziele raushauen. Wir wollen uns einfach sehr gut präsentieren. Es ist bestimmt kein Understatement, sondern das ist die Realität.

Andreas Möller wurde 1996 mit Deutschland Europameister
Schaut her ich war's! Andreas Möller bei der Europameisterschaft 1996 für Deutschland © getty

SPORT1: Kann diese Bodenständigkeit im Laufe eines Turniers hilfreich sein?

Möller: Vielleicht. Wenn man nach so langer Zeit mal wieder an einem großen Turnier teilnimmt, ist es auch besser, wenn man erst mal versucht im Konzert des europäischen Fußballs dabei zu sein. Das ist ein Riesen-Erfolg. Wir wollen erfolgreich auftreten und orientieren uns nicht an anderen Nationen, sondern an uns. Man darf nicht vergessen, dass unsere Spieler keine internationale Erfahrung haben und nicht Europa League oder Champions League gespielt haben. Die Ausnahme ist Balasz Dzsudzsak. Wir wollen das bestmögliche rausholen, die Österreicher und Portugal sind klarer Favorit. Island und wir können sich um den dritten Platz streiten. Ein Achtelfinal-Einzug wird ein hartes Stück Arbeit.

SPORT1: Wie sehen Sie die Deutschen?

Möller: Die Mannschaft hat eine unglaubliche Qualität. Natürlich gehört Deutschland zum Favoritenkreis. So ein Turnier hat seinen eigenen Charakter und seine eigene Dynamik. Am Ende sind die Teams erfolgreich, bei denen alles passt vom Mannschaftsgefüge her. Die Voraussetzungen beim DFB-Team sind optimal. Aber auch da müssen die Spieler das auf dem Platz  umsetzen. Wenn es wie 2014 gelingt sich als Einheit zu präsentieren, dann ist der große Wurf möglich.

SPORT1: Die zurückliegenden Spiele der DFB-Elf waren aber nicht überzeugend.

Möller: Wenn man die Spiele dominiert und hoch steht, dann konnte man in den letzten Spielen sehen, dass Deutschland immer mal für ein Gegentor gut war. Die Mannschaften waren am Ende erfolgreich, die eine stabile Defensive hatten und gut organisiert waren. Deutschland hat die unglaubliche Qualität nach vorne. Aber letztendlich wird entscheidend sein, wie man hinten agiert. Man muss die Balance finden mit kontrolliertem Angriffsspiel. Man darf nicht vergessen, dass Turniere auch durch eine starke Abwehrleistung gewonnen werden.

SPORT1: Bastian Schweinsteiger konnte bei seinem kurzen Comeback  gegen Ungarn noch nicht viel umsetzen. Wie sehen Sie den deutschen Kapitän?

Möller: Bastian war nach seinem Einsatz gegen uns sehr selbstkritisch. Er ist nach wie vor sehr wichtig für das deutsche Team. Er ist weiter ein Führungsspieler und eine absolute Persönlichkeit. Und er hat unglaublich viel Erfahrung. Und Bastian besitzt durch seine Leistung im WM-Finale unglaublich viel Kredit. Wenn er fit ist, gehört er auf jeden Fall in die Mannschaft. Er ist eine Galionsfigur.

SPORT1: Wie sehen die nächsten Tage aus?

Möller: Wir sind am Dienstag in Frankreich angekommen und haben unser EM-Quartier bezogen. Bis zum ersten Spiel haben wir noch eine Woche Zeit, uns gut vorzubereiten. Wir müssen uns auch akklimatisieren. Wir freuen uns, dass das Turnier losgeht. Es ist eine hervorragende Sache für die Spieler. Diese Erinnerung werden sie in vielen Jahren noch haben.

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