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Andre Breitenreiter steht vor seiner ersten Revierderby als Schalke-Trainer © Getty Images

Gelsenkirchen - Nach dem 1:1 in Prag ist klar: Schalke ist noch nicht in Derbyform. Andre Breitenreiter sieht das Positive, doch für ihn wird das Duell beim BVB auch zur Bewährungsprobe.

Für Andre Breitenreiter war das Glas halbvoll.

"Wir nehmen den Punkt gerne mit. Wir sind weiter Tabellenführer und haben den nächsten Schritt getan, um in die Zwischenrunde einzuziehen. Wir haben uns Vertrauen geholt, weil wir wieder nicht verloren haben", sagte der Trainer des FC Schalke 04 nach dem 1:1 am vierten Spieltag der Gruppenphase in der UEFA Europa League bei Sparta Prag.

Eine, höflich ausgedrückt, sehr optimistische Einschätzung der aktuellen Lage. Für die Europa League stimmt das zwar, dafür ist Schalke umgekehrt wettbewerbsübergreifend aber auch seit fünf Pflichtspielen ohne einen Sieg.

Formkurve zeigt nach unten

Die Formkurve zeigte nicht erst beim schwachen 1:1 in Prag deutlich nach unten, die Ergebniskrise weitet sich vielmehr aus. Und das ausgerechnet vor dem Derby bei Borussia Dortmund am Sonntag (ab 15.30 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER), in das die Schalker nach dem erfolgreichen Saisonstart inzwischen nur noch als Außenseiter gehen.

Doch für Breitenreiter war das Remis "ein Schritt nach vorne", schließlich habe man Moral bewiesen: "Das drückt die Derbystimmung nicht. Es freut mich, dass wir nach dem Rückstand dagegen angekämpft haben. Das ist das Entscheidende - auch für Sonntag."

Als sich die Schalker mitten in der Nacht aus der tschechischen Hauptstadt auf den Weg zurück nach Gelsenkirchen machten, hallten die Schmähgesänge der eigenen Fans in Richtung des Revierrivalen noch nach. Ein klarer Auftrag der Anhänger für "die Mutter aller Derbys" (Breitenreiter).

Schließlich ist die 147. Auflage auch immer die Chance zur Wiedergutmachung, der mögliche Freibrief für das, was vorher gewesen ist. Denn das ist dann meist vergessen, abgehakt.

90 Minuten Leidenschaft

"Die Jungs haben Gas gegeben und gefightet und genau das wollen wir am Sonntag auf den Platz bringen", forderte Breitenreiter bei SPORT1. "90 Minuten volle Leidenschaft, volle Emotion", sagte auch Torhüter Ralf Fährmann.

Was freilich immer der Mindesteinsatz für ein Derby ist, bei den Schalkern im vergangenen Februar beim blutleeren 0:3 aber bei weitem nicht war. Hinzu kommt, dass sich der BVB unter Trainer Thomas Tuchel von Woche zu Woche steigert.

"Wir malen jetzt aber nicht den Teufel an die Wand", so Fährmann. Stattdessen spricht man sich auf Schalke Mut zu. Schließlich könne man ein Derby auch gewinnen, "wenn wir 18. sind und Dortmund Erster ist", sagte Leon Goretzka.

Ganz so schlimm ist bei dem Duell des Zweiten gegen den Vierten für Schalke dann auch nicht, doch in einem Derby geht es sowieso um mehr als nur das nackte Ergebnis. Vor allem für Breitenreiter.

Der hatte zwar seine Kaderkritik und seine "Bonusspiel"-Aussagen jüngst relativiert, doch bei einer Schlappe dürfte ihm das wohl wieder vor die Füße fallen. Es ist die erste große Bewährungsprobe für den 42-Jährigen in seiner noch kurzen Amtszeit. Denn bei einer Niederlage wäre eine Krise kaum mehr schön zu reden.

"Er wird noch lernen"

"Breitenreiter hat den aktuellen Kader zwar realistisch eingeschätzt, weil er wirklich etwas zu schmal ist. Das hat er jedoch zum falschen Zeitpunkt ausgesprochen. Er wird noch lernen, wie die Dinge auf Schalke laufen", sagte Fredi Bobic SPORT1.

Denn klar ist: Am Sonntag gibt es nur Sekt oder Selters. Und dann ist das Glas auch entweder voll oder leer.

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