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Berlin - Ein deutscher Champions-League-Triumph in Berlin: Die Frauen machen es besser als Bayern. Der 1. FFC Frankfurt feiert den Sieg gegen Paris ausgelassen.

Vergleiche zwischen Männer- und Frauenfußball hinken zwangsläufig.

Aber ab und zu ist der Seitenblick zum großen Vorbild dann doch erlaubt, und in der Nacht zu Freitag oblag es dem hessischen Innenminister Peter Beuth, den Brückenschlag von Berlin anzustellen. "Damit ist die Fußball-Ehre Deutschlands wieder hergestellt", entfuhr es dem Politiker, nachdem die Frauen des 1. FFC Frankfurt das geschafft hatten, was den Männern des FC Bayern in der deutschen Hauptstadt verwehrt bleibt: mit dem Henkelpott eine rauschende Siegerparty zu feiern.

Durch einen dramatischen 2:1 (1:1)-Erfolg im Finale der Women's Champions League gegen die generös alimentierten Fußballerinnen von Paris Saint Germain setzte sich der kleine Verein aus dem Frankfurter Stadtteil Rödelheim zum vierten Male nach 2002, 2006 und 2008 die Krone im europäischen Frauenfußball auf.

Islacker sorgt für den Titel

Zum neunten Mal seit 2002 gewann damit ein deutsches Team. "Der schönste Moment meiner Karriere", flötete die eingewechselte Mandy Islacker, die in der zweiten Minute der Nachspielzeit die Kugel gekonnt ins Tor hob.

"Ich habe gehofft, gebangt und gebetet, dass der Ball reingeht", beschrieb Nationalstürmerin und Zimmerkollegin Celia Sasic den entscheidenden Moment. Die 26-Jährige, die ihren Vertrag beim 1. FFC gekündigt hat, hatte zuvor das 1:0 erzielt (32.), das Marie Larie Delie egalisierte (40.).

Seit 2009 firmiert der Wettbewerb offiziell als Women's Champions League, und es mag tatsächlich in den K.-o.-Runden teilweise noch sehr provinziell zugehen – im Finale erfüllte zumindest der Bundesliga-Dritte den professionellen Anspruch.

Gauchotanz, die Zweite

"Erlösung, Freunde, Wahnsinn – eine bessere Geschichte konnten wir nicht schreiben", berichtete Kerstin Garefrekes mit großen Augen. Die halbtags bei der Frankfurter Stadtkämmerei arbeitende Mannschaftsführerin ist mit ihren 35 Jahren die ideale Zeitzeugin für die fortschreitende Entwicklung im weiblichen Segment.

Notfalls auch auf "einem Ascheplatz in Wanne-Eickel" hätte sie dieses Endspiel ausgetragen, um dessen Austragungsort im zugigen Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark unweit des Mauerparks es erbitterte Debatten gegeben hatte. Doch das war den Heldinnen hinterher ziemlich egal.

Als kurz vor Mitternacht der Mannschaftsbus vor dem Park-Inn-Hotel am Alexanderplatz parkte und die gestylten Spielerinnen die Treppe zum angemieteten Feiersaal nahmen, ahmten sie jenen Gaucho-Tanz, den die Weltmeister am Brandenburger Tor vor einem Millionenpublikum aufgeführt hatten, nach. "So gehen die Pariser - so gehen die Frankfurter", schallte es durch die Flure.

Babypause für Alushi

Grundsatzdebatten dürfte es darum nicht geben, denn dafür hatte sich das international besetzte Starensemble aus Paris viel zu unterwürfig gezeigt. "Glückwunsch an Frankfurt. Wir waren viel zu ängstlich", meinte die deutsche Nationalspielerin Annike Krahn, die wohl genauso wie die bitter enttäuschte Fatmire Alushi ihr letztes Spiel im PSG-Jersey bestritt.

Alushi wird auch nicht mit zur WM fahren, die 27-Jährige ist schwanger und legt eine Babypause ein, wie sie am Freitag bekannt gab.

Außenbandzerrung bei Laudehr

Auf Siegerseite wurde es später rührig, ja sogar pathetisch. Trainer Colin Bell schossen noch bei der Siegerehrung Tränen der Rührung in die Augen. "Wir haben Paris nicht nur geschlagen - wir haben sie beherrscht", meinte der 53-Jährige. 

Und Spielerinnen wie die in der Schlussphase verletzt ausgeschiedene Simone Laudehr bekam von Bundeskanzlerin Angela Merkel einige nette Worte ins Ohr geflüstert. Die Nationalspielerin erlitt eine Außenbandzerrung im Knie und trug bei der Feier eine große Kniemanschette, aber die WM in Kanada dürfte nicht in Gefahr sein. 

Für Manager Siegfried Dietrich, der mit großen Fleiß den Klub einst zum nationalen und internationalen Trendsetter formte, ehe diese Vormachtstellung in den vergangenen Jahren verloren ging, war Merkel gar ein "wichtiger Glücksbringer". Dietrich: "Sie hat 2006 bei uns am Bornheimer Hang gegen Turbine Potsdam ihr erstes Vereinsspiel im Frauenfußball angeschaut." 

"Großes Ausrufezeichen"

"Es war so etwas wie die letzte Chance, uns für die Zukunft zu positionieren. Das war ein ganz großes Ausrufezeichen", erklärte Dietrich, wohl wissend, dass die Konkurrenz durch namhafte Männer-Vereine, die die Frauen-Abteilung als zweite wichtige Marke unterstützen, beinahe übermächtig geworden ist.

National der VfL Wolfsburg oder Meister FC Bayern verfügen strukturell über bessere Möglichkeiten, international sind Klub wie Paris oder Olympique Lyon auch vom Etat weit voraus. Und doch bot der FFC die Stirn.

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