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SPORT1-Kommentator Markus Höhner war in den Viertelfinal- und Halbfinalpartien von Jürgen Klopp und dem FC Liverpool live dabei

SPORT1-Kommentator Markus Höhner beschreibt den emotionalen Weg bis ins Finale der UEFA Europa League. Seine Wünsche waren andere, jetzt setzt er auf Klopp.

"14 Spiele bis Basel!" Das war das formulierte Motto vor unserem ersten Livespiel der UEFA Europa League im September letzten Jahres, als wir das Schalker Gastspiel auf Zypern in Nikosia übertrugen. Welche Geschichte würde uns die Premieren-Saison als Rechteinhaber schreiben?

Einen ersten deutschen Titel seit 1997? Neue Schalker Eurofighter 19 Jahre nach dem UEFA-Cup-Sieg in Mailand? Oder doch schwarz-gelben Jubel des Favoriten BVB, 19 Jahre nach dem Gewinn der Champions League? Heute wissen wir, dass beides nicht passierte. Das deutsche Märchen schreibt ein anderer.

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Die Choreo war klasse: "Das Album vollenden - ihr habt's in den Händen!", hieß es vor dem Dortmunder Heimspiel gegen Porto und wurde für Fans, Spieler und auch für uns als übertragendem Sender zum inspirierenden Gedanken, dass die Zeit reif ist und alles zusammenpasst für die Dortmunder.

Es war sozusagen klar, dass der BVB nach dem Gewinn des Pokalsieger-Cups und dem der Champions League den einzig noch fehlenden Europacup gewinnen und damit das Album komplettieren würde.

Doch dann entwickelte sich die wahre Geschichte dieser Europa-League-Saison, deren Dynamik und Dramaturgie "14 Spiele vor Basel" keiner in der Planung hatte.

Das Drama heißt Klopp.

Plötzlich landet er beim FC Liverpool. Und plötzlich stand er wieder vor uns. Jürgen Klopp vor mir, Markus Höhner. In Augsburg. Mit seinem Lächeln, Lachen und seinen kabarettistischen Pressekonferenzen, aber jetzt als leidenschaftlicher Liverpooler. Er kegelte den FC Augsburg raus - mit Glück. Er schoss ManUnited raus - ohne Glück.

Und dann blieben für das Viertelfinale zwei letzte Lose in der Glaskugel und alle starrten drauf! Was wir dann erleben durften, war ein Stück Fußballgeschichte. "Klopp is coming home" fesselte Medien und Fans über Wochen. Ein Unentschieden später ahnte keiner, welch unfassbares Rückspiel sich am 14. April in Anfield zutragen würde.

SPORT1 erlebte an diesem Abend seine historisch höchste Einschaltquote mit 6,29 Millionen Zuschauern im Schnitt. Am Ende wurden es immer mehr, fast acht Millionen sahen das finale Drama.

Dortmund spielte spitze. 2:0 vorne, dann 3:1 vorne - das Ding war doch gegessen! Und dann dieser Fußball-Orkan, der innerhalb von 25 Minuten alle Dortmunder Träume platzen ließ und Klopp in Liverpool zum Helden machte.

"Geht raus und spielt eine zweite Hälfte, von denen ihr Euren Kindern und Enkelkindern noch erzählen werdet!" So hat er es Ihnen gesagt. Und die haben es einfach so gemacht. Fußball pur. Ein atmosphärischer Hammer. Und Du sitzt mittendrin und kommentierst es.

Ja, Jürgen, auch ich werde meinen Kindern und Enkelkindern noch von eurem Spiel erzählen. Trotzdem traurig, dass Du Dortmund rausgeschmissen hast.

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Aber Klopp ist uns geblieben. Er und Liverpool, das passt und macht Spaß! Und deshalb ist am Mittwoch auch Daumen drücken erlaubt, dass der beliebteste deutsche Fußballtrainer nach Villarreal auch Sevilla besiegt und seine tolle, emotionale Saison mit dem Gewinn der UEFA Europa League krönt.

Ich bin mir sicher, es wird ein tolles, leidenschaftliches Finale. Und danach freuen wir uns auf neue Dramen und Geschichten in der nächsten Europa-League-Saison. Vielleicht ja dann mit Schalke im Finale.

Es wären "14 Spiele bis Stockholm!"

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