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Liverpool v Sevilla - UEFA Europa League Final
Unai Emery gelingt, was noch keinem gelang © Getty Images

Unai Emery stellt mit dem FC Sevilla einen neuen Rekord auf und stellt zahlreiche Trainer-Legenden in den Schatten. Die Top-Klubs zeigen Interesse, der Coach winkt ab.

Der FC Sevilla hat mit seinem dritten Triumph in Folge in der UEFA Europa League Geschichte geschrieben - und damit seinen Trainer Unai Emery zum Rekordmann gemacht.

Nie zuvor konnte ein Trainer in drei aufeinanderfolgenden Jahren einen internationalen Titel feiern. Nicht in der Europa League, nicht in der Champions League und in keinem der Vorgängerwettbewerbe.

Die bisherige Bestmarke lag bei zwei Titeln nacheinander - unter anderem gehalten Dettmar Cramer mit dem FC Bayern (Landesmeister 1975 und 1976) und Arrigo Sacchi (1989 und 1990 mit dem AC Milan).

Emery als akribischer Arbeiter

Übertroffen wird sie nun von einem noch jungen Coach - Emery ist erst 44 -, der als Spieler nur Zweitliga-Niveau erreichte. Als Trainer aber hat Emery sich als erfolgreicher Akribiker entpuppt.

Seine exzessiven Gegneranalysen sind bei den Spielern berüchtigt. "Er hat uns so viele Videos gezeigt, dass mir das Popcorn ausgegangen ist", verriet sein früherer Spieler Joaquin. Auch der ähnlich detailversessene Pep Guardiola schätzt Emery: Zu Barca-Zeiten gehörte er zum erlauchten Kreis der Trainer, mit denen Guardiola nach dem Spiel ein Glas Wein trank.

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Taktik-Rochaden überfordern Klopps Team

Emerys taktische Umstellungen zur Halbzeit überforderten Jürgen Klopps Mannschaft komplett. Auch seine Entscheidung, während der Saison die Positionen von Rechtsverteidiger Coke und Rechtsaußen Mariano getauscht zu haben, zahlte sich gegen Liverpool voll aus: "Gott sei Dank höre ich nicht darauf, was außerhalb des Vereins erzählt wird, sonst hätte ich das vermutlich nicht gemacht", sagte Emery.

Im Moment des größten Triumphs hatte er nach dem 3:1 gegen den FC Liverpool auch Gedanken für einen stark kritisierten Gegner. "Alberto Moreno spielt eine großartige Saison für Liverpool", sagte er über seinen ehemaligen Spieler, der 2014 nach England gewechselt war. "Ich sehe das Glas immer halbvoll, denn er hat großartige Offensive Fähigkeiten und ich sehe ihn eher als guten Offensiv- denn als schlechten Defensivspieler." Moreno war von englischen Experten wegen seiner Rolle bei den Gegentreffern gerügt worden.

In Spanien nicht unter den Top 4

Bemerkenswert: Bei drei Teilnahmen an der UEFA Europa League mit Sevilla verlor Emery nur fünf von insgesamt 41 Partien, allein drei davon im ersten Jahr.

Zwar gelang ihm seit seinem Amtsantritt im Januar 2013 nie ein Platz unter den ersten Vier der Primera Division, dank der Regeländerung der UEFA im Jahr 2015 bringt ihm der Titel der Europa League nun zum zweiten Mal die Teilnahme an der Champions League.

Emerys Bilanz stößt bei zahlreichen Topklubs auf großes Interesse. Im vergangenen Sommer wollten ihn offenbar West Ham United und der SSC Neapel. Aktuell stehen laut Times Gespräche mit dem FC Everton an.

Der Spanier verlängerte jedoch um ein Jahr bis 2017 und denkt nicht an einen vorzeitigen Abschied: "Ich bin hier bei dem Klub sehr glücklich. So lange Sevilla mich will, bereite ich mich auf die Zukunft vor."

Auch Manager Monchi ein Erfolgsgarant

Besonders beeindruckend: In jeder der bislang drei kompletten Saisons Emery verlor Sevilla seine besten Spieler, unter anderem Alvaro Negredo, Jesus Navas, Ivan Rakitic oder auch Carlos Bacca. Jedesmal gelang es jedoch, wieder eine neue titelfähige Truppe zusammenzustellen.

Entscheidend dafür ist auch Ramon Rodriguez Verdejo, genannt Monchi, Sevillas ehemaliger Torhüter, der seit 16 Jahren als Sportdirektor für die Kaderplanung zuständig ist. Allein in den vergangenen drei Jahren erwirtschafteten Emery und Monchi ein Transferplus von rund 98 Millionen Euro.

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