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Toulouse - Aus in den Vorrunde, Ausschreitungen der Anhänger: Russland gibt in Frankreich ein jämmerliches Bild ab. Zwei Jahre vor der Heim-WM steht der Verband vor einem Scherbenhaufen.

Hooligan-Terror, klägliches EM-Aus und keinen Plan für die Zukunft: Zwei Jahre vor der Heim-WM liegt der russische Fußball am Boden. Selbst Trainer Leonid Sluzki hat nach den desaströsen Auftritten in Frankreich keine Lust mehr auf die Sbornaja. Er stellte sein Amt nach der 0:3-Schmach gegen EM-Neuling Wales zur Verfügung.

"Nach so einem Turnier wie diesem braucht man einen anderen Trainer. Es ist sehr wichtig, dass man den russischen Fußball mit Blick auf die Heim-WM 2018 entwickelt", sagte Sluzki. Es liege nun am Verband, wie es weitergehe. Doch der Trainer, der die Mannschaft mit einem starken Quali-Endspurt erst zur EM geführt hatte, ist noch das kleinste Problem im russischen Fußball.

"In allen Bereichen schlecht"

Ohne Sieg und mit nur einem Punkt aus drei Spielen schied der kommende WM-Gastgeber als Letzter der Vorrundengruppe B aus. "Ich kann mich nur bei den Fans entschuldigen. Wir waren in allen Bereichen schlecht. Es war mein Fehler", sagte Sluzki.

Der Trainer, der parallel auch den russischen Spitzenklub ZSKA Moskau betreut, hatte das Amt vor einem Jahr nach der Entlassung von Fabio Capello übernommen. Doch auch Sluzki konnte das dritte Vorrunden-Aus bei einem großen Turnier hintereinander nicht verhindern.

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"Wir haben wieder versagt", schrieb Sport Express nach dem nächsten Schock für die gebeutelte Sportnation Russland. Das russische Team sei in Frankreich "zerquetscht, zerstört, erniedrigt und beleidigt" worden. Kommersant schrieb von der "nächsten Fußball-Katastrophe" für das Riesenreich.

Planlos und perspektivlos

International abgehängt, planlos, perspektivlos: Der russische Fußballverband RFS steht nach den Ausschreitungen seiner Fans in Frankreich nun auch sportlich vor einer gewaltigen Aufgabe. Die Situation erinnert ein wenig an die des deutschen Teams nach dem Vorunden-Aus bei der EM 2000. In Deutschland  wurde  damals die Talentförderung grundlegend reformiert.

In Russland ist von einer ähnlichen Philosophie bislang nichts zu erkennen. "Wir müssen aus dem Turnier unsere Schlüsse ziehen und hart arbeiten", sagte der russische Sportminister Witali Mutko mit ziemlich gleichgültigem Gesichtsausdruck. Einen genauen Plan oder konkrete Maßnahmen blieb der Verbandspräsident aber schuldig. Die nationale Liga müsse wachsen, neue Spieler ausgebildet werden, sagte er nur.

Beresuzki fordert Reformen

Doch dies allein wird kaum helfen. Bis auf den bei der EM enttäuschenden Roman Neustädter stehen sämtliche Spieler bei russischen Klubs unter Vertrag. Selbst gegen Wales, 26. der Fußball-Welt, war die russische Mannschaft heillos überfordert.

"Wir müssen etwas verändern", sagte Verteidiger Wasilij Beresuzki. Der 34-Jährige, der mit der Halbfinal-Teilnahme bei der EM 2008 noch das letzte Hurra des russischen Fußballs miterlebte, fordert tiefgreifende Reformen: "Wir müssen junge Spieler entwickeln und uns verbessern." Denn, so lautete Beresuzkis traurige Erkenntnis: "Wir haben keine besseren Spieler, die besten waren bei der EM dabei."

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