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Gelsenkirchen - Am 8. August hatte Neuzugang Franco Di Santo zuletzt für Schalke getroffen. In der Europa League schoss er sich mit einem Hattrick den Frust von der Seele.

Als Franco Di Santo glücklich lächelnd durch die Mixed Zone ging, hielt er seinen Rucksack ganz fest, wollte ihn gar nicht mehr loslassen.

Während der Argentinier ein Interview nach dem anderen gab, hatte er ihn auf dem Rücken festgeschnallt. Schließlich hatte der Inhalt einen hohen ideellen Wert.

Denn Di Santo hatte sich nach seinem Hattrick beim 4:0-Sieg des FC Schalke gegen Asteras Tripolis im zweiten Gruppenspiel der Europa League den Spielball geschnappt und noch in der Kabine von seinen Teamkollegen signieren lassen. Als Erinnerung natürlich, als Souvenir. Aber vielleicht auch als Ansporn, falls es irgendwann mal wieder nicht so laufen sollte.

"Natürlich bin ich jetzt sehr, sehr glücklich. Nicht nur wegen meiner Tore sondern vor allem wegen des Sieges", sagte der Argentinier SPORT1. Bescheiden. Fast schon etwas ungewohnt bescheiden für einen Stürmer. Vor allem für einen Stürmer, der zuletzt ein wenig in der Krise steckte, der unter Ladehemmung litt.

Torlos seit dem 8. August

Denn Di Santo war nach seinem geräuschvollen Wechsel in der Sommerpause von Werder Bremen zum FC Schalke bei den Königsblauen noch nicht wirklich angekommen. Bei seinem Debüt im DFB-Pokal bei Zweitligist MSV Duisburg am 8. August hatte er auf Anhieb getroffen, danach lief es für ihn nicht mehr. Di Santo betrieb viel Aufwand. Hängte sich für die Mannschaft rein, doch während Schalke von Sieg zu Sieg eilte, ging er regelmäßig leer aus.

Keine einfache Zeit für einen Stürmer. Denn die werden bei aller Einsatz- und Laufbereitschaft nun mal an Toren gemessen, da ist der Fußball ebenso simpel wie unerbittlich. Und mit jeder gezählten torlosen Minute schwinden auch das Selbstvertrauen, die Sicherheit und die Leichtigkeit, von denen ein Angreifer nun mal lebt. Eine Blockade entsteht, ein Teufelskreis. Di Santo war eines der ganz wenigen Sorgenkinder, die Trainer Andre Breitenreiter trotz der jüngsten Erfolgs- und Euphoriewelle zu beklagen hatte.

Beeindruckender Befreiungsschlag

Kein Wunder also, dass der beeindruckende Befreiungsschlag mit seinem Hattrick gegen die zugegebenermaßen biederen Griechen binnen 16 Minuten auch den Trainer aufatmen ließ. Denn der weiß wohl mit am besten, wie belastend ein Negativlauf sein kann, schließlich war er selbst Stürmer. Und deshalb hatte der 42-Jährige auch alles versucht, ob nun mit Zuckerbrot, oder aber mit der Peitsche.

Als Di Santo am Anfang der Saison mal die Zügel schleifen ließ, gab es einen öffentlichen Rüffel. Zwischenzeitlich hatte Breitenreiter beim Schalker Training selbst das Heft in die Hand genommen und den 26-Jährigen mit so präzisen Flanken gefüttert, dass der eigentlich nur treffen konnte.

Als der Argentinier trotzdem zuletzt kontinuierlich glücklos blieb, hob Breitenreiter die mannschaftsdienlichen Vorzüge hervor und wies auf Qualitäten hin, die man erst auf den zweiten Blick erkennen konnte. Und unterband so Diskussionen über die Ladehemmung des Sechs-Millionen-Zugangs, bevor die erst so richtig an Fahrt aufnehmen konnten. "Es ist klar, dass ein neuer Spieler ein wenig Anlaufzeit braucht, aber Franco hat sich immer in den Dienst der Mannschaft gestellt und für die Mannschaft Gas gegeben", sagte Breitenreiter SPORT1.

"Das wird ihm sehr viel Selbstvertrauen geben"

Di Santo zahlte seinem Trainer das Vertrauen nun gleich dreifach zurück. "Ich finde es super, dass er sich für diesen hohen Aufwand belohnt hat, den er in den letzten Wochen betrieben hat. Er hat unglaublich viel gearbeitet, aber Stürmer brauchen natürlich Tore und das wird ihm sehr viel Selbstvertrauen geben“, sagte Breitenreiter.

Und auch Kapitän Benedikt Höwedes sparte nicht mit Lob für den Matchwinner. "Franco ist bis jetzt ja noch nicht so in den Genuss gekommen, selbst Tore zu machen, sondern nur für die Mannschaft zu arbeiten. Für diese Arbeit hat er sich belohnt und da sieht man natürlich auch, wie wichtig er für die Mannschaft ist", sagte der Weltmeister SPORT1.

Wie fragil das Selbstbewusstsein eines Stürmers oftmals ist, zeigte sich beim 3:0 der Schalker. Da schnappte sich Di Santo, plötzlich beflügelt von seinem Doppelpack zuvor, wie selbstverständlich den Ball, um den Handelfmeter zu verwandeln. Obwohl der Argentinier gar nicht die erste Option war. "Ich bedanke mich bei Johannes Geis, dass er mir den Elfmeter überlassen hat", verriet Di Santo SPORT1.

Ganz nebenbei ist das auch ein Beweis für das neue Wir-Gefühl auf Schalke, mit dem der Klub nun am Sonntag gegen den 1. FC Köln (ab 15.30 Uhr, im LIVETICKER und auf SPORT1.fm) den siebten Sieg in Folge und damit einen Vereinsrekord im Blick hat. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass ich auch bald mein erstes Bundesliga-Tor machen werde", sagte Di Santo. Den Ansporn hatte er ja bereits im Rucksack.

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