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Die DFB-Frauen gehen mit Selbstvertrauen ins Duell mit Norwegen
Die DFB-Frauen gehen mit Selbstvertrauen ins Duell mit Norwegen © Getty Images

Ottawa - Nach dem Kantersieg über die Elfenbeinküste zum WM-Auftakt freuen sich die deutschen Frauen auf eine echte Herausforderung in der Neuauflage des EM-Finals von 2013.

Täuschte der Eindruck oder sah Anja Mittag wirklich erschöpft aus, als die "Spielerin des Spiels" ihre Auszeichnung im Lansdowne Stadium entgegennahm? Tatsächlich hatte die bald für Paris St. Germain spielende Angreiferin der deutschen Frauen-Nationalmannschaft die Stutzen heruntergerollt und am Schienbein prangte eine blutige Wunde.

Selbst ein 10:0 (5:0)-Kantersieg gegen die Elfenbeinküste - zumal an einem schwülwarmen Nachmittag auf einem knochentrockenen Kunstrasenplatz errungen - kann Spuren hinterlassen.

"Es war schön, dass wir so viele Tore gemacht haben", erklärte die 30-Jährige, "das war cool, das hat Spaß gemacht." Und scherzhaft fügte sie an: "Silvia Neid hat nicht gesagt, dass wir 15 Tore schießen sollen." Ein zweistelliges Resultat ist ja mehr als genug.

Neid hat "nichts zu meckern"

Bei der DFB-Auswahl herrschte also weitgehend Sonnenschein nach dem arg einseitigen WM-Auftakt in Ottawa. Das Scheibenschießen gegen den in jeder Hinsicht überforderten afrikanischen WM-Novizen war also das, was Bundestrainerin Silvia Neid als "perfekten Start" belobigte. "Es gibt nichts zu meckern."

Germany v Cote d'Ivoire: Group B - FIFA Women's World Cup 2015
Silvia Neid ist seit Juli 2005 Bundestrainerin © Getty Images

Nur die vielen Blessuren ihrer Spielerinnen störten die 51-Jährige, zumal sich der Gegner gleich 29 Fouls leistete und sechs Gelbe Karten kassierte. "Es gibt bei uns viele Risswunden und blaue Flecken. Jetzt müssen wir gut regenerieren."

Nicht ein Mal habe sie daran gedacht, versicherte Neid hinterher lächelnd, ein furioses 11:0 gegen Argentinien von der WM 2007 zu überbieten. Es ist bis heute der höchste Sieg bei einer Frauen-WM. Doch das stand angeblich nicht auf der Agenda, obwohl sich weitere Chancen in Hülle und Fülle boten.

Chancenlose Elfenbeinküste

"Ich habe die Elfenbeinküste in der Spielbeobachtung viel besser gehen, ich hätte nicht gedacht, dass wir so hoch gewinnen", sagte Neid, "wir haben sie mürbe und müde gespielt, und dann hatten sie nicht mehr so viel Lust."

Und letztlich fehlte den Westafrikanerinnen ungeachtet aller Lobeshymen auf ihre Robustheit auch die Kraft und Konstitution, um Paroli zu bieten.

Nach den Dreierpacks der zur Schonung zur Pause ausgewechselten Celia Sasic (3., 14. und 31.) und der zur Spielerin des Spiels gewählten Anja Mittag (29., 35. und 64.) sowie weiteren Treffern von Simone Laudehr (71.), Sara Däbritz (75.), Melanie Behringer (79.) und Alexandra Popp (85.) konnte die ivorische Nationaltrainerin Clementine Touré nur ein ernüchterndes Fazit ziehen: "Wir haben Erfahrung gesammelt, wir müssen das Negative vergessen."

Krahn versucht sich als Medizinerin

Bezeichnend, wie Deutschlands kaum geforderte Abwehrchefin Annike Krahn die von Wadenkrämpfen geschüttelte ivorische Einwechselspielerin Ines Nrehy mit Schlusspfiff behandelte. Die Szene des Spiels, die viel über die einseitige Angelegenheit unweit des Rideau-Kanals aussagte.

Welches Bild aber gibt ein Turnier ab, wenn an einem Tag in der kanadischen Kapitale solch zwei ungleiche Partien - zuvor hielt Norwegen den ebenfalls überforderten WM-Debütanten Thailand mit 4:0 in Schach - stattfinden? Diese Debatte wollte bei der deutschen Delegation niemand wirklich führen.

"Wenn sie sich qualifizieren, haben sie schon es irgendwie verdient", versicherte Dauerläuferin Simone Laudehr diplomatisch.

Showdown gegen Norwegen

Doch irgendwie sind auch alle glücklich, dass nun in Ottawa das um den Gruppensieg entscheidende Duell gegen Norwegen am Donnerstag ansteht. "Sie sind mit allen Wassern gewaschen, sehr zweikampf- und kopfballstark", sagte Neid, "und da werden wir nicht so leicht in die freien Räume kommen. Daher brauchen wir unsere Spielfreude."

Mit der Neuauflage des EM-Finals von 2013 - damals gewann Deutschland gegen die Skandinavierinnen mit 1:0 - wartet der erste Prüfstein auf die DFB-Auswahl.

Vor allem die erst 19-jährige Ada Hegerberg und die sieben Jahre ältere Isabell Herlovsen - Tochter des ehemaligen Bundesliga-Profis Kai Erik Herlovsen - verkörpern an guten Tagen in der Offensive Weltklasse.

Aber dafür steht der Weltranglistenerste ja auch, weshalb EM-Heldin Nadine Angerer einfach glaubt: "Das wird ein 50:50-Spiel." Denn dies wollte die Meinungsmacherin unter der Latte noch loswerden: "Niemand ist so blauäugig, dass wir das erste WM-Spiel hier überbewerten."

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