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Fernando Meira (l.) spielte in der Nationalmannschaft lange an der Seite von Cristiano Ronaldo © SPORT1-Montage: Paul Hänel/Getty Images

Vor zehn Jahren verlor Fernando Meira an der Seite von Cristiano Ronaldo das letzte große Duell mit Frankreich. Bei SPORT1 spricht er über das EM-Finale.

Beim letzten großen Duell zwischen Portugal und Frankreich spielte Fernando Meira noch an der Seite von Cristiano Ronaldo.

Es war das WM-Halbfinale 2006 in Deutschland: Ronaldo stürmte, der ehemalige Abwehrspieler des VfB Stuttgart verteidigte - Portugal verlor durch ein Elfmetertor von Zinedine Zidane.

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Zehn Jahre danach, im EM-Finale am Abend (ab 20 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER), will Ronaldo mit Portugal nun den EM-Triumph gegen Zidanes Erben feiern. Der 38 Jahre alte Meira fiebert am Fernseher mit.

Im SPORT1-Interview spricht Meira über das Team von Trainer Fernando Santos, seine Erwartungen an das Endspiel und seine Hochachtung vor Ronaldo als Fußballer und Mensch.

SPORT1: Herr Meira, die EM ist fast zu Ende. Welche Eindrücke sind geblieben - und wie lauten Ihre Erwartungen an das Finale?

Fernando Meira: Es gab einige Überraschungen durch die kleinen Teams, die durchaus ansehnlichen Fußball gezeigt haben. Frankreich war für mich von Anfang an ganz klar der Favorit auf den Titel. Ich erwarte gegen Portugal ein hochklassiges Finale. Ich hoffe natürlich, dass meine Portugiesen das Endspiel gewinnen werden.

SPORT1: Schon der Einzug ins Finale ist für Ihr Land eine große Sache, oder?

Meira: Oh ja. Nicht nur meine Familie und ich sind glücklich und stolz, sondern auch die Menschen in Portugal und die Portugiesen in der ganzen Welt. Wir haben keinen tollen und attraktiven Fußball gezeigt, aber wir haben gute Ergebnisse und das Endspiel erreicht. Und natürlich wollen wir jetzt auch mehr. 2004 in Portugal fehlte uns das Glück, bei der WM 2006 in Deutschland haben wir im Achtelfinale gegen Frankreich verloren, hoffentlich wird Portugal am Sonntagabend der glückliche Sieger sein.

SPORT1: Portugals Trainer Fernando Santos überraschte im Achtelfinale gegen Kroatien, als er drei neue Verteidiger brachte. Seitdem kassierte das Team kein Tor mehr.

Meira: Das hat aber nicht nur mit diesen Wechseln zu tun, sondern mit der ganzen Struktur im Team. Wir haben im Kollektiv besser verteidigt, hatten auch Pech mit der einen oder anderen Verletzung. Die Mannschaft hat besser reagiert im Ballbesitz. Im Moment ist es verdammt schwer, gegen Portugal Tore zu erzielen, weil wir immer hinter dem Ball stehen, das fängt schon vorne bei Cristiano Ronaldo und Nani an. Sie sind die ersten, die bei Ballverlust richtig wach sind.

SPORT1: Wie wichtig war Ronaldo bisher im Turnier?

Meira: Portugal ist nicht nur Ronaldo. Er hat bisher eine gute Rolle gespielt im Turnier. Er hat zwar nicht mehr die Schnelligkeit wie früher, aber seine Technik am Ball ist immer noch exzellent. Er hat sich zu einem kompletten Führungsspieler entwickelt. Im Moment ist er unser Kapitän und ein Vorbild für unsere jungen Spieler. Alle folgen ihm. Sein Kopfballspiel ist stark, er schießt phänomenal mit rechts und links, wie er auch immer wieder gezeigt hat. Er kann als Stürmer noch einige Jahre den Unterschied ausmachen.

