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München - Liverpools großes Problem in dieser Saison ist bislang das Spiel nach vorne, trotz talentierter Offensivspieler. Und doch setzt Jürgen Klopp zunächst woanders an.

Welche Spieler er denn jetzt nach Liverpool holt, ist bei den Fans der Reds seit der Verpflichtung von Jürgen Klopp eine häufig gestellte Frage. Nur für den Protagonisten selbst scheint sie nicht so brennend zu sein. "Das interessiert mich überhaupt nicht", sagte Jürgen Klopp der Bild.

"Wir haben jetzt gerade mal Oktober, und ich weiß noch nicht einmal, wie viele Spiele es noch bis zum Winter sind. Aber es sind einige, und dementsprechend werden wir jetzt erst mal auf unsere eigenen Leute schauen."

Klopp kennt viele davon noch nicht persönlich, kann deshalb kaum Konkretes über Taktik und Aufstellung sagen. Erst wenn alle von diversen Länderspielen zurück sind, geht es zum ersten Mal an die Feinarbeit.

Für Klopp ist "alles okay"

"Gute Abwehr, gutes Mittelfeld, gute Stürmer, gute Flügelspieler": So viel weiß Klopp schon über das, was ihm auf dem Trainingsplatz begegnen wird. "Alles okay." Es ist leider ein bisschen komplizierter.

Vor allem braucht er schnell einen Plan vors und ins gegnerische Tor. Daniel Sturridge etwa lag wegen Verletzungen an Oberschenkel und Hüfte in den vergangenen eineinhalb Jahren öfter als er lief.

Brecher Benteke

Manchester United v Liverpool - Premier League
Christian Benteke trifft per Fallrückzieher gegen ManUnited © Getty Images

46,5-Millionen-Euro-Neuzugang Christian Benteke zerrte sich den Oberschenkel, gerade als er versprach, so richtig für Liverpool durch die Liga zu wuchten. Und Danny Ings spielt mit 23 Jahren erst seine zweite Saison in der obersten englischen Klasse.

In all diesen Spielern stecken jede Menge Tore. Klopp könnte aber einige Zeit brauchen, um diese aus ihnen herauszuholen. Dann jedoch hätte er mit Sturridge einen der komplettesten Stürmer der Premier League und mit Benteke einen 83-Kilo-Brecher.

Suarez' Abgang schmerzt noch immer

Gerade einmal acht Treffer gelangen Liverpool in den ersten acht Saisonspielen, der Klub steht mit einer Tordifferenz von -2 da. Eines der größten Probleme: Noch immer schwirrt stets der Name Luis Suarez herein, wenn es um Liverpools Angriff geht.

Dem Uruguayer war im Duett mit Sturridge vor zwei Jahren alles gelungen. Klopps Vorgänger Brendan Rodgers ließ damals kompromisslosen Konterfußball spielen, die Essenz auch von Klopps ersten Erfolgen in Dortmund.

Traum vom Boss-Fußball

Mit den Verpflichtungen von Adam Lallana, James Milner, Philippe Coutinho oder auch Emre Can sollte seit dem auf traumatische Weise verpassten Meistertitel 2014 der Schritt gelingen hin zum Boss-Fußball der ganz Großen mit viel Ballbesitz.

Möglicherweise wäre dieser auch gelungen, hätte Liverpool nicht seine besten Offensivspieler verloren. Klopp deutete bereits an, zunächst am meisten Wert auf eine stabile Arbeit gegen den Ball zu legen.

Can als potentieller Anführer

Fähige Spieler dafür hat er in jedem Fall. Can zum Beispiel ist ein Typ nach seinem Geschmack, ein potentieller Anführer, wenn auch noch roh und für Fehler und Platzverweise gut.

Nathaniel Clyne, vor der Saison aus Southampton gekommen, ist bislang eine der positivsten Erscheinungen dieses Jahres in Liverpool, macht auf seiner rechten Seite aber noch einen zu zahmen Eindruck. Klopp dürfte das ändern.

Zu viel durch die Mitte

Eine seiner ersten Aufgaben wird sein, Liverpools Spiel zu verbreitern. Unter Rodgers hatte sich zu viel in der Mitte konzentriert, die Gegner konnten daher leicht ein Stoppschild vor dem Strafraum aufstellen.

Clyne und Alberto Moreno links werden mit die wichtigsten Spieler für Klopp sein, als Außenverteidiger einer Viererkette. Rodgers hatte zuletzt immer wieder auch eine Dreierkette gebracht.

Über außen könnte es schnell gehen

Der Ex-Hoffenheimer Roberto Firmino und der 19-jährige Jordon Ibe sind schnelle Männer für die offensiven Außen, auch Danny Ings und James Milner können hier spielen. Anders als noch in Dortmund hat Klopp hier die ernsthafte Option, auch zwei zentrale Stürmer als Abnehmer für Flanken und Boateng'sche Langpässe aufzustellen.

Auch wenn es zuletzt anders aussah: Liverpools Kader bietet durchaus Qualität und Tempo. Nur zehn der 26 Spieler im Kader sind über 25.

Ein paar Sorgen könnte die Torhüterposition machen, wo der Belgier Simon Mignolet im besten Fall unauffällig bleibt. Bei einem genauen Blick auf die Mannschaft versteht man aber, wieso Klopp nicht gezögert hat, bei den Reds zu übernehmen.

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