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Mandy Islacker ist nach dem EM-Aus der deutschen Frauen bitter enttäuscht
Mandy Islacker ist nach dem EM-Aus der deutschen Frauen bitter enttäuscht © Getty Images

München - Für die deutschen Frauen ist der Traum vom erneuten EM-Titel geplatzt. Das DFB-Team kassiert im Viertelfinale eine überraschende Niederlage gegen Dänemark.

Als die Spielerinnen fassungslos zu Boden sanken und die Tränen kullerten, stapfte Steffi Jones mit düsterer Miene über den Platz - die krachend gescheiterte Mission Titelverteidigung hinterließ vor allem bei der Bundestrainerin tiefe Spuren.

Die erschreckend schwache Vorstellung der deutschen Fußballerinnen beim 1:2 (1:0) im EM-Viertelfinale gegen Dänemark nährt die Zweifel an der Trainer-Novizin, deren Berufung bereits viel Kritik hervorgerufen hatte.

"Natürlich hinterfrage ich jetzt meine Entscheidungen. Wir werden die EM analysieren, dann werden wir sehen, ob es vom System her passte, ob wir anders entscheiden hätten müssen", gestand Jones bereits wenige Minuten nach dem Abpfiff ein: "Die Enttäuschung ist sehr groß. Man fragt sich, was schiefgelaufen ist und was wir nach den Gruppenspielen nicht verstanden haben."

Beeindruckende Serie reißt

Durch die Pleite in dem mit über 15-stündiger Verspätung angepfiffenem Spiel verpasste der Olympiasieger nach zuletzt sechs EM-Triumphen in Serie zum ersten Mal seit 1987 den Einzug in eine EM-Vorschlussrunde.

"Es soll keine Ausrede sein", sagte Torhüterin Almuth Schult nach den bitteren 90 Minuten im ZDF. "Aber wenn man immer um 20.45 Uhr gespielt hat und diesen Rhythmus hat, dass man um 2 Uhr ins Bett geht und bis 10 Uhr schläft - und dann hier um 11 Uhr raus muss, dann ist das eine ziemliche Katastrophe."

Dabei erwischten die Deutschen einen Blitz-Start. Doch nach dem frühen Treffer per Distanzschuss von Isabel Kerschowski (3.), bei dem die ungeschickte dänische Keeperin Stina Petersen kräftig mithalf, glich erst Nadia Nadim (49.) per Kopf aus.

Theresa Nielsen (83.) machte ebenfalls per Kopf das deutsche Debakel perfekt. Dänemark trifft in seinem sechsten EM-Halbfinale am Donnerstag in Breda auf den Sieger des Duells zwischen Österreich und Spanien am Sonntagabend (18 Uhr).

Islacker bleibt torlos

Am Samstag war das deutsche Spiel um 21.55 Uhr, 70 Minuten nach dem geplanten Anstoß, abgesagt und verlegt worden. Dauerregen hatte für denkwürdige Szenen im Sparta Stadion gesorgt: Die Trainerbänke standen unter Wasser und Jones half selbst in der Eimer-Kette mit, um ihren Arbeitsplatz trocken zu legen.

Jones blieb am Sonntag ihrer Aufstellung vom Vorabend treu. Vorne stürmte Linda Dallmann anstelle der glücklosen Mandy Islacker neben Anja Mittag. Links in der defensiven Viererkette setzte Jones auf Geschwindigkeit und gab Kerschowski den Vorzug vor Carolin Simon.

Und die Wolfsburgerin brachte das deutsche Team gleich mit dem ersten Torschuss in Führung. Dänemark glich beinahe postwendend aus, doch nach einem Konter setzte Kapitänin Pernille Harder (6.) den Ball aus spitzem Winkel knapp am langen Pfosten vorbei.

Marozsan und Kerschowski pennen

Offensiv war die DFB-Auswahl vor 5251 Zuschauern anfangs spielbestimmend und zeigte teils schöne Ballstafetten, lud den Gegner mit Fehlpässen aber immer wieder zu gefährlichen Gegenstößen ein. So musste Torhüterin Almuth Schult gegen Katrine Veje (38.) eingreifen.

Nach dem Seitenwechsel drehte Dänemark auf und ließ den großen Favoriten immer wieder alt aussehen. Beim Ausgleich pennten Dzsenifer Marozsan und Kerschowski, als sie auf einen Freistoßpfiff der Schiedsrichterin warteten, diese aber Vorteil laufen ließ.

Anschließend traf Veje aus kurzer Distanz vor dem leeren Tor die Latte (57.), Schult klärte in höchster Not gegen ihre Klubkollegin Harder im Eins-gegen-Eins (58.). Die DFB-Frauen verloren komplett den Faden und kamen nur noch selten zu konstruktiven Angriffen.

Die immer größer werdenden Lücken in der Abwehr bestrafte Nielsen. Die Schlussoffensive des Olympiasiegers verlief plan- und erfolglos.

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