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München - Manchester United muss in der UEFA Europa League das Aus befürchten, Louis van Gaal die Entlassung. Ex-Scout Düwel nennt bei SPORT1 Gründe für die Krise.

Die Stimmung passte irgendwie so gar nicht zur aktuellen Situation bei Manchester United.

Es ging launig zu, als Trainer Louis van Gaal bei der Pressekonferenz am Mittwoch vor dem Schicksalsspiel gegen FC den dänischen Klub FC Midtjylland nach seinen Motivationstricks gefragt wurde.

"Ich benutze das Wort 'horny' (geil) sehr oft", sagte der 64-Jährige, lachte und fragte den neben ihm sitzenden Juan Mata: "Stimmt doch, oder?" Es stimmt, wie Mata unter dem Gelächter der Reporter bestätigte.

Aber die gute Stimmung konnte nur kurz davon ablenken, dass Louis van Gaal in seiner Trainerkarriere schon einmal geilere Zeiten erlebt hat.

(Die UEFA Europa League, ab 19 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKERHIGHLIGHTS ab 23 Uhr auf SPORT1)

Ausscheiden wäre Brandbeschleuniger

Platz fünf in der Liga, Aus in der Champions League, Dauerdiskussionen um seinen Posten, der einstige Assistent Jose Mourinho als Nachfolger im Schatten - und nun der drohende Abflug in der UEFA Europa League als potenzieller Brandbeschleuniger. Das Hinspiel verlor der Klub des verletzten DFB-Kapitäns Bastian Schweinsteiger nach einer blamablen Vorstellung mit 1:2.

"Es ist gerade in Manchester aber keine einfache Situation für alle Beteiligten, vor allem für die Mannschaft", weiß auch Norbert Düwel, 2008 und 2009 als Scout und Gegner-Analyst für die "Red Devils" aktiv.

Von sage und schreibe 14 Verletzungsausfällen ist van Gaal geplagt - unter ihnen: Bastian Schweinsteiger, Wayne Rooney, Keeper David de Gea. "Das Team ist nicht eingespielt, da ist ein Aus durchaus möglich", sagt der ehemalige Coach von Union Berlin zu SPORT1: "Und am Wochenende steht wieder ein sehr schweres Spiel gegen Arsenal an."

Düwel: "Sir Alex war der Klebstoff"

Van Gaal übersteht die Schicksalsspiele womöglich nicht. Der frühere Bayern-Coach wäre nach David Moyes der zweite Trainer, am Erbe von Sir Alex Ferguson scheitert.

Norbert Düwel arbeitete zwischen 2008 und 2009 für Manchester United
Norbert Düwel arbeitete zwischen 2008 und 2009 für Manchester United © Getty Images

Der Klub, den die Überfigur zwischen 1986 und 2013 fast drei Jahrzehnte lang geprägt hat, hat seitdem keinen Titel mehr gewonnen, läuft den Ansprüchen der glorreichen Ära hinterher.

Düwel wundert das nicht: "Sir Alex war der Klebstoff, der das Ganze zusammengehalten hat mit seiner Ausstrahlung, Qualität und Persönlichkeit. Dieser Klebstoff fehlt jetzt."

Es sei "schwierig so einen Mann mit den Erfolgen und dem Einfluss einfach so zu ersetzen. Das ist eine ganz schwierige Geschichte. Zumal auch David Gill 2013 als Vorstandsvorsitzender aufgehört hat. Es brach auf einmal viel Kompetenz weg."

Van Gaal Opfer der Umstände

Schon der direkte Einfluss Fergusons auf die Spieler fehlt nach Düwels Einschätzung: "Sir Alex hat sehr viel gemacht, was seiner Person entspricht, er ist ein Mensch, der auch risikobereit war und die Spieler hat das spielen lassen, was sie konnten. Da haben die Jungs auf dem Feld viel zurückgegeben."

Jetzt sei "vieles festgefahren und die Kreativität und das Offensive und freie Spiel nach vorne kommt gerade zu kurz."

An van Gaal macht Düwel die Misere nicht fest, er sieht ihn eher als Opfer der Umstände.

"Für Louis van Gaal ist es alles andere als leicht, bei den ganzen Nebengeräuschen. Er muss eigentlich jedes Spiel gewinnen - egal, ob in der Europa League oder in der Meisterschaft." Dumm nur: "Aktuell fehlen ihm die Spieler dazu."

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