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Portugal gegen Frankreich
Portugal und Frankreich stehen sich im EM-Finale gegenüber © SPORT1-Grafik: Paul Haenel/Getty Images

Paris - Portugal gegen Frankreich lautet das Finale der EM 2016: Wer ist Favorit, wie ist die Bilanz - und wie ist die Stimmug? SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen.

Es ist der Showdown eines zähen Turniers.

Frankreich trifft im EM-Finale auf Portugal (ab 20 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) und will zum dritten Mal in Folge nach der EM 1984 und der WM 1998 bei einem Heim-Turnier den Pokal holen.

"Wir wollen den Franzosen ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Wir kämpfen nicht nur für uns, sondern auch für sie", sagte Abwehrspieler Bacary Sagna vor dem Endspiel.

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Die erste Europameisterschaft mit 24 Mannschaften hat über weite Strecken nicht unbedingt Begeisterung ausgelöst. Zu viele zähe Vorrundenspiele, insgesamt eine Fokussierung auf Defensive statt Offensive und dazu noch die ständige Terrorangst und die schändlichen Auftritte verschiedener Hooligan-Gruppen:

Portugal und Frankreich könnten das mit einem furiosen Finale zumindest ein bisschen vergessen machen. Aber kommt es wirklich dazu?

SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen zum EM-Finale.

- Wie ist die Stimmung?

Bei den Franzosen dominieren Zuversicht und Vorfreude. Eigentlich schon nach dem 5:2 gegen Island, aber noch viel mehr nach dem Erfolg gegen Deutschland ist die Begeisterung für Les Bleus noch einmal gestiegen. "Wir haben sehr viel gezeigt in diesem Turnier, wir müssen den Job jetzt nur beenden. Es ist ein letzter Schritt, aber es ist auch der härteste. Wir sind sehr hungrig auf den Sieg", sagte Kapitän Hugo Lloris am Samstag.

Die Portugiesen haben nach der harschen Kritik an ihrem Spielstil eine Jetzt-erst-recht-Mentalität entwickelt. Sie wollen nicht geliebt werden, sie wollen endlich den ersten Titel für ihr Land. "Ein Finale spielt man nicht, ein Finale gewinnt man", sagte Trainer Fernando Santos schon nach dem Halbfinal-Sieg gegen Wales.

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- Worum geht es?

In erster Linie um den Coup Henri Delaunay. Er ist benannt nach dem ehemaligen Präsidenten des französischen Fußballverbands und wurde im Original 1960 hergestellt. Mittlerweile wird die zweite Version vergeben. Der Pokal ist 60 Zentimeter hoch und acht Kilogramm schwer – und damit 18 Zentimeter größer und zwei Kilogramm schwerer als das Original. Hergestellt wurde der Pokal in London, er besteht aus Sterling-Silber.

Neben dem Pokal gibt es für den Sieger aber noch eine Zugabe: Der Europameister darf im Sommer 2017 am Confederations Cup in Russland teilnehmen.

- Wer ist der Favorit?

Eine sehr gute Frage. Eigentlich spricht vieles für Frankreich. Die Bilanz bei Heim-Turnieren, der direkte Vergleich, die Unterstützung der Fans und die bisherigen Leistungen. Doch genau hier könnte Portugals Chance liegen. Viele Beobachter halten das Endspiel nach dem Halbfinal-Erfolg gegen Deutschland nur noch für eine Formsache für die Franzosen.

Denen ist das gar nicht recht. "Portugal hat seine Qualitäten, sie sind nicht durch Zufall ins Finale gekommen", sagte Didier Deschamps. Lloris warnte: "Jetzt gibt es keine Favoriten mehr. Jetzt geht es darum zu gewinnen, egal gegen wen."

Die Portugiesen geben die Favoritenrolle gerne ab. "Vor dem Turnier habe ich den Titelverteidiger, den Weltmeister und den Gastgeber als Favoriten genannt. Deshalb ist Frankreich der Favorit. Aber das spielt keine Rolle - ich bin sicher, dass Portugal gewinnt", sagte Santos am Samstag.

- Ronaldo oder Griezmann?

So lautet das personalisierte Duell am Sonntag. Die beiden Spieler mit der Rückennummer 7 haben das Turnier bisher geprägt für ihre Mannschaften. Griezmann noch mehr als Ronaldo. Mit sechs Toren bisher wird er sich den Goldenen Schuh für den besten Torschützen von Ronaldo (drei Treffer) kaum noch nehmen lassen. (Torjäger der EM)

Die Franzosen erklären das Finale inzwischen sogar zum Duell um die Wahl zum Weltfußballer. Portugal-Trainer Santos hat zu diesem Thema eine klare Meinung: "Ronaldo ist der beste Spieler der Welt."

- Wie ist die Bilanz?

Alle portugiesischen Fans sollten jetzt besser wegschauen: Die Bilanz gegen Frankreich ist verheerend. Die letzten zehn Duelle gewann allesamt Frankreich, insgesamt siegte Portugal in 24 Spielen ganze fünf Mal. Auch die drei Vergleiche bei Turnieren (EM-Halbfinale 1984, EM-Halbfinale 2000, WM-Halbfinale 2006) gewann Frankreich.

Die Franzosen haben zudem eine sehr ordentliche Finalbilanz. Von den bisherigen vier Endspielen bei großen Turnieren gewann Frankreich drei, nur das WM-Endspiel 2006 in Berlin gegen Italien ging denkbar knapp verloren. Die Portugiesen verloren ihr bisher einziges Finale bei der Heim-EM 2004 sensationell mit 0:1 gegen Griechenland.

- Wie viele Zuschauer werden erwartet?

Das Stade de France in Saint-Denis vor den Toren von Paris bietet 81.000 Plätze. Die dürften alle besetzt sein. Die UEFA rechnet zudem mit 300 Millionen TV-Zuschauern weltweit.

- Wie wird das Wetter?

Neben der Stimmung ist auch das Wetter in dieser letzten Turnierwoche besser geworden. Beim französischen Viertelfinale gegen Island regnete es noch in Strömen, seitdem ist der Sommer eingekehrt in Paris. Auch für den Sonntagabend werden sommerliche 28 Grad vorausgesagt. Die Regenwahrscheinlichkeit ist verschwindend gering.

- Fällt jemand aus?

Nein, beide Trainer können aus dem Vollen schöpfen. Das letzte Fragezeichen stand hinter einem Einsatz von Portugals Abwehrchef Pepe. Der Profi von Real Madrid, der im Halbfinale noch aussetzen musste, ist aber rechtzeitig fit geworden, der Oberschenkel macht keine Probleme mehr. "Ich fühle mich großartig. Ich bin fit und kann spielen", sagte Pepe auf der Abschluss-Pressekonferenz am Samstag. (zum Nachlesen im Ticker)

- Wer pfeift das Finale?

Schiedsrichter der Partie ist der Engländer Mark Clattenburg. Der Brite krönt damit eine für ihn äußerst erfolgreiche Saison. Er leitete auch schon das Champions-League-Finale zwischen Real Madrid und Atletico Madrid vor einigen Wochen. Cristiano Ronaldo, Pepe und Antoine Griezmann sind mit Clattenburg also bestens vertraut. Der Referee sorgte vor allem mit seinen Zungenspielen kurz vor dem Ende der Verlängerung in Mailand für Aufsehen im Netz.

- Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Portugal: Rui Patricio – Cedric Soares, Pepe, Fonte, Guerreiro - William Carvalho - Renato Sanches, Silva – Joao Mario - Ronaldo, Nani
Frankreich: Lloris - Sagna, Koscielny, Umtiti, Evra - Pogba, Matuidi - Sissoko, Griezmann, Payet - Giroud

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