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München - Jürgen Klopps erste Tage beim FC Liverpool sind turbulent bis irre: Die Fans drehen durch, auch Ferguson huldigt, das Netz explodiert. SPORT1 blickt zurück.

Kloppomania, Klopp of the Kops, King Klopp, und, und, und….:

Kein Wortspiel, das es nicht gegeben hätte nach der fußballerischen Eheschließung zwischen Jürgen Klopp und dem FC Liverpool.

Der Kloppo-Hype an der Merseyside hat einen Gigantismus erreicht, der seinesgleichen sucht – und mit dem der erste deutschen Teammanager der "Reds" in 123 Jahren wohl selbst kaum gerechnet hat.

Einige Fans schrieben nun sogar den 1978-Klassiker "Agadou" der Saragossa Band ehrfürchtig um. Textprobe gefällig?

Juuuuurrrrrgen Klopp Klopp Klopp,
He’s the new king of the Kop,
Jurgen Klopp Klopp Klopp,
He will take us to the top,
Champions League, FA Cup,
He will win the f*****g lot,
With Jurgen Klopp Klopp Klopp,
He’s the new king of the Kop!

"Ich habe auch keine Ahnung, warum das jetzt so ein Riesen-Hype ist, aber so ist es jetzt mal", sagte Klopp der Bild – bis zu seinem Premier-League-Debüt am Samstag bei Tottenham Hotspur am Samstag dürfte der der Hype noch größer werden.

SPORT1 fasst die ersten Tage Klopp im fußballverrückten Liverpool zusammen

SOCIAL–MEDIA-WAHNSINN

Als Liverpool die Verpflichtung des ehemaligen Coachs von Borussia Dortmund bekannt gab, explodierte Twitter.

Der Tweet von 21.58 Uhr löste eine unglaubliche Euphorie aus, wurde allein innerhalb der ersten zehn Minuten bereits 25.000 Mal geteilt. Insgesamt waren es dann 70 000 Fans - was wiederum das Sechsfache von dem ist, was den Transfer von Pep Guardiola zum FC Bayern ausgelöst hatte.

Über 35.000 Menschen wiederum verfolgten Klopps Flug im Privatjet von Dortmund nach Liverpool live am Computer, wie FlightRadar24 bestätigte.

MEDIEN-HYSTERIE

Allen voran die Boulevardblätter überschlagen sich: Bereits am Donnerstag boten die Zeitungen Klopps letzten Liverpool-Besuch in 20 Fotos (Daily Mail) an, seine 15 "verrücktesten und wundervollsten Zitate" (Telegraph), seine sieben schwierigsten Aufgaben (Independent) - und die Liste, wen er alles zu Weltklassespielern formte (Mirror).

Das Liverpool Echo rief den 8. Oktober gar zum "Jurgen Klopp Day" aus.

Irre: Bei Klopps Vorstellung hatten Reporter Tränen in den Augen – trotz dessen mitunter angespannten Verhältnisses zu den Medien.

Klopp: "Es ist wirklich verrückt"

"Es ist wirklich verrückt, welcher Hype um meine Person hier herrscht", sagt Klopp.

Und noch immer brummen in Englands Medienlandschaft  vereinzelt Liveticker, die mit jedem noch so kleinen Detail zu Klopp dessen Personenkult nähren – und wenn es sich nur um Klopps schwungvolle Vertragsunterschrift mit dem Querstrich durch das Doppel-p handelt.

KLOPPS SELBSTPRÄSENTATION

Klopps unnachahmliche Art tut ihr Übriges, um Klopp beim Mythos FC Liverpool selbst Kult werden zu lassen.

Bei seiner ersten Pressekonferenz brillierte er charmant, locker und witzig: "Ich bin ein Durchschnitts-Typ. Ich bin ein ganz normaler Typ, in einem nicht ganz normalen Klub. Ich bin The Normal One", hatte er mit einem Seitenhieb auf Chelseas Trainer-ExzentrikerJose Mourinho ("I am the Special One") die Lacher gleich auf seiner Seite.

FANS UND STARS HULDIGEN KLOPP

Bei den Menschen ist Klopp nach wie vor Gesprächsthema Nummer 1- und bestimmt sogar Privates: Ein Liverpooler Taxifahrer namens John erklärte beispielsweise, seinen Hund jetzt "Jurgen" zu nennen.

"Die Menschen hängen an jedem Wort von ihm. Er wird den Klub wieder zum Kassenschlager machen", schwärmt Liverpool-Urgestein Jamie Carragher.

Und Ex-Spieler John-Arne Riise twitterte: "Ich habe niemals eine bessere Pressekonferenz eines neuen Trainers gesehen. Die Energie, wie er redet, alles. Gebt diesem Kerl Zeit. Was für ein Mann!"

Sogar die Großen anderen Klubs wirken berauscht von Klopp. "Er hat eine große Persönlichkeit. Sehr stark. Sehr entschlossen. Ich bewundere ihn und glaube, dass er es gut macht", sagt etwa Manchester Uniteds Trainerlegende "Sir" Alex Ferguson.

RUN AUF KLOPP-MERCHANDISING

Der 20. Trainer der Vereins-Historie, der den in Lethargie siechenden Reds neue sportliche Identität verleihen soll, beflügelt zumindest schon einmal das Marketing.

Im Fanshop gib es seit Donnerstag eine eigene Klopp-Kollektion. Tausende Fans haben sich bereits ein T-Shirt mit dem Aufdruck "The Normal One" bestellt. Dazu ziert Klopps Konterfei unter anderem Mauspads, Kaffeebecher und Wimpel.

VOLKSNAH IN LIVERPOOL

An seinem ersten Wochenende in der neuen Stadt mischte sich Klopp direkt unters Fanvolk. Mit Ehefrau Ulla wurde in einem Pub in der Stadt der Beatles, deren "All you need is Love" inzwischen vielerorts als "All you need is Klopp" daherkommt, gesichtet.

Das britische It-Girl Rebeckah Vaughan postete davon sogleich ein Foto von sich mit ihren Freundinnen und Klopp.

Aber auch mit einigen Fans, die die letzte Meisterschaft der Reds noch miterlebt haben, ließ sich Klopp ablichten.

VOLLER ARBEITSELAN 

Klopp geht den neuen Job gleich akribisch an: Am Samstag schaute er beim Spiel der U18 gegen Stoke City vorbei. Am Sonntag wollte er sechs bis sieben Liverpool-Spiele dieser Saison sichten, hieß es in englischen Medien, ehe Klopp dann am Montag das erste Mal sein neues Teams trainiert.

Ehefrau Ulla befindet sich derweil seit Samstag auf Wohnungssuche, wie die Bild schreibt, damit es aus dem Hotel bald ins neue Eigenheim geht. Sohn Dennis soll ebenfalls noch einige Tage in Liverpool weilen.

WETTANBIETER DREHEN DURCH

Wettanbieter bwin nimmt schon Wetten entgegen, wie Klopp sein erstes Tor feiern wird. Ballt er die Faust, gibt es bei einem Einsatz von 10 Euro immerhin 15 zurück.

Richtig lukrativ wird es, zöge Klopp blank: Jubelt er mit freiem Oberkörper, winken 1010 Euro Gewinn.

Nicht auzudenken, welche Superlative noch folgen, sollte Klopp die Reds, zuletzt vor einem Vierteljahrhundert Meister und 2005 Champions-League-Sieger, tatsächlich wieder zu altem Glanz verhelfen.

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