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England-Experte Steffen Freund prophezeit Jürgen Klopp eine schwierige Mission
England-Experte Steffen Freund prophezeit Jürgen Klopp eine schwierige Mission © SPORT1-Grafik: Gabriel Fehlandt/Getty Images

Liverpool und München - Was erwartet Jürgen Klopp in Liverpool? Im Gespräch mit SPORT1 beurteilt England-Experte Steffen Freund die Lage - und ahnt Transfers vom BVB voraus.

Die vermeintliche Traumehe zwischen Jürgen Klopp und dem großen FC Liverpool ist geschlossen - und auch die Flitterwochen begannen vielversprechend.

In seiner Antritts-Pressekonferenz war der frühere Coach des BVB schon wieder ganz der alte Menschenfänger. Klub, Medien und Fans sind begeistert von "The Normal One".

Die Frage, die bleibt: Hält sich die Begeisterung? Wird Klopp den Ansprüchen auch dann gerecht, wenn es auf dem Platz zur Sache geht?

Steffen Freund, langjähriger England-Legionär als Spieler und (Co-)Trainer - heute ab 18.30 Live im Studio bei Bundesliga Aktuell zu Gast - erklärt SPORT1 was Klopp an der Anfield Road erwartet.

  • Die Liga:

Klopp steht für Powerfußball von der ersten bis zur 90. Minute. Sein Stil sollte hervorragend in die Liga passen, in der europaweit der schnellste Fußball gespielt wird. Liverpool wird mit Umschalt-Liebhaber Klopp zielstrebiger Richtung Tor agieren als unter Rodgers, der vornehmlich auf Ballbesitz aus war.

Allerdings könnte sein laufintensives Spiel bei noch mehr Pflichtspielen als in Deutschland auf Dauer auch wieder Probleme mit sich bringen.

Das sagt Freund: "Wenn ich vor der Verpflichtung einen Trainer hätte nennen müssen, der mit seiner Art zu Liverpool und der Premier League passt, hätte ich ihn als Ersten genannt. Klopp ist emotional, mit dem Herzen dabei, leidenschaftlich und hat an die Spieler und sich selbst den Anspruch alles zu geben und an die Grenzen zu gehen, um ein Spiel zu gewinnen."

  • Die Mannschaft:

Liverpool hat in den letzten zwölf Monaten 18 neue Spieler verpflichtet, in den letzten drei Jahren mehr als 300 Millionen Euro investiert.

Dennoch fehlen dem Team im Vergleich mit Chelsea oder ManUnited wirkliche Superstars, nach dem Abschied von Klub-Legende Steven Gerrard geht dem Team zudem ein echter Anführer ab.

Allerdings hat das Team gerade in der Offensive sehr viel Entwicklungspotenzial, Klopp soll den Bossen laut Mirror versichert haben im Winter nur ein wenig nachjustieren zu wollen.

Das sagt Freund: "Aufgrund der vielen Verpflichtungen der letzten drei Jahre glaube ich nicht, dass es innerhalb kürzester Zeit gelingen wird, die Mannschaft zu einer Einheit zu formen. Von der individuellen Qualität her ist die Mannschaft aber gerade in der Offensive gut besetzt und ist sicherlich in der Lage, schnell spielen zu können."

Ob Klopp auch Spieler von Dortmund holt? "Davon gehe ich aus", sagt Freund: "Wenn sich das Transferfenster im Januar öffnet, wird er wissen, welche Positionen er noch verstärken muss. Und dann ist es eigentlich eine logische Konsequenz der meisten Trainer in der Vergangenheit, dass man dann auf Spieler zurückgreift, die man kennt."

  • Die Erwartungshaltung:

Die Klub-Verantwortlichen und die Fans erwarten sich von Klopp einen ähnlichen Schub wie bei seinem Amtsantritt in Dortmund an dessen Ende endlich der lang ersehnte erste Meistertitel nach über 25 Jahren Durststrecke stehen soll. Die Hysterie in der Stadt ist riesig, Klopp wird bereits als Heilsbringer gefeiert.

Das sagt Freund: "Klopp hat auch in Dortmund eine Mannschaft die Mittelfeld-Niveau hatte übernommen und innerhalb von drei Jahren zur Meisterschaft geführt. In England bekommt ein neuer Trainer in der Regel immer die Zeit, Veränderungen in der Mannschaft vorzunehmen. Er wird mit seiner Art und Weise dort sehr sehr schnell Feuer reinbringen."

  • Das Umfeld:

Noch ist nicht klar, wie die Kompetenzen in Sachen Transfers zwischen Klopp und dem mittlerweile berühmten Transferkomittee verteilt werden.

Der Verein ist aber bereit Klopp so viele Wünsche wie möglich zu erfüllen. So wurden die bisherigen Assistenten von Brendan Rodgers allesamt freigestellt, der Schwabe kann seine Vertrauten Zeljko Buvac und Peter Krawietz mitbringen. Dennoch wird er sich Klopp auf einige Veränderungen einstellen müssen.

Das sagt Freund: "Die größten Unterschiede liegen in der Struktur des Vereins. Anders als bei Dortmund hat er keinen Sportdirektor an seiner Seite. Er hat die volle Eigenverantwortung im sportlichen Bereich. Er wird sich nicht nur um alle Belange der Mannschaft sondern eben auch um die Transfers kümmern müssen. Wenn er das aber so haben will, dann ist der Trainer der starke Mann im sportlichen Bereich und kann eigentlich auch alles entscheiden."

  • Freunds Fazit:

"Ich traue Jürgen Klopp auf jeden Fall zu die endlich wieder die Meisterschaft nach Liverpool zu holen, aber die englische Liga ist in der Spitze die härteste der Welt. Natürlich ist der Trainer die wichtigste Personalie im Verein und da haben die Reds die richtige Entscheidung getroffen. Aber sich gegen Arsenal, City, ManUnited oder auch Tottenham und Everton durchzusetzen wird schon sehr sehr schwer."

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