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Christian Ziege Jürgen Klopp FC Liverpool
Christian Ziege spielte 2000/01 für den FC Liverpool © Imago

München - Christian Ziege spielte fünf Jahre in England, auch für den FC Liverpool. Bei SPORT1 beschreibt der Europameister, was Jürgen Klopp dort erwartet.

Jürgen Klopp ist jetzt ein Roter.

Am Donnerstag landete der 48-Jährige mit einem Privatjet in Liverpool, am Freitag wurde der frühere Erfolgstrainer von Borussia Dortmund beim FC Liverpool offiziell vorgestellt. (Die Pressekonferenz zum Nachlesen)

131 Tage nach dem Pokal-Finale von Berlin, seinem letzten Spiel mit dem BVB nimmt er an der Merseyside sein nächstes Mammut-Projekt in Angriff.

"Für den Kloppo kann es nur positiv werden", sagt der frühere Nationalspieler und Liverpool-Profi Cristian Ziege im Gespräch mit SPORT1. In der Saison 2000/2001 absolvierte er 16 Spiele für die Reds.

"Wenig Böses"

Ziege weiß nur zu gut, was auf Klopp zukommt. "Die Leute in Liverpool sind total begeisterungsfähig und es gibt wenig Böses bei diesem Traditionsverein. Er passt dorthin, die Menschen werden ihn lieben."

Auf Klopp würde zwar eine "einfache Stadt mit vielen Problemen" warten, aber die Leute dort seien "einfach total fußballverrückt". "Der Fußball lässt dort vieles vergessen", so Ziege: "Ich glaube nicht, dass es ein schlechter Schritt für ihn ist."

Dem Mythos FC Liverpool konnte auch Klopp nicht widerstehen: Für die legendäre Anfield Road beendet der deutsche Meistertrainer sein "Sabbatjahr" nach nicht mal fünf Monaten.

20. Trainer in der Klubgeschichte

Nun soll Jürgen Klopp, der 20. Trainer der Vereins-Historie, den in Lethargie siechenden Reds eine neue sportliche Identität verleihen.

Der Klub erhofft sich vom ersten deutschen Teammanager in 123 Jahren einen starken Impuls - mehr noch: einen Neustart

Ziege hat keinen Zweifel daran, dass Klopp dies gelingt. "Liverpools Anhänger wollen nur sehen, dass du Gas gibst und arbeitest. Wenn er bei den Reds das umsetzen kann, was er beim BVB geschafft hat, dann wird er verehrt."

Das Lechzen nach Erfolg

"Die Menschen dort lechzen daher nach Erfolg. Klopp kann nichts falsch machen. Ganz im Gegenteil. Er wird auf viel Gegenliebe stoßen", so Ziege weiter.

Vergleiche mit dem BVB will Ziege nicht anbringen. "Wenn man den groben Vergleich nimmt, dann ist Liverpool emotional wie Borussia Dortmund, aber die Reds sind noch eine Stufe höher, was die Tradition angeht. Die Leute dort sind total dankbar und liebenswert trotz der Probleme in der Stadt."

Gut für die Bundesliga

Für den englischen Fußball und die Bundesliga sei Klopps Engagement in Liverpool "eine große Chance". Klopp ist der erste deutsche Trainer bei einem englischen Top-Klub.

Felix Magath war 2014 Trainer des FC Fulham, blieb aber erfolglos. "Die Engländer holten in der Vergangenheit immer Spanier, Italiener oder Franzosen als Trainer, aber keine Deutschen", so Ziege.

"Der Premier League tut es gut, wenn ein Typ wie Kloppo jetzt da arbeitet. Das wirkt sich auch auf Deutschland aus. So Trainer wie Klopp gibt es in England gar nicht. Da ist der Mourinho schon am nächsten an Klopp dran."

Lieber Emotionen statt Taktik-Gequatsche

Die Leute in Liverpool wollen "kein Taktik-Gequatsche von Trainern in Krawatte", meint Ziege noch, "sondern Jemanden mit Emotionen, der die Fans berührt. Die Menschen wollen das Gefühl haben, dass da einer kommt, der ist wie sie.“

Bei Klopps Gehalt, dass zwischen acht und zehn Millionen liegen soll muss Ziege schmunzeln. "Wenn mir jemand das zahlen würde, dann würde ich es auch nehmen. Das zeigt, wie groß die Hoffnung ist, dass Kloppo aus dem FC Liverpool das macht, was er aus dem BVB gemacht hat. Nämlich aus einem herum dümpelnden Verein im Mittelfeld einen Champions League Anwärter."

Nicht mehr in Schwarz-Gelb, sondern jetzt in Rot.

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