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München - Das Viertelfinale zwischen Deutschland und Italien wird auch ein Duell der Trainer. Italien droht Plan B wegzubrechen. Löw könnte eine neue Variante wagen. Taktik-Analyse.

Eins steht fest: Auf einen unangenehmeren Gegner könnte Deutschland im EM-Viertelfinale nicht treffen. Italien mit seinem temperamentvollen Anführer Antonio Conte an der Seitenlinie - auf Joachim Löw wartet am Samstag auf taktischer Ebene ein absoluter Härtetest (ab 20 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER).

Der italienische Coach hat sich auf ein 3-5-2-/3-4-3-System festgelegt, ändert aber Elemente wie etwa die Intensität und Höhe des Pressings.

Beim Sieg gegen Spanien beispielsweise rückten die drei Angreifer nach vorn und nahmen die gegnerischen Aufbauspieler in enge Manndeckung. Italien kam auch immer wieder zu Überzahlsituationen, was der grandiosen Laufleistung von Spielern wie Emanuele Giaccherini zu verdanken war.

Conte mit Plan A und B

Für Conte ergeben sich gegen Deutschland zwei Optionen: Er kann seinen Spielern anordnen, von Beginn an tief im 5-3-2 zu verteidigen und die Räume vor dem Strafraum eng zu halten. Man überlässt in diesem Fall Deutschland das Spielgerät freiwillig. Der eigentliche Plan besteht darin, aus der Tiefe heraus Konter zu initiieren, da die Deutschen im Gegenpressing ihre Probleme haben.

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Die andere Option sieht von Beginn an ein hohes, druckvolles Angriffspressing vor. Ähnlich wie im Achtelfinale gegen Spanien muss Italien hierbei volles Risiko gehen und auf die Pressingstärke aller Akteure hoffen. Allerdings schwächt ein möglicher Ausfall von Sechser Daniele De Rossi sowie die Gelbsperre von Ersatzmann Thiago Motta dieses Unterfangen.

Wie kann Löw auf Italien reagieren?

Zum ersten Mal bei dieser Europameisterschaft könnte Löw auf eine Dreierabwehrreihe setzen. Gegen ein mögliches hohes Pressing der Italiener befände sich sein Team mit den drei Verteidigern sowie Manuel Neuer und Toni Kroos im Spielaufbau in Überzahl.

Gehen die Italiener hingegen mit vielen Spielern früh drauf, opfern sie die Kompaktheit im Restfeld, was dann wiederum von Kroos und dessen Kollegen mit schnellen Zuspielen durch die Mitte ausgenutzt werden könnte.

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Gegen eine eher tiefe und passive Verteidigungsvariante Italiens müsste Deutschland darauf achten, dass es bei eigenen Flügelangriffen stets den Rückraum besetzt, um den Gegenpressingdruck aufrechtzuerhalten und zweite Bälle zu gewinnen.

Entscheidet sich Löw für eine Viererabwehr, so sollte er keine absolute Sicherheitsvariante wählen und etwa die beiden Außenverteidiger zu stark zurückziehen. Die Erkenntnis aus Italiens Spiel gegen Spanien sollte nicht lauten, dass die Squadra Azzurra ob der zeitweiligen Missachtung der gegnerischen Außenverteidiger nun auf den Flügeln besonders anfällig ist.

Ganz im Gegenteil: Je früher Deutschland die Außenverteidiger mit Anspielen einbindet, umso schneller kann Italien die eigene Formation in Stellung bringen und den ballführenden Außenverteidiger an der Seitenlinie festnageln.

Barzagli, Bonucci und Chiellini werden Gomez plagen

Schafft es Deutschland hingegen, über die Flügel bis zum gegnerischen Strafraum vorzudringen, haben hohe Hereingaben nicht zwangsläufig Aussicht auf Erfolg.

Mit Andrea Barzagli, Leonardo Bonucci und Giorgio Chiellini verfügt Italien über drei physisch beeindruckende Verteidiger, die jeden Trick kennen und Stürmern wie Mario Gomez das Leben schwer machen.

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Das Duell zwischen beiden Mannschaften, wie auch das Duell zwischen beiden Trainern, wird von einigen Variablen bedingt. Löw und Conte werden im Vorfeld alle Eventualitäten durchspielen und auf Schachzüge des Gegenübers vorbereitet sein.

"Die Idee schlägt das Talent", sagte Conte nach dem Sieg über Spanien vergangenen Montag. Die DFB-Elf muss nun beweisen, dass sie sowohl Talent als auch einen Plan hat. Andernfalls gibt es ein böses Erwachen gegen diese italienische Mannschaft.

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