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Findet Joachim Löw gegen Frankreich die richtigen Antworten? © SPORT1-Grafik: Paul Hänel/Getty Images

Deutschlands Gegner Frankreich ist defensiv anfällig. Um das auszunutzen, drängt sich für Joachim Löw ein erneuter Formationswechsel im EM-Halbfinale auf.

Der EM-Gastgeber Frankreich ist ein Gegner, der Deutschland brandgefährlich werden kann.

Vor allem ein Faktor stach bei den Franzosen vor dem EM-Halbfinale (ab 20 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) hervor: ihre offensive Durchschlagskraft.

Dimitri Payet und Antoine Griezmann können sowohl über die Flügel durchbrechen, als auch im Spielfeldzentrum mit schnellen Ablagen und Passabfolgen brillieren. Olivier Giroud ist derweil ein guter Zuarbeiter und hervorragender Luftzweikämpfer. Insgesamt ist Frankreich gerade nach Flanken und hohen Bällen gefährlich. Fünf der elf Tore in der laufenden Europameisterschaft wurden per Kopf erzielt.

Helfer für Griezmann und Payet

Griezmann und Payet erfahren vor allem durch Blaise Matuidi und Paul Pogba aus dem Mittelfeld große Unterstützung.

Da Sechser N'Golo Kante nach seiner Gelbsperre in die Startelf zurückkehren sollte, kann Nationaltrainer Didier Deschamps wieder das gewohnte 4-3-3-System verwenden. Im Viertelfinale gegen Island agierten Matuidi und Pogba zusammen auf der Doppelsechs. Mit Kante als Absicherung müssen die beiden jedoch weniger nach hinten blicken und können sich mehr auf aggressive Läufe konzentrieren.

Frankreich ist jedoch keine Pressingmaschine. Die Mannschaft zieht sich nach Ballverlusten meist in die eigene Hälfte zurück und attackiert den Spielaufbau des Gegners auch nur vereinzelt. Überraschenderweise stehen Deschamps' Spieler aber auch selten kompakt. Insbesondere auf den Flügeln ergeben sich immer wieder Lücken, die ein Top-Team wie Deutschland ausnutzen könnte.

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Frankreich mit variablem Angriff?

Doch mit dem Ausfall von Mario Gomez fehlt der DFB-Elf der wichtigste Flankenabnehmer in der Mitte. Andernfalls hätte die deutsche Mannschaft die Möglichkeit, Überzahlsituationen auf den Außenbahnen zu kreieren und anschließend Hereingaben in Richtung Gomez und Thomas Müller zu spielen.

Bundestrainer Joachim Löw könnte stattdessen die Spielstärke seiner Angreifer nutzen und eine Dreierreihe aufbieten, in der ständig die Positionen getauscht werden. Ohne klare Rollenbesetzung nähme man den französischen Innenverteidigern die Orientierungspunkte. Eine ähnliche Herangehensweise sollte auch im Mittelfeld funktionieren. Um nicht in die enge Manndeckung von Kante zu geraten, wären Positionswechsel und eine unkonventionelle Raumaufteilung von Vorteil.

Dreier- oder Viererkette

Für Löw stellt sich zudem die Frage, ob er wie gegen Italien erneut auf eine Dreierkette zurückgreift oder zur Grundordnung mit Viererkette zurückkehrt. Aus dieser Frage leitet sich zugleich ab, wie er die restlichen Mannschaftsteile überhaupt positionell strukturieren kann.

Für die Dreierkette sprächen einige Argumente: Joshua Kimmich als Flügelverteidiger auf der rechten Seite könnte größere Unterstützung gegen Dimitri Payet erfahren, der im Eins-gegen-Eins eine der wichtigen französischen Waffen ist. Zudem bestünde immer die Option, einen zentralen Verteidiger situativ aus der Kette vorstoßen zu lassen. Die Franzosen verhalten sich bei Angriffen nicht unbedingt entscheidungsfreudig und verzögern die Spielzüge. Ein vorstoßender Verteidiger könnte das Spiel Frankreichs dann komplett zum Erliegen bringen und den Ball aus der Gefahrenzone heraushalten.

Doch ebenso gibt es gute Gründe zur Viererkette zurückzukehren: Mit Mats Hummels fehlt ein wichtiger Spieler, der die Vorzüge der Dreierkette für sich nutzen kann. Es bleibt die Frage, ob Benedikt Höwedes und Shkodran Mustafi - die beiden logischen Kandidaten für die Halbverteidigerpositionen - ebenso präsent wie Hummels im Spielaufbau wären.

Zurück zur alten Formation?

In einer 4-2-3-1-Grundordnung würde höchstwahrscheinlich Höwedes neben Jerome Boateng zentral spielen. Toni Kroos könnte sich wie üblich zurückfallen lassen und das Spiel von hinten eröffnen. Diese Formation hätte den Vorteil, dass beide Flügel von Natur aus doppelt besetzt sind. Währenddessen würde Zehner Mesut Özil oder auch der zweite Sechser situationsabhängig die Außenbahnangriffe unterstützen.

Sollte Löw also versuchen, die angesprochene Schwäche der Franzosen auf den Flügeln auszunutzen, sollte er wohl zum 4-2-3-1 zurückkehren. Müller müsste dann in die Mitte rücken. Dribbelstarke Akteure wie Julian Draxler, Leroy Sane oder Andre Schürrle würden die offensiven Außenpositionen besetzen.

Bisher schreckte der Bundestrainer vor Umstellungen nicht zurück. Folglich wäre es denkbar, dass er auch gegen Frankreich für Überraschungen sorgt.

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