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Campino wurde mit zehn Jahren Fan des FC Liverpool. Sein Herzensverein in Deutschland ist Fortuna Düsseldorf © SPORT1-Grafik: Philipp Heinemann/Getty Images

München - Liverpool-Fan Campino spricht vor dem Europa-League-Finale bei SPORT1 über seine Liebe zu den Reds, Jürgen Klopp und sein Leben als Punk unter Fußballfans.

"Ich wart' seit Wochen auf diesen Tag."

So beginnt der Erfolgs-Hit "Tage wie diese" der Toten Hosen. An Tagen wie diesen weiß Campino, warum er neben der Musik eine zweite Leidenschaft hat: Der Sänger der Rockband ist glühender Fan von Fortuna Düsseldorf und des FC Liverpool.

Daher ist es für den 53-Jährigen keine Frage: Am Mittwoch fiebert er im Finale der UEFA Europa League seiner Reds gegen den FC Sevilla (ab 19 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM, in unserem Sportradio SPORT1.fm und im TICKER) im Baseler St. Jakob-Park mit.

Vor dem Duell spricht Campino im SPORT1-Interview über seine Liebe zu den Reds, Trainer Jürgen Klopp und sein Leben als Punk unter Fußballfans.

SPORT1: Campino, warum ist die Anfield Road so ein heiliger Ort?

Campino: Anfield war von jeher meine Kirche, meine Gemeinde, so wie andere Leute in ihre Kirche gehen. Ich maße mir nicht an zu behaupten, dass wir besser sind, nur anders.

SPORT1: Und die Anfield Road ist magischer als die Düsseldorfer Arena?

Campino: Anfield hat eine ganz andere Tradition, aber das sind zwei völlig verschiedene Geschichten. Ich bin nun mal in Düsseldorf geboren und lebe immer noch da, also bleibe ich auch der Fortuna treu. Aber Liverpool war seit meiner Kindheit der Klub meines Herzens.

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SPORT1: Wann war das?

Campino: Als ich zehn Jahre alt war. Da haben die Reds im UEFA-Pokal gegen Borussia Mönchengladbach gespielt und den Cup gewonnen. Von da an war es um mich geschehen. Aber eines möchte ich feststellen: Fortuna und Liverpool, das funktioniert für mich beides gleichzeitig. Das sind zwei Vereine, die nie gegeneinander gespielt haben und in absehbarer Zeit auch nicht gegeneinander spielen werden.

SPORT1: Wann haben Sie das erste Spiel an der Anfield Road gesehen?

Campino: Den FC Liverpool habe ich Mitte der 70er Jahre das erste Mal live erlebt, im alten Rheinstadion in Düsseldorf gegen Gladbach. An der Anfield Road war ich zum ersten Mal Anfang der Achtziger.

SPORT1: Ihre Familie kommt aus England. Ihre Mutter und zwei Geschwister stammen aus Burnley, andere Verwandte kommen aus Wolverhampton. Warum haben Sie nie in England leben wollen?

Campino: Das stimmt so nicht. Ich hatte immer eine große Sehnsucht nach England und hätte auch gerne dort gewohnt, aber die Lebensumstände haben mich immer in Düsseldorf gehalten. Als wir dann die Band gegründet hatten, war es klar, dass ich bei den Jungs bleiben würde.

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SPORT1: Wie war es, als Sie bemerkt haben, dass in Ihrem Herzen zwei Vereine wohnen?

Campino: Wie gesagt, das ist kein Problem für mich. Ich wurde mit 13 Jahren Punk, und die Punks waren den Fußballfans zu dieser Zeit ein Dorn im Auge. Deshalb haben sie uns oft gejagt, und wir mussten die Beine in die Hand nehmen. Von daher konnte ich dem deutschen Fußball nicht viel abgewinnen. Das hat sich alles erst ein paar Jahre später normalisiert.

SPORT1: Wie bewerten Sie die ersten sieben Monate von Jürgen Klopp bei den Reds?

Campino: Ich glaube, dass sich die Stimmung im Verein seit seiner Ankunft völlig gedreht hat. Man hat endlich wieder das Gefühl, dass alles möglich ist. Er hat den Achterbahnfußball zurück an die Anfield Road gebracht. Es ist ein großes Vertrauen da, dass es mit Jürgen Klopp auch langfristig nach oben geht.

SPORT1: Und der Titel wäre die Krönung?

Campino: Es wäre auf jeden Fall ein fantastischer Erfolg, gemessen an der kurzen Zeit, die er da ist. Aber wenn es gegen Sevilla nicht reichen sollte, wird das Vertrauen in Klopp ungebrochen sein. Alle sind gespannt, wie es in der nächsten Saison laufen wird, wenn er seine eigene Mannschaft zusammenstellen kann.

SPORT1: Wie sehen Sie die Aussichten gegen die Spanier?

Campino: Beide Vereine sind in einer ähnlichen Position, haben nur noch diese Chance, an der Champions League teilzunehmen. Da muss man keinen Spieler besonders motivieren, um alles zu geben. Es ist eine 50:50-Angelegenheit. Liverpool braucht einen Tag in Topform, dann kann das Team jeden schlagen - auch Sevilla.

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SPORT1: Es gibt das Hosen-Lied "Auswärtsspiel". Haben Sie darüber nachgedacht, einen Song über Klopp zu schreiben, sollte er den Titel holen?

Campino: Liedtexte fallen einem nicht auf Bestellung ein. Sie kommen oder sie kommen nicht, das kann man nicht planen. Im Übrigen gibt es von uns schon ein Lied über die Reds, das heißt "Long Way from Liverpool" und ist auf einem englischen Album von uns erschienen.

SPORT1: Soll Jürgen Klopp irgendwann die Fortuna trainieren?

Campino: Entschuldigung, ich denke tatsächlich nur an die nähere Zukunft, und da wünsche ich mir, dass er recht lange in Liverpool bleibt und dass wir mit ihm gerade am zarten Anfang einer ganz langen Geschichte stehen. Alles, was danach kommt, wird sich zeigen. Ich will einfach nur, dass Liverpool wieder in alte Gewässer kommt und Fortuna sich wenigstens wieder so stabilisiert, um irgendwann noch mal die erste Liga in Angriff zu nehmen.

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