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Thomas Tuchel trifft auf seinen Vorgänger Jürgen Klopp © SPORT1-Grafik: Paul Haenel/Getty Images

Dortmund - Das Duell zwischen Borussia Dortmund und dem Liverpool FC im Viertelfinale der UEFA Europa League ist auch ein Kräftemessen zwischen Jürgen Klopp und seinem Nachfolger Thomas Tuchel.

Jürgen Klopp und Thomas Tuchel, zwei unterschiedliche Typen, verschiedene Herangehensweisen, aber auch viele Parallelen.

Beide gehören zu den Top-Trainern Europas. Nicht zufällig treffen sie im Viertelfinale der UEFA Europa League im Duell zwsichen Borussia Dortmund und dem FC Liverpool (ab 19 Uhr LIVE im TV bei SPORT1, LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm sowie im LIVETICKER) aufeinander.

Doch wer hat fußballerisch, technisch, taktisch, aber auch von der Motivation der Mannschaft her das bessere Händchen? Kurzum: Wer ist der bessere Trainer?

"Rasenschach" nicht Klopps Ding

Klopp hat in seinen 238 Bundesligaspielen als BVB-Coach hinlänglich unter Beweis gestellt, dass er Titel holen kann. Zwei Meisterschaften, der DFB-Pokalsieg, aber auch der Einzug ins Champions-League-Finale tragen Klopps Handschrift. 

Frühe Balleroberung, blitzschnelles Umschalten – mit diesem physisch geprägten "Vollgasfußball" hat Jürgen Klopp das Spiel geprägt. So ließ er in Dortmund spielen – und so praktiziert er es jetzt auch in Liverpool. 

"Rasenschach hat noch keine Mannschaft von mir gespielt", sagte Klopp einst bei seinem Amtsantritt 2008 in Dortmund.

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Umgestellt auf "Tuchel-Fußball"

"Wir alle kennen Jürgen Klopp und wissen, wie er spielen lässt", erklärte Dortmunds Mittelfeldspieler Gonzalo Castro. "Liverpool wird sehr früh angreifen, viel und früh pressen gegen den Ball und den Gegner."

Der BVB-Akteur betonte dagegen: "Wir haben unser Spiel komplett umgestellt auf Tuchel-Fußball."

Thomas Tuchel hat das System seines Vorgängers weiterentwickelt und verfeinert. Weniger Laufaufwand, mehr Ballkontrolle, mehr Kontakte.

Das Ballbesitzspiel anno 2016 wirkt überlegter, auch wenn in der BVB-Spielphilosophie noch ganz viel Klopp drinsteckt.

Emotionale Charaktere

"Wir sind hier angetreten, um diese großartige Basis mit unseren Ideen zu bereichern", sagte Thomas Tuchel im SPORT1-Interview am Mittwoch über seine Klopp-Nachfolge.

"Natürlich sind dadurch alle Spieler gereift – auch aufgrund der negativen Erfahrung der letzten Saison. Es ist schön, wenn man das unserem Spiel jetzt anmerkt", so der 42-Jährige.

Vom sportlichen Ehrgeiz scheinen sich Tuchel und sein sechs Jahre älterer Kollege nicht allzu viel zu nehmen. Jubel, Wut, Verzweiflung, voller Einsatz – die geballte Emotionalität an der Seitenlinie lässt sich bei beiden beobachten.

Als Motivator gilt Klopp als grandioser Einheizer, aber auch Tuchel findet trotz seiner sachlicheren Art den richtigen Zugang zum Team.

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Bilanz lautet 7:1 für Klopp

Die Viertelfinal-Kontrahenten schätzen sich sehr. Schon in Mainz folgte Tuchel auf Klopp und verstand es, das schwere Erbe auf seine eigene Art zu verwalten.

Zehnmal sind die beiden schon aufeinander getroffen, siebenmal ging Klopp als Sieger vom Platz, zuletzt sechsmal hintereinander. Tuchel verbuchte bislang nur einen Sieg, einen 1:0-Heimerfolg in seiner ersten Saison als Mainzer Chefcoach am 10. April 2010.

Doch die Voraussetzungen waren in der Vergangenheit gänzlich andere. Erstmals ist Tuchel am Donnerstag mit seinem Team in der Favoritenrolle – und Klopp "nur" der Herausforderer.

Tuchel mit größerer Variabilität

In Dortmund hatte sich Klopps Powerfußball-Variante nach sechs Jahren auf höchstem Niveau abgenutzt, der gefeierte "Kloppo" hatte sich verschlissen.

Tuchel genießt zurzeit den Vorteil des Neulings, sein Ansatz mit der größeren Variabilität im Spielsystem als dem Kloppschen 4-2-3-1 hat ihm bereits viel Kredit eingebracht – und in diesem Jahr bisher noch keine Niederlage.

Grundsätzlich haben Klopp und Tuchel in ihrer Herangehensweise und Lesart des Spiels viel gemeinsam. Positiv fußballverrückt ist der eine wie der andere.

Wer der bessere Trainer ist? Eine Antwort darauf wird auch das Viertelfinal-Duell nicht abschließend liefern.

Aber einen Sieger wird es geben.

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