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Edmonton - Der deutschen Frauen-Nationalmannschaft bleibt ein Happy End bei der WM versagt. Bundestrainer Silvia Neid schiebt ihren Kritikern aus Deutschland den Schwarzen Peter zu.

Wie begossene Pudel schlichen die deutschen Fußballerinnen nach dem mit 0:1 nach Verlängerung verlorenen kleinen Finale aus den Katakomben im Commonwealth Stadium von Edmonton, um zum abfahrbereiten Bus zu gelangen.

Nicht mal für Bronze war diese Generation gut genug. Aber Torhüterin Nadine Angerer hatte doch gerade das 146. und letzte Länderspiel bestritten, weshalb sie sich eilig bemühte, das Positive herauszustellen. "Natürlich ist der Abschluss traurig, aber das ganze Turnier war gut. Wir haben schwere Gegner gehabt."

Angerer gab persönlich den Befehl zum Abfeiern: "Wir sind nicht blauäugig, aber wir lassen uns auch nicht alles schlecht reden."

Die Spielführerin spielte damit auf die Kritik aus der Heimat an, an dem zu unflexiblen Spielstil, an den fehlenden Taktikvarianten.

Ihrer Meinung nach fällt diese Kritik zu hart aus. "Wir sehen uns komplett kritisch. Wir werden uns nicht beweihräuchern."

"Spielerinnen in katastrophalem Zustand"

Bundestrainerin Silvia Neid hatte schon vor dem Spiel gegen England verstimmt auf die Vorwürfe aus der Frauen-Bundesliga - in erster Linie vom 1. FFC Frankfurt und VfL Wolfsburg vorgebracht - reagiert.

Auf der Pressekonferenz nach der Partie rollte sie den Ball für die Verantwortung am Abschneiden der Nationalmannschaft dann an die Vereine zurück: "Wir hatten zehn Tage Vorbereitung - das war’s. Und das war keine Vorbereitung, sondern eine Regeneration, weil die Spielerinnen in einem katastrophalen Zustand zu uns gekommen sind. Dafür können wir noch froh sein, so weit gekommen zu sein!"

Colin Bell
Colin Bell gewann mit dem 1. FFC Frankfurt die Champions League © Getty Images

Wenn Frankfurts Trainer Colin Bell und Manager Siegfried Dietrich Sorge ausdrücken, der deutsche Frauenfußball würde den Anschluss verlieren, "dann ist das berechtigt, umso mehr wundert mich, dass das während eines laufenden Turniers vorgebracht wird", führte Neid aus.

"Wir sitzen doch alle in einem Boot."

Es scheint aber gerade nicht so klar, wer am Ruder sitzt. Und wo der Kurs hingeht, wenn mit England eine Frauenfußball-Nation auf das Podium klettert, gegen die die DFB-Auswahl bislang in 20 Vergleichen noch nie verloren hatte.

Verdiente Pleite gegen USA

Und deshalb war der letzte Eindruck der deutschen Mannschaft von der WM nicht gut, und das ist schließlich der prägendste.

Niemand kann negieren, dass die Halbfinalniederlage