vergrößernverkleinern
Antoine Griezmann
Antoine Griezmann hat bei der EM 2016 schon sechs Treffer erzielt © Getty Images

Marseille und Paris - Antoine Griezmann lässt Frankreich träumen. Schon wird er mit den ganz großen Helden verglichen. Einer gebeutelten Nation will er jetzt den EM-Titel schenken.

Am Morgen danach strahlt der Himmel über Paris passenderweise in bestem Blau. Die nächtlichen "Allez Les Bleus"-Rufe hallen in den Straßen noch nach und viele Menschen sind mit einem Lächeln auf den Lippen unterwegs zur Arbeit.

Nicht nur die Hauptstadt, ganz Frankreich schwebt auf einer Wolke Richtung Sonntag, wenn das Finale der EM im Stade de France gegen Portugal (So., ab 20 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) zur Krönung werden soll.

Zum dritten Mal seit 1984 richtet die Grande Nation ein großes Turnier aus. 1984 holten Les Bleus angeführt von Michel Platini den EM-Titel, 1998 war Zinedine Zidane der große Star beim WM-Erfolg.

2016 ist es der schmächtige Antoine Griezmann, der ein ganzes Land vom nächsten Heim-Triumph träumen lässt.

Video

Vergleiche mit Platini

"Grizou, Grizou" hallte es am Donnerstagabend durch das Stade Velodrome in Marseille und über die mit 90.000 Fans besetzte Fanzone am Eiffelturm in Paris. Griezmann erfüllt in der K.o.-Runde die Hoffnungen, die vor Turnierbeginn in den Mann von Atletico Madrid gesetzt wurden. Seit dem Achtelfinale hat er fünf Treffer erzielt.

"Antoine ist ein großartiger Spieler. Er arbeitet sehr hart und ist sehr wichtig für uns. So wie er es auch schon für Atletico die gesamte Saison war", schwärmte Nationaltrainer Didier Deschamps.

Sechs Tore hat Griezmann jetzt auf dem Konto, der Goldene Schuh für den besten EM-Torjäger ist ihm kaum noch zu nehmen. Schon jetzt ist der 25-Jährige der viertbeste Torschütze der EM-Geschichte. Vergleiche mit Platini, der Frankreich 1984 mit neun Toren zum Titel führte, machen die Runde.

"Ich bin glücklich über meine Tore, aber ich bin noch ganz weit vom Level eines Platini weg. Ich hoffe, dass ich eines Tages in die Nähe kommen kann", erklärte Griezmann.

"Für die Bevölkerung gewinnen"

Der Offensivspieler von Atletico ist ohnehin ein eher bescheidener Charakter. Vor den Kameras und den Reportern spricht er im Normalfall nicht mehr, als er muss. Meistens versucht er, sich mit einer Tasse Mate-Tee in der Hand durch die Interviewzonen zu schleichen.

Das ist jetzt nicht mehr möglich. Die Hoffnungen einer gebeutelten Nation liegen auf seinen Schultern, ihr jetzt auch den EM-Pokal zu schenken. "Jetzt können wir vom 10. Juli träumen", sagte Griezmann über das Finale: "Es ist unsere Pflicht, für die französische Bevölkerung zu gewinnen."

Deschamps wurde sogar noch pathetischer: "Es liegt nicht in unserer Macht, die Probleme der Leute zu lösen. Aber wir können ihnen Freude schenken, damit sie ihre Sorgen ein wenig vergessen können."

Griezmann übernimmt Verantwortung

Die schlimmen Erinnerungen an die Anschläge vom 13. November, die allgegenwärtige Terrorangst und die gesellschaftlichen Konflikte - Deschamps hat es geschafft, dass die Franzosen ihre Equipe Tricolore in dieser schweren Zeit wieder lieben können. Vor ein ein paar Jahren haben sie sich noch für sie geschämt.

Das Team hält zusammen und strahlt große Leidenschaft aus. Und in Griezmann hat es einen Spieler, der sich in großen Spielen nicht versteckt, sondern aufblüht. Im Champions-League-Viertelfinale erledigte er den FC Barcelona mit einem Doppelpack im Alleingang. Im Halbfinale war sein Tor beim Rückspiel in München das entscheidende für das Aus des FC Bayern.

Im Finale übernahm er gegen Real Madrid die Verantwortung, scheiterte aber vom Elfmeterpunkt. Gegen Deutschland trat er trotzdem wieder an. "Ich wollte unbedingt noch mal in einem entscheidenden Spiel einen Elfmeter schießen", sagte er hinterher.

Audio

Krönung am Sonntag?

Das ist der Stoff, aus dem Heldengeschichten sind. Zidane war 26, als er Frankreich im Finale gegen Brasilien zum Weltmeister machte. Griezmann ist jetzt 25 und kann sich im Finale am Sonntag in die Gilde der ganz großen französischen Fußballhelden einreihen.

Mit Zizous Gesicht haben sie damals 1998 den Arc de Triomphe angestrahlt. Am Donnerstag erstrahlte der Eiffelturm in den französischen Nationalfarben.

Wenn "Grizou" Frankreich zum Titel führt, werden sie einen Weg finden, stattdessen sein Gesicht auf das Wahrzeichen von Paris zu projizieren. 

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel