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Dortmund - Geschätzt haben sie Henrikh Mkhitaryan in Dortmund schon immer. Sein Hattrick gegen Wolfsberg zeigt: Unter Thomas Tuchel bringt er seine Klasse jetzt ganz neu auf den Platz.

Da stand er nun, der Mann des Abends. Mit klarem Blick, etwas scheu, schaute er erwartungsvoll in die Gesichter der Reporter.

Eine knappe Stunde zuvor war der 1,77 Meter große Fußballer zum gefeierten Helden von 65.000 schwarzgelben Anhängern avanciert.

Mit seinem Hattrick beim 5:0 gegen den Wolfsberger AC in der dritten Qualifikationsrunde der UEFA Europa League hatte Henrikh Mkhitaryan innerhalb von 13 Minuten eine Kostprobe seines Könnens abgegeben.

Doch er rühmte sich dieses Kunststücks nicht, sondern lobte in aller Bescheidenheit die Mannschaft, die ihm bei dieser Leistung geholfen habe.

Ballbesitz-Fußball statt Vollgas-Pressing

Überschwänglicher fiel die Beurteilung seiner Kollegen aus. "Ich bin ja von Anfang ein großer Fan von ihm gewesen, vom Fußballer und vom Menschen", sagte Mats Hummels. "Er hat alles, was man braucht, um auf einem verdammt hohen Niveau zu agieren", so der BVB-Kapitän weiter.

"Er hat schon in der Vorbereitung super Ansätze gezeigt", sagte Marco Reus.

In vielen Aktionen war der Tuchelsche Fußball-Ansatz schon zu erkennen. Der 41-Jährige fordert mehr Ballbesitz, mehr spielerische Elemente, anders als beim "Vollgas-Gegenpressing" seines Vorgängers Jürgen Klopp.

Mkhitaryan profitiert von Tuchel

Die variablere Spielanlage kommt auch Mkhitaryan zugute, der in Tuchels System eine zentrale Rolle spielt. Der neue Coach hatte dem armenischen Nationalspieler schon vor seinem Amtsantritt im Juli in einem Einzelgespräch deutlich gemacht, dass er ihn als einen seiner Schlüsselspieler sieht.

"Er hat mir dieses Selbstvertrauen gegeben und viel Mut gemacht. Ich versuche, das Beste daraus zu machen, um ihm das wiederzugeben", sagte der Teamplayer mit der Nummer 10 am späten Donnerstagabend auf SPORT1-Nachfrage.

Gleichzeitig sagte der 26-Jährige, er habe "keine Stammplatzgarantie" und versuche, sich "noch weiterzuentwickeln". Aus diesen Worten spricht Demut, die Tuchel von seinen Spielern fordert.

Tuchel: "Ich bin sehr zufrieden"

"Wir haben heute gesehen, was in ihm steckt", sagte Tuchel. "Es ist eine große Freude, sein Trainer zu sein. Er ist ein Musterprofi mit einem tollen Charakter."

Schon im Hinspiel hatte der Dreifachtorschütze das Siegtor von Jonas Hofmann vorbereitet, diesmal war es das 1:0 von Marco Reus.

In der ersten Halbzeit sahen die Fans zeitweise noch den Mkhitaryan der Vorsaison, der sich zu oft festdribbelte und dessen Pässe nicht beim Nebenmann ankamen. Damit war er allerdings nicht allein.

"Wir haben uns in den ersten 45 Minuten sehr schwer getan. Die Positionen waren nicht sauber genug besetzt. Nach der Pause hat es die Mannschaft viel besser gemacht, wir konnten öfter zwischen die Linien spielen. Es war eine tolle Reaktion mit vielen Toren, ich bin sehr zufrieden", sagte Tuchel.

Auch für Tuchel hatte sein Heimdebüt mit 5:0 und 19:1 Torschüssen für sein Team ein Stück weit befreiende Wirkung.

Reus hat keinen Wunschgegner

Wenn am UEFA-Hauptsitz in Nyon ab 13 Uhr die Play-off-Begegnungen ausgelost werden (ab 13 Uhr im LIVETICKER auf SPORT1.de), hat zumindest Marco Reus keinen Wunschgegner.

"Ehrlich gesagt nicht. Wir nehmen jeden Gegner. Wir sind Borussia Dortmund – und natürlich wollen wir in die Gruppenphase", sagte er zu SPORT1.

Der Anspruch ist klar formuliert, auch der spielerische vom Trainer. Noch gibt es viel zu verbessern. Doch Verstecken muss sich diese Mannschaft auf ihrem Weg nach Europa nicht.

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