vergrößernverkleinern
Alessandro Altobelli hat für den Klassiker zwischen Deutschland und Italien im EM-Viertelfinale einen klaren Favoriten © SPORT1-Grafik: Paul Hänel/Getty Images

München - WM-Held Alessandro Altobelli lobt ein "durchschnittliches" Italien in den Himmel. Von einem DFB-Star ist der Ex-Stürmer enttäuscht, während ihn ein Azzurri-Duo begeistert.

Alessandro Altobelli ist in Italien eine lebende Legende. Dass Deutschland vor dem EM-Viertelfinale gegen Italien (Samstag, ab 20 Uhr LIVE bei SPORT1.fm und im LIVETICKER) noch nie ein Pflichtspiel gegen die Azzurri gewinnen konnte liegt auch an ihm.

Im Finale der Weltmeisterschaft 1982 erzielte 'Spillo' (zu deutsch: die Nadel) neun Minuten vor Schluss das vorentscheidende 3:0, Deutschland kam lediglich noch zum Ehrentreffer, Italien wurde schließlich Weltmeister.

Bei SPORT1 spricht der 60-Jährige, der in 61 Länderspielen 25 Tore erzielte und derzeit in Katar als TV-Experte unterwegs ist über den bevorstehenden Klassiker.

SPORT1: Herr Altobelli, wie bewerten Sie den bisherigen Turnierverlauf der italienischen Mannschaft?

Alessandro Altobelli:  Italien macht bislang einen hervorragenden Eindruck auf mich. Keiner hat sich ein derart gut organisiertes Team vorstellen können. Ein Italien, das einen technisch guten Fußball spielt und das es verdient hat, die Gruppenphase als Erster zu überstehen. Der Sieg gegen Spanien war dann das bisherige i-Tüpfelchen. Es ist ein Italien der Arbeiter – aber eines mit Sternchen!

SPORT1: Welche Spieler stechen aus der Squadra Azzurra hervor?

Alessandro Altobelli:  Eines vorweg: Alle haben bislang ihre Sache gut gemacht! Wenn man wirklich jemanden sucht, der aus dieser guten Mannschaft hervorsticht, dann solche Typen wie Buffon oder Bonucci. Aber auch Barzagli, De Rossi oder Giaccherini kann man aufzählen. Insgesamt ist es eine sehr gesunde Mischung, die da bislang auf dem Platz stand und die Lust hat, etwas auf die Beine zu stellen.

SPORT1: ...und mit ihren Erfolgen bestimmt auch Sie überrascht hat?

Alessandro Altobelli:  Ja, das kann man nicht anders sagen. Vor dem Turnier erwartete doch jeder eine Mannschaft, die nicht auf der Höhe sein würde. Wenn man sich den Kader angeschaut hat, dann war - bis auf die Juve-Abwehr und De Rossi – doch viel Durchschnitt dabei. 

SPORT1: Durchschnitt?

Alessandro Altobelli:  Marco Parolo hatte bei Lazio nicht seine beste Saison, Emanuele Giaccherini ist bei einem Mittelklasse-Verein wie Bologna unter Vertrag, Mattia De Sciglio war bei Milan kein Stammspieler, Eder hat in der Rückrunde nicht das Tor getroffen. Viele der Spieler kommen aus einer schwierigen Saison - da konnte man einfach keine Großtaten erwarten. Und jetzt ist Italien auf einmal die bislang beste Mannschaft des Turniers!

SPORT1: Trainer Antonio Conte gebührt dabei der größte Erfolg, oder?

Alessandro Altobelli:  Das ist zweifelsfrei so. Dass neben den Juve-Akteuren auch die anderen Spieler im Kader so exzellent auftreten, ist eindeutig der Arbeit von Conte zuzuschreiben.

SPORT1: Wie sehen sie Ihre Nachfolger im Sturm, Eder und Pelle?

Alessandro Altobelli:  Beide sind gute, aber keine überragenden Spieler. Pelle ist der klassische Mittelstürmer, der die Bälle hält. Er hat keine besonders gute Technik, läuft sich aber die Lunge aus dem Hals. Eder ist ein mitspielender Stürmer und durch seine Schnelligkeit ein idealer Konterspieler. Beide zusammen funktionieren perfekt.

Video

SPORT1: Wie stark ist die deutsche Mannschaft einzuschätzen?

Alessandro Altobelli:  Sie sind Weltmeister und haben von ihrer Stärke nichts eingebüßt. Nach einem etwas behäbigen Start sind sie jetzt gut ins Turnier gekommen. Vor allem Julian Draxler hat mir gegen die Slowakei imponiert, aber natürlich auch Toni Kroos, Jerome Boateng oder Mats Hummels. Nur Thomas Müller habe ich bislang noch nicht so stark gesehen.

SPORT1: Wen sehen Sie am Samstag im Vorteil?

Alessandro Altobelli:  Deutschland ist das Team, das es zu schlagen gilt. Sie sind die Favoriten, stehen aber auch mehr unter Druck als Italien. Die Azzurri haben doch schon mehr erreicht als die meisten erwartet haben und können befreit aufspielen. Außerdem sind die Deutschen besorgt über die Negativserie gegen Italien.

SPORT1: Wenn Sie wetten müssten, auf wen würden Sie setzen?

Alessandro Altobelli : (überlegt) Ich tippe eigentlich nie. Aber ich mache mal eine Ausnahme und setze einen Euro... und zwar auf Italien!

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel