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Evian-les-Bains - Khedira fällt aus, Schweinsteiger ist nicht fit. Wer spielt gegen Frankreich im Mittelfeld? Horst Hrubesch spricht bei SPORT1 über Can, Weigl und Kimmich.

Am Dienstagmittag saß Bastian Schweinsteiger wieder auf dem Rad. Im Fitnesszelt pedalierte er locker vor sich hin, sprach mit Teamarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt oder scherzte mit Fitnesstrainer Yann-Benjamin Kugel.

Schweinsteiger wirkte gut gelaunt und gelassen. Wie es um sein lädiertes Knie bestellt ist, war auf die Entfernung von der Zuschauertribüne aus natürlich nicht zu erkennen.

Löw setzt nur auf fitte Spieler

Dass Schweinsteiger im EM-Halbfinale gegen Frankreich am Donnerstag (ab 20.15 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und LIVETICKER) in der Startelf stehen wird, ist aber unwahrscheinlich. Spieler, die angeschlagen sind und nicht 100 Prozent fit, lasse er nicht spielen, hatte Joachim Löw am Montag betont und erklärt. "Den Fehler haben wir einmal vor vielen Jahren gemacht."

© iM Football

Wen der Bundestrainer damit gemeint hatte, wollte er auch auf Nachfrage nicht verraten. Vielleicht Michael Ballack. Der ehemalige Kapitän war 2008 durch eine Wadenverletzung gehandicapt ins EM-Finale gegangen, Deutschland verlor 0:1 gegen Spanien.

Es könnte aber auch sein, dass Schweinsteiger gemeint war. Den hatte Löw während der gesamten EM 2012 mehr oder weniger durch das Turnier geschleppt. Bei der 1:2-Niederlage im Halbfinale gegen Italien gehörte Schweinsteiger zu den schwächsten deutschen Spielern.

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Vor dem Spiel gegen Frankreich hofft Löw zwar, "dass es unser Kapitän schafft", aber viel spricht dafür, dass es der Leitwolf nicht schafft. Löw hat auch natürlich längst einen Plan B.

Zwei Kandidaten für den Platz neben Kroos

Das Pech von Schweinsteiger und Sami Khedira, der mit einer Oberschenkelverletzung sicher ausfällt, könnte das Glück der Youngster Emre Can oder Julian Weigl sein.

Der 22-Jährige vom FC Liverpool und der 20-Jährige von Borussia Dortmund sind die Top-Kandidaten für den Platz im Mittelfeld neben Toni Kroos, der dann wahrscheinlich den offensiveren Part übernehmen wird.

Jochen Stutzky (l.) und Thorsten Mesch berichten bei der EM 2016 für SPORT1 vom deutschen Team © SPORT1 Grafik: Paul Haenel

"Es braucht Spieler, die technisch gut sind und die mit Ballkontrolle das Mittelfeld beherrschen können", erklärte der Bundestrainer. Die Zeit der Abräumer sei vorbei.

Can und Weigl erfüllen beide das Anforderungsprofil. Wer sich die größeren Hoffnungen auf einen Einsatz machen darf, darüber darf weiter spekuliert werden.

Can ein kompletter Spieler

"Emre Can hat bei uns schon auf vielen Positionen gespielt. Er hat bei uns im Training immer überzeugt, ist sehr wuchtig, körperlich stark und technisch sehr gut. Ein Spieler wie Emre würde unserem Spiel guttun", meinte Löw.

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"Emre ist der kompletteste Spieler, den ich in meiner Karriere gesehen habe", schwärmte Steffen Freund, Europameister von 1996 über den England-Legionär.

Mit seiner robusten Art ähnelt Can Khedira. Allerdings hat der Bundestrainer ihn bisher immer nur als Außenverteidiger ausprobiert.

Löw lobt auch Weigl

Auf der anderen Seite sei Weigl "auch ein sehr, sehr guter Spieler. Er löst manche Dinge ein bisschen anders als Emre, weil er die Passwege zumacht, ein ganz geschicktes Positionsverhalten hat und unglaublich sicher am Ball ist", erklärte Löw.

Bei Borussia Dortmund war Weigl der Senkrechtstarter der vergangenen Saison. In der Bundesliga und auch in der UEFA Europa League waren seine Leistungen konstant gut. Weigl tritt trotz seiner Jugend sehr abgeklärt auf, in seiner Spielweise ähnelt er eher Schweinsteiger als Khedira.

Hrubesch: "Man kann alle bringen"

"Von der Qualität her kann man alle jeden Tag bringen", sagt U21-Nationaltrainer Horst Hrubesch zu SPORT1. "Sie haben alle in ihren Vereinen schon international gespielt und nachgewiesen, dass sie auf dem Niveau bestehen können."

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Can und Weigl "sind cool, sie wissen, was sie können. Sie sind nicht überheblich, sondern nehmen es so, wie es sein soll. Es sind gute Typen", meint Hrubesch.

Das gelte auch für die anderen Youngster Jonathan Tah, Leroy Sane und Joshua Kimmich, die der U21-Coach alle seit Jahren aus den Nachwuchsmannschaften des DFB kennt.

Kimmich bleibt wohl in der Abwehr

Kimmich sei "das Idealbeispiel dafür, dass man auf die Jugend setzen kann", findet Hrubesch. Löw schloss allerdings Kimmichs Einsatz im Mittelfeld aus, er will ihn lieber rechts als Außenverteidiger in der Viererkette oder, wie gegen Italien, als Flügelspieler in der Dreierkette einsetzen. Kimmich selbst hat schon mehrmals erklärt, seine Lieblingsposition sei das Mittelfeld.

Der Bundestrainer sorgt aber immer gern für Überraschungen. Vielleicht zieht er Kimmich ja doch ins Mittelfeld, oder er entscheidet sich dafür, Mesut Özil neben Kroos spielen zu lassen. Beim 4:1 gegen Italien im März harmonierten beide gut. Diese Variante ist jedoch eher unwahrscheinlich, Özil wird in der Offensive gebraucht.

Am Mittwoch kann Löw im Abschlusstraining noch einmal alle Kandidaten testen. Wenn Schweinsteiger sich dann nicht topfit präsentiert, wird im Halbfinale wohl die Stunde von Can oder Weigl schlagen.

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