SPORT1: Ronaldo fiel während des Turniers aber auch durch eine gewisse Angespanntheit auf - etwa in dem Moment, als er sich das Mikrofon von einem Reporter schnappte und in einen See warf. War auch das typisch Ronaldo?

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Meira: Das war nicht typisch für ihn, aber vor zwei Wochen war die Stimmung im Team auch noch eine ganz andere. Wir sind schlecht in das Turnier gekommen, haben wirklich keinen attraktiven Fußball gezeigt und die Ergebnisse waren auch nicht gut. Jetzt ist die Situation eine ganz andere. Und natürlich ist Ronaldo in der aktuellen Phase viel lockerer.

SPORT1: Wie hat sich Ronaldo generell entwickelt?

Meira: Nach der Zeit bei Manchester United war er am Anfang ein junger wilder Typ. Jetzt ist Ronaldo älter und erfahrener geworden. In der Nationalmannschaft hatte er den Druck, endlich Führungsspieler sein zu müssen. Jetzt ist er unser Kapitän und hat die Verantwortung übernommen. Er will die jungen Spieler führen und ihnen den richtigen Weg zeigen. Bisher hat Ronaldo als Kapitän einen sehr guten Job gemacht. Bei Real Madrid hat er natürlich auch viel gelernt. Im Moment sind wir alle glücklich, so einen Ronaldo zu haben.

SPORT1: Wie ist er denn privat? Er soll sehr sozial eingestellt sein.

Meira: Ronaldo hat ein riesengroßes Herz. Das hat er jetzt wieder gezeigt mit der Einladung von Chantal Borgonovo (Witwe des 2013 gestorbenen Stefano Borgonovo, d. Red.) zum Finale. Das war eine große Geste von ihm. So ist er wirklich. Er unterstützt immer andere Menschen, die es nötig haben. Auch seiner ganzen Familie hilft er, wo er nur kann. Er hat in der Öffentlichkeit schon oft gezeigt, was für ein guter Kerl er ist. Viele sehen in ihm den arroganten Superstar, aber das ist nicht richtig. Natürlich hat er in der Vergangenheit den einen oder anderen Fehler gemacht, aber das passiert jedem und natürlich war er selbst über die Reaktion mit dem Mikro nicht glücklich. Heute tut ihm das leid.

Fernando Meira (r., mit Cristiano Ronaldo) spielte zwischen 2003 und 2008 an Ronaldos Seite
Fernando Meira (r., mit Cristiano Ronaldo) spielte zwischen 2003 und 2008 an Ronaldos Seite © Getty Images

SPORT1: Wie ist Ihr Verhältnis zu ihm?

Meira: Wir kennen uns gut, haben viele Jahre in der Nationalmannschaft zusammengespielt. Und wir haben immer noch guten Kontakt. Aber jetzt ist er voll konzentriert auf die EM, und ich bin mir sicher, dass er unser Team zum Titel führen kann. Ich würde es ihm wünschen.

SPORT1: Wie schwer wird es gegen die Franzosen?

Meira: Das Besondere an Frankreich ist Antoine Griezmann. Er ist der Spieler, der im Turnier den Unterschied ausmacht. Mit seiner Schnelligkeit ist er einfach überragend. Griezmann ist ein sehr cleverer Spieler und ist vor dem Tor eine Waffe. Er marschiert das ganze Spiel und in Eins-gegen-eins-Situationen ist er fast immer der Sieger. Aber man sollte nicht nur auf Griezmann aufpassen, denn Frankreich hat auch andere große Spieler.

SPORT1: Wie schwer träfe es Portugal, wenn es den Titel nicht gewinnt?

Meira: Das wäre schon schlimm. Aber wenn wir gewinnen sollten, wäre das noch schlimmer für Frankreich. Portugal hat gerade nicht den Druck, den Titel unbedingt gewinnen zu müssen. Frankreich aber schon. Unser Land ist schon jetzt super happy, was die Mannschaft erreicht hat mit dem Finaleinzug. Wir sind unglaublich stolz auf unsere Jungs.

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