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Dortmund - Bereits im zweiten Pflichtspiel heißt es für Thomas Tuchel in der Europa-League-Qualifikation Alles oder Nichts. Trotz der Brisanz verspürt er große Vorfreude.

Still liegt der Rasen des Signal Iduna Parks im Sonnenlicht. Ein perfekt gepflegtes Grün, bereit zum Pflichtspielstart des BVB.

Vom Stadion der Dortmunder Borussia geht eine enorme Strahlkraft aus. Auch wenn es ganz leer ist. Oder eben gerade dann.

Am Montag stand Thomas Tuchel unten am Platz vor der Trainerbank in der menschenleeren Arena. "Das war beeindruckend", sagte der 41-Jährige über die Atmosphäre in Deutschlands größtem Fußballtempel.

"Spontan bekam ich im leeren Stadion Lust darauf, dass es doch bitte sofort losgehen möge", berichtete Tuchel am Mittwoch von seinem kurzen Abstecher an seinen neuen Arbeitsplatz, wo er wegen eines Termins vorbeigeschaut hatte.

Spiel um Millionen

Der nächste Termin steht: 6. August, 20:30 Uhr, dritte Qualifikationsrunde in der UEFA Europa League; der Gegner: Wolfsberger AC (ab 20 Uhr im LIVETICKER).

"Das ist alles andere als ein Pflichttermin", sagte Tuchel auf SPORT1-Nachfrage bei seiner ersten Pflichtspiel-Pressekonferenz als BVB-Trainer.

Es ist ein Spiel um Millionen. Die Europa League (ab 17.9. LIVE im TV auf SPORT1) wurde für die Saison 2015/16 weiter aufgewertet, jeweils 2,4 Millionen Euro erhalten die 48 Teilnehmer der Gruppenphase als Startgeld.

Flutlicht, Europapokalstimmung - mit der montäglichen Ruhe wird es im ehemaligen Westfalenstadion am Donnerstagabend vorbei sein. 65.766 Besucher finden in dieser Saison bei internationalen Spielen im Signal Iduna Park Platz.

Mehr als 63.000 Karten waren am Mittwoch verkauft, was in der Europa-League-Qualifikation deutscher Rekord ist. "Wo sonst soll es möglich sein, wenn nicht beim BVB, dass in einer Quali-Runde über 60.000 kommen", sagt Tuchel.

Bisher hatte der Dortmunder Erzrivale aus Gelsenkirchen mit 52.034 Zuschauern im Jahr 2011 gegen HJK Helsinki die Bestmarke gehalten.

"Die Energie, die wir spüren wollen"

Doch die Geschichte wird neu geschrieben. Auch für Thomas Tuchel. Gleich seine zweite Pflichtspielpartie als BVB-Coach ist ein Alles-oder-nichts-Spiel.

Der Rückhalt der schwarzgelben Fans soll sein Team, und damit auch ihn, zum Erfolg führen. "Das ist genau die Energie, die wir spüren wollen und die wir nutzen wollen", sagt Tuchel.

"Darauf freuen wir uns, seit wir wissen, dass wir hier Trainer werden", sagt der 41-Jährige stellvertretend für sein Trainerteam.

Thomas Tuchel
Thomas Tuchel trainierte von 2009 bis 2014 den FSV Mainz 05 © Getty

Mit Mainz gescheitert

Borussia Dortmund bedeutet für Tuchel eine neue Dimension. In die will er auch mit dem Champions-League-verwöhnten Ruhrgebietsklub vorstoßen. Das Zwischenziel: die Europa-League-Gruppenphase.

Vor vier Jahren wollte Tuchel dort schon einmal hin, seinerzeit als Trainer von Mainz 05. Doch der junge Coach scheiterte in der dritten Qualifikationsrunde gegen den rumänischen Klub Gaz Metan Media.

1:1 hieß es jeweils in Hin- und Rückspiel, im Elfmeterschießen verpassten die Mainzer gegen die namenlose Elf aus Osteuropa nach einem 3:4 die Playoffs. Zuschauer damals beim Rückspiel in Medias: 6000 statt 60.000.

Tuchel ist gewarnt, einerseits durch seine persönliche Europa-League-Geschichte, andererseits durch die zweite Halbzeit vor einer Woche in Klagenfurt.

Beim 1:0-Sieg gegen die Wolfsberger taten sich die Dortmunder in der letzten halben Stunde schwer, retteten den Sieg mit Glück und Geschick über die Zeit.

Der Underdog wartet weiter auf seinen ersten Pflichtspielsieg in der neuen Saison. Nach dem 0:0 am vorigen Wochenende im zweiten Meisterschaftsspiel beim SV Ried ist das Team von Trainer Dietmar Kühbauer noch immer sieg- und torlos.

Guter Geist in der Mannschaft

Unterdessen hat Tuchel in den vergangenen Tagen weiter an kleinen Dingen gefeilt. Im "Spiel gegen den Ball, im Umschaltverhalten und im Ballbesitz" habe man weitere Fortschritte gemacht, berichtete Tuchel am Mittwoch.

"In der Mannschaft herrscht eine gute Energie, ein guter Geist", sagt Tuchel. „Sie hat viel Lust aufs Spiel.“ Für Tuchel geht es um eine Menge. Scheitert er, würde er schon zu Beginn seiner Amtszeit einen schweren Rucksack aufgebürdet bekommen.  

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