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München - Mitchell Weiser fiel beim FC Bayern durch den Rost. Der vermeintliche Abstieg zu Hertha BSC entpuppt sich als goldrichtig - für alle Seiten.

Wer Mitchell Weiser googelt, bekommt als ersten Vorschlag sein Instagram-Profil empfohlen.

Dort präsentiert sich der Außenbahnspieler, der am Abend mit Hertha BSC im Rückspiel der dritten Runde der UEFA-Europa-League-Qualifikation bei  Bröndby IF (ab 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVETICKER) im Einsatz ist, in ausgefallener Kleidung und bewegt sich laut seinen Fans modetechnisch auf "Spitzenniveau".

Auf dem Platz ist er auf einem guten Weg, sich diesem auch auf sportlicher Ebene anzunähern. Nachdem er nach seinem Wechsel in die Hauptstadt zum Bundesliga-Stammspieler gereift ist, dürfte er sich bei weiter konstanter Leistung bald im Notizbuch von Bundestrainer Joachim Löw wiederfinden.

Aprilscherz als Tiefpunkt in München

Vor ein paar Jahren war dem 22-Jährigen diese Perspektive nicht unbedingt zuzutrauen. 2012 war er mit großen Hoffnungen vom 1. FC Köln zu Bayern München gewechselt, wo er lange nicht Fuß fasste, zwischendurch nach Kaiserslautern ausgeliehen wurde.

Den 1. April 2014 kann man als Tiefpunkt seiner Jahre in der bayerischen Landeshauptstadt sehen. Die Bayern haben das Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Manchester United vor der Brust, als Kollegen ihm eine SMS senden.

Pep Guardiola habe ihn nachnominiert, er solle umgehend zum Münchener Flughafen kommen. Weiser, bis dato noch ohne einen einzigen Bundesliga-Einsatz beim Rekordmeister, fällt auf den Aprilscherz rein und fährt zum Franz-Josef-Strauß-Flughafen, wo kein Ticket auf ihn wartet. Vielleicht ein Zeugnis jugendlicher Naivität, vielleicht aber auch ein Zeichen von Selbstüberschätzung.

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Entwicklung unter Guardiola

Zum Ende der darauffolgenden Saison läuft der Vertrag des Rechtsverteidigers aus, ein Abschied gilt als beschlossene Sache. Doch im Winter-Trainingslager in Doha dreht das Talent plötzlich auf.

Und gefällt den Verantwortlichen so gut, dass sich sogar der kritischste aller Bayern-Funktionäre zu einem Lob hinreißen lässt. Matthias Sammer berichtet: "Wir erkennen seit einem halben Jahr eine Wandlung bei ihm. Mitchell trainiert extrem gut und arbeitet an sich. Es hat bei ihm Klick gemacht."

Die Belohnung sind zwölf Partien in der Rückrunde, sechs Mal in Folge steht er in der Startelf. Zum Saisonende ist man sich in München unsicher, ob der deutsche Junioren-Nationalspieler nicht doch bleiben soll. Schließlich entscheidet man sich gegen eine Vertragsverlängerung, der Wechsel nach Berlin folgt.

Weiser könnte von seiner Position profitieren

Bei der alten Dame spielt er sich auf Anhieb in die Stammformation, aus der er nicht mehr wegzudenken ist. Trainer Pal Dardai schätzt die Offensivqualitäten seines Schützlings: "Seine Fähigkeit, den vorletzten und letzten Pass auf der rechten Seite zu spielen, hilft uns enorm."

Diese Qualität soll der Hertha jetzt auch international zu Gute kommen. Nach dem 1:0-Erfolg im Hinspiel gegen Bröndby hätten die Berliner so ein Faustpfand für den Einzug in die Playoffs zur Gruppenphase.  

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