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FC Schalke 04 General Assembly
Horst Heldt ist seit 2011 Sportdirektor beim FC Schalke 04 © Getty Images

Gelsenkirchen - Horst Heldts Aussagen bei SPORT1 deuten auf einen Abschied beim FC Schalke hin. Die Frage nach dem Zeitpunkt bleibt. Auf dem Managerposten könnte ein Vakuum drohen.

Clemens Tönnies' Terminkalender ist voll in dieser Woche. Als Chef eines großen Fleischkonzerns gibt es immer was zu tun, sein FC Schalke 04 hat zudem zwei Pflichtspiele vor der Brust. Darüber hinaus veranstaltet der Schützenverein zu Rheda, bei dem Tönnies 1. Vorsitzender ist, das Schinkenschießen.

Und Schalkes Aufsichtsratsboss wird nun wohl noch einen weiteren Termin wahrnehmen müssen. Sein Manager Horst Heldt will mit Tönnies sprechen.

Das erklärte er am Sonntag im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1.

"Ich habe meine Entscheidung für mich schon getroffen. Ich werde mich noch in dieser Woche mit Clemens Tönnies zusammensetzen. Diese Woche wird eine Entscheidung verkündet", sagte Heldt, der anstrengende Tage hinter sich hat.

Harald Strutz befeuert Gerüchte

Am Donnerstag gab es erste Meldungen, Christian Heidel könnte von Mainz 05 nach Schalke wechseln. Für Heldt, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft, wäre dann kein Platz mehr.

FSV-Präsident Harald Strutz befeuerte die Gerüchte, als er über ein Angebot an seinen Manager Heidel sprach. Den Absender nannte er nicht. Doch kann es sich nur um Schalke handeln.

Tönnies wollte seinen leitenden Angestellten Heldt schließlich schon im Sommer ersetzen. Damals umwarb er Gladbachs Max Eberl. Doch der Sportdirektor sagte ab und verlängerte stattdessen bei der Borussia bis 2020.

"Max müsste mich deshalb eigentlich zum Essen einladen", scherzte Heldt bei SPORT1 und spielte damit auf eine kolportierte Gehaltserhöhung seines Kollegen an.

Kein Essen mit Christian Heidel

Mit Heidel würde sich der 45-Jährige dagegen nicht privat verabreden.

"Es gibt Leute, mit denen geht man gerne Essen. Und es gibt Leute, da bleibt man lieber zu Hause", sagte Heldt am Sonntag. Diese Aussage zeigt: Eine Doppelspitze mit Heidel und Heldt wird es auf Schalke nicht geben. Dass es zu einem Wechsel auf dem Managerstuhl kommt, dürfte aber beschlossene Sache sein.

Fraglich ist nur, ob Heldt sofort geht oder bis zum Ende der Saison durchhält. Seine Aussage vom Samstag spricht gegen die zweite Variante.

"Ich bin hier aufrecht reingegangen, und ich gehe auch aufrecht wieder hier raus", sagte Heldt nach dem 2:1 (1:0)-Erfolg gegen Hertha BSC. Eine Zukunft als Manager auf Zeit, als sogenannte "lame duck", dürfte ihm und auch Schalke eher schaden.

Seit 23 Jahren bei Mainz 05

Tönnies müsste dann schnell einen Nachfolger präsentieren, um ein Vakuum zu vermeiden. Ein Heidel-Transfer dürfte aber einen hohen Preis haben. Der gebürtige Mainzer steht beim FSV noch bis 2017 unter Vertrag.

Außerdem ist gar nicht klar, ob Heidel Lust auf Schalke hat. Seit 23 Jahren arbeitet er für die Mainzer, der Verein ist sein Lebenswerk.

Im SPORT1-Interview sagte Heidel, über einen Weggang wolle er nur "nachdenken unter der absoluten Bedingung, dass in Mainz alles geordnet ist und Mainz keinen Schaden nehmen wird".

Einen Imageschaden hat Schalke durch die Gerüchte der vergangenen Tage bereits erlitten. Dabei ist die Situation paradox: In einer Phase, in der es auf Schalke sportlich endlich wieder einmal gut läuft, steht Heldt vor dem Aus.

Flops von Obasi bis Di Matteo

Kreideten ihm die Fans vor einem halben Jahr noch Transferflops wie Chinedu Obasi, Ciprian Marica, Adam Szalai, Kevin-Prince Boateng oder Trainer Roberto Di Matteo an, honorieren sie die Arbeit der vergangenen Monate.

Heldt holte mit Andre Breitenreiter einen Coach, der Begeisterung in der Arena entfacht. Er verpflichtete mit Johannes Geis einen der begehrtesten deutschen Mittelfeldspieler. Und Heldt verlängerte vorzeitig den Vertrag mit Torwart Ralf Fährmann.

Bei SPORT1 versprach er zudem dem verletzten Marco Höger ein neues Arbeitspapier. Auch der seit Wochen bärenstarke Abwehrspieler Joel Matip könnte bald verlängern.

Max Meyer sorgt für Jubeltraube

Schalkes Mannschaft wirkt im Herbst 2015 intakt. Den Siegtreffer gegen Hertha BSC feierte das Team mit einer riesigen Jubeltraube, auf die sich auch der Trainer und die Ersatzspieler warfen. Die Arena explodierte nach Max Meyers Tor. Die Zeiten haben sich geändert.

In der Vorsaison gab es auf Schalke bei schmeichelhaften Siegen auch Pfiffe und Zuschauer, die nach Schlusspfiff Plakate mit der Aufschrift "Heldt raus" hochhielten. Aktuell überwiegt die Vorfreude auf das nächste Spiel.

Das bestreiten die Schalker in der UEFA Europa League. Am Donnerstag kommt Sparta Prag nach Gelsenkirchen (ab 18.45 Uhr im LIVETICKER und in unserem Sportradio SPORT1.fm).

Dort könnte sich ein Stück weit bereits Schalkes sportliche Zukunft entscheiden, mit einem Sieg würden die Königsblauen einen großen Schritt in Richtung Runde der letzten 32 und damit einem Überwintern auf der internationalen Bühne machen.

Ob Horst Heldt sich die K.o.-Phase der Europa League dann noch als Schalkes Manager anschauen wird, darf zumindest bezweifelt werden.

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