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Augsburg - Augsburg verpatzt die Heimpremiere in der UEFA Europa League, die Fehler sind altbekannt. Trainer Weinzierl reagiert genervt, Keeper Hitz spricht Klartext.

Von Maik Rosner

Mit einem Stoßseufzer begann Markus Weinzierl seine Analyse, und all das, was der Trainer des FC Augsburg danach zur 1:3 (0:1)-Niederlage sagte, klang auch ein bisschen gequält. Wieder einmal musste er ja altbekannte Fehler vortragen, die nun gegen Partizan Belgrad die Heimpremiere in der Europa League verdorben hatten.

"Solche Spiele kennen wir mittlerweile von unserer Mannschaft", sagte der 40-Jährige bedient, "wir hatten eigentlich eine ordentliche Spielanlage und viele Chancen, haben es aber vorne versäumt, die Tore zu schießen und haben hinten dazugeholfen."

Mehr Spielanteile, keine Punkte

Treffend hatte Weinzierl damit das Spiel vom Donnerstagabend zusammengefasst, in dem Andrija Zivkovic (31./62.) und Dong-won Ji (54.) per Eigentor für den serbischen Meister trafen. Raul Bobadillas zwischenzeitliches 1:2 (58.) genügte trotz der deutlich größeren Spielanteile nicht mehr für einen Punkteertrag.

Nachdem auch die Europapokalpremiere zuletzt bei Atheltic Bilbao trotz eines ebenfalls ordentlichen Auftritts 1:3 verloren worden war, droht dem FCA in seinem Abenteuer schon nach Abschluss der Gruppenphase im Dezember das Aus.

Und das, obwohl die bayerischen Schwaben auch in Europa mithalten können, sich aber wie in der Bundesliga zum wiederholten Male um den möglichen Lohn brachten. "Es läuft nicht, das sieht man an vielen Kleinigkeiten", sagte Weinzierl.

Sprung in der Schallplatte

Mittlerweile muss sich der zur Unzeit von Borussia Mönchengladbach umworbene Trainer vorkommen, als habe die Hitschallplatte nach Platz fünf in der Vorsaison plötzlich einen Sprung bekommen. Und zwar genau an jener Stelle, an der die Mängel zuvor noch vom Lauf überdeckt worden waren.

Jetzt hat sich ein Gegentrend eingestellt. Was zusammen mit den Gladbacher Avancen auch für Weinzierl eine heikle Situation ist. Zumal sich die Fehler wiederholen, obwohl er sie anspricht.

"Wir kriegen innerhalb von fünf Tagen zwei Mal genau dasselbe Tor, das kann kein Zufall sein", sagte Torwart Marwin Hitz gegenüber SPORT1 über das 0:1. Zivkovic hatte, wie zuvor in der Liga Hoffenheims Kevin Volland, gegen zwei Augsburger viel zu leicht von rechts außen nach innen dribbeln und abschließen dürfen.

Lamentieren statt spielen

Beim Tor zum 1:3 warteten die Augsburger zudem auf einen Schiedsrichterpfiff nach einem Foulspiel an Daniel Baier, anstatt konzentriert zu verteidigen.

"Wenn wir die Spiele immer gleich verlieren, sieht es aus, als ob wir nichts geändert haben", stellte Hitz genervt fest. Verbunden mit einem Erklärungsansatz, der nicht für ein funktionierendes Gefüge spricht.

Seine Forderung: "Wir müssen uns wieder viel mehr helfen und auch mal einen Lauf zu viel machen."

Hitz fordert mehr Überzeugung

Das vermisst er derzeit ebenso wie die Konzentration, hinten wie vorne. Man müsse "mit voller Überzeugung" schießen, sagte der Schweizer, und, so ließ sich das deuten, nicht nach drei Schlenkern, wie sie Bobadilla oft aufführte und einige Chancen vergab.

Hitz formulierte es gegenüber SPORT1 vorsichthalber allgemein: "Wenn man so viele Spiele nicht gewinnt, ist es kein Pech mehr."

Für Weinzierl hat die unzureichende Chancenverwertung auch "mit dem Kopf zu tun, das ist eine Selbstvertrauenssache". Zugleich mahnte er mehr "Effektivität und Konsequenz" an.

Sein deutliches Fazit wegen der drei vermeidbaren Gegentore: "Viel zu billig."

Gefolgt von einer Erkenntnis, die nur bedingt Anlass zur Hoffnung gibt, dass es nach dem Sonntagsspiel bei Bayer Leverkusen und der Länderspielpause spürbar aufwärts gehen wird für den Tabellensechzehnten.

Weinzierl stellt Qualität in Frage

"Es ist natürlich so, dass es auch eine Qualitätsfrage ist", sagte Weinzierl und verwies auf den erst 19 Jahre alten Zivkovic, der Augsburg zwei Mal vorgemacht hatte, wie man kühl und abgezockt vor dem Tor agiert.

Und jetzt? "Wir haben eine schlechte Ausgangsposition, aber es sind immerhin noch vier Spiele", sagte Weinzierl, während Geschäftsführer Stefan Reuter den Zusammenhalt beschwor.

Zumindest das Bemühen wollte der Trainer seinen Spielern nicht absprechen. "Man hat gesehen, dass die Mannschaft wollte. Die Moral war da", sagte er. Und der FCA, fügte er noch hinzu, habe "auch Qualität, aber wir brauchen ein Erfolgserlebnis".

Am besten bald.

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