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Supermarkt-Milliardär und Präsident von BVB-Gegner FK Krasnodar: Sergei Galizkij
Supermarkt-Milliardär und Präsident von BVB-Gegner FK Krasnodar: Sergei Galizkij © SPORT1-Grafik Gabriel Fehlandt / Imago / Getty Images

München - Hinter BVB-Gegner Krasnodar steht ein schwerreicher russischer Unternehmer - jedoch kein ganz typischer. Ebenso wenig wie sein Klub ein ganz typischer ist.

Sergei Galizkij mag das süße Leben, da ist er ehrlich.

"Verdächtig" finde er Milliardärskollegen, die Luxus ablehnen, hat er mal gesagt: "Wenn man Geld verdient, ist es natürlich, die damit verbundenen Vorzüge zu genießen."

Also gönnt sich der russische Supermarkt-Unternehmer besagte Vorzüge: Sportwagen, einen Privatjet, eine 105-Meter-Yacht - und einen eigenen Fußballklub: FK Krasnodar, den ersten Europa-League-Gegner von Borussia Dortmund (Do., ab 18.45 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER).

Der Klub ist eine Schöpfung Galizkijs, nach Forbes-Schätzung 6,3 Milliarden Euro schwer und fünfzehntreichster Mann in Russland. Ein ganz normaler Oligarchenverein ist er allerdings nicht. Ebenso wenig wie sein Chef ein ganz normaler Oligarch ist.

Russlands größter Einzelhändler

Als Kosmetikhändler fing der in Sotschi geborene Galizkij Mitte der Neunziger an. Vier Jahre später gründete er die Supermarktkette Magnit (Magnet).

Der US-amerikanische Walmart war das Vorbild, die Geschäftsidee keine schlechte: Eine vergleichbare Firma gab es im postkommunistischen Russland noch nicht, Magnit wuchs zum größten Einzelhandelskonzern des Landes heran.

Wirtschaftskenner heben hervor, dass Galizkij nur durch seinen Geschäftssinn groß geworden ist, nicht wie viele andere auch durch Verbindungen zu den politisch Mächtigen.

Mit Putin nicht so dicke

Von den Rohstoffmogulen in Moskau (1200 Kilometer Luftlinie von Krasnodar) hält der am Schwarzmeer verwurzelte Galizkij sich schon räumlich fern. Auch die Nähe zu Staatschef Wladimir Putin sucht er nicht, hält sich stattdessen raus aus der Politik.

"Wenn es um Politik geht, setze ich mich aufs Sofa und nehme mir Popcorn", sagte er mal: "Oder ich verkrieche mich drunter, um nicht erschossen zu werden - manchmal."

Galizkij weiß aus eigener Erfahrung, dass sein Heimatland kein ungefährliches ist, wenn man anderen auf die Füße tritt: Nach eigenen Angaben ist sein Büro einmal mit einem Granatwerfer beschossen worden, auch ein Totenkranz hing mal an seiner Tür.

Solide Arbeiter statt große Stars

Den FK Krasnodar gründete Galizkij im Jahr 2008, und auch als Fußball-Mäzen und -Präsident macht er einige Dinge anders.

Sein Klub setzt nicht auf große Stars, weder auf der Trainerbank, wo der unscheinbare Weißrusse Oleg Kononow sitzt, noch auf dem Platz.

Der Kader setzt sich zusammen aus soliden Könnern aus dem In- und Ausland: Die Abwehr wird vom nordeuropäischen Duo Andreas Granqvist und Ragnar Sigurdsson zusammengehalten, vorne wirbeln die Brasilianer Ari, Wanderson und Joaozinho.

Mittelfristig will Krasnodar sich seine Stars in einer 50 Millionen Euro teuren Jugendakademie selbst heranziehen. Muss es auch: Die Financial-Fairplay-Ermittler der UEFA haben die Geldflüsse Galizkijs an seinen Klub schon ins Visier genommen.

Kreative Ideen

Trotzdem wirkt das Modell Krasnodar für russische (Fußball-)Verhältnisse recht seriös - und fällt dabei auch mal durch kreative Ideen auf.

Gegnerischen Fans versprach der Klub einmal Freikarten für seine Heimspiele, genknüpft an die Bedingung, dass sie dort Beleidigungen zu unterlassen hätten.

In der Akademie hat Galizkij außerdem Schach auf den Stundenplan der Nachwuchsfußballer gesetzt, er betreibt den Denksport mit Passion und ist der Meinung, dass er auch das Fußballergehirn schult.

Es gibt trotzdem auch typischere Geschichten, die man aus Krasnodar hört: Millionengehälter verdienen die Profis dort schon – und kriegen von ihrem Boss auch gern mal teure Dinge wie Rolex-Uhren geschenkt.

Galizkij gönnt eben auch anderen das süße Leben. Alles andere wäre auch verdächtig.

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