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Ottawa - Nach dem Remis gegen Norwegen rätseln die deutschen Fußballerinnen über die zweite Halbzeit - bereiten sich aber schon optimistisch auf die nächsten Aufgaben vor.

Für ausschweifende Statements hatte Nadine Angerer keine Zeit.

Den Interview-Marathon nach dem 1:1 gegen Norwegen erledigte die Nationaltorhüterin im Lansdowne Stadium von Ottawa am Donnerstag im Eiltempo. Und entschuldigte sich damit, sie müsse ja noch Koffer packen und wisse halt nicht, ob alles noch reinpasst. Das kommt davon, wenn man in den Shoppingmalls der Hauptstadt zu viel Einkaufen geht.

Am Freitagmorgen war die Weiterreise der deutschen Frauen-Nationalmannschaft angesetzt - das etwas dunkle und muffige Schlosshotel an Ottawas Parliament Hill wird gegen ein moderneres, zweckmäßiges Stadthotel an der Mary Avenue in Winnipeg eingetauscht (DATENCENTER: Ergebnisse und Spielplan).

Vier Nächte in Winnipeg

Insgesamt vier Nächte verbringen die Spielerinnen hier - und dann kommen sie nach dem letzten WM-Gruppenspiel gegen Thailand (Mo., 22 Uhr im LIVETICKER) mit 99-prozentiger Sicherheit nach Ottawa zurück.

Denn der Gruppenerste und -zweite bestreitet genau dort sein Achtelfinale, wo die Neuauflage des EM-Endspiels von 2013 stattfand. Mit eigentlich nicht ganz befriedigendem Ausgang für den Europameister (DATENCENTER: Tabelle).

"Ich fand uns trotzdem irgendwie besser", sagte Bundestrainerin Silvia Neid, die eine "grandiose erste Halbzeit" gesehen hatte. Tatsächlich spielte ihre taktisch hervorragend eingespielte Elf den hoch gehandelten Dauerrivalen an die Wand, presste früh, drückte aufs Tempo, offenbarte tolle Tricks. "Das war keine Angeberei, das war die absolute Spielfreude", erklärte Neid. Doch was passierte dann nach der Pause? "Wir haben den guten Faden verloren, wir haben nicht mehr so gut gearbeitet."

Aufgeheizter Rasen

Der Kräfteverschleiß auf dem aufgeheizten Kunstrasen sei letztlich unübersehbar gewesen. "Es ist wahnsinnig heiß. Da drunten am Boden hat es immer zehn Grad mehr", meinte die 51-Jährige. Aber kein Grund zur Sorge: Laut der spätestens 2016 ausscheidenden Trainerin könne das Team vom Grundsatz her solch einen Powerstil über 90 Minuten bieten. "Man kann das schaffen, wenn man mental stark bleibt. Es wäre schade, wenn wir das nicht durchhalten könnten", so die 51-Jährige.

Torhüterin Angerer urteilte ähnlich wie ihre Trainerin: "Erste Halbzeit haben wir fantastischen Fußball gespielt, da wusste Norwegen gar nicht, wo hinten und vorne ist. Zweite Halbzeit haben wir aus unerklärlichen Gründen einen Gang zurückgeschaltet."

"Das wäre verschwendete Energie"

Heraus kam ein Remis, mit dem auch die Meinungsmacherin unter der Latte leben konnte. Und erst recht wollte sich die 36-Jährige nicht über jenen kunstvollen Freistoß grämen, den ihr Maren Mjelde zum 1:1 (61.) genau ins Kreuzeck gezirkelt hatte. "Ich dachte nur: nicht schlecht. Da noch zu springen, wäre verschwendete Energie gewesen."

Nach diesem Wirkungstreffer hatte das Neid-Team nur noch ganz wenig zu bieten. Anders als im ersten Spielabschnitt agierte gerade die Offensive viel zu unpräzise. Die zur Spielerin des Spiels gewählte Dzsenifer Marozsan und die später ausgewechselte Torschützin Anja Mittag, die zum 1:0 getroffen hatte (6.), Alexandra Popp oder auch die glücklose Celia Sasic hatten den Zugriff zu dieser Begegnung irgendwie verloren - da halfen auch die Deutschland-Sprechchöre einer kleinen Fangruppe nicht.

"Wir waren zu unruhig, wir hätten viele Situationen besser lösen müssen", räumte Dauerläuferin Simone Laudehr ein. Doch grundsätzlicher Korrekturbedarf besteht nach Ansicht der Protagonisten nicht. "Die erste Halbzeit hat doch richtig Spaß gemacht", meinte die Frankfurter Filigrantechnikerin Marozsan. "Wenn wir das bei diesem Turnier so durchziehen, dann werden wir erfolgreich sein."

Thailand hat riesigen Respekt

Gegen den asiatischen Turnier-Neuling Thailand, im Anschluss an das deutsche Spiel gegen die Elfenbeinküste mit einer leidenschaftlichen, aber limitierten Leistung glücklich 3:2 siegreich, würde auch ein Auftritt mit angezogener Handbremse reichen.

Thailands Trainerin Nuengrutai Srathongvian hat jedenfalls kaum Hoffnungen, ein Stoppschild im Winnipeg-Stadium gegen die Frauenfußball-Großmacht Germany aufstellen zu können. "Wir sind schon glücklich, auf eines der besten Teams der Welt zu treffen. Ich kann nur versprechen, dass wir unser Bestes geben werden." Es wird, das steht im Grunde fest, nicht reichen, um die deutschen Fußballerinnen in Kanada aufzuhalten.

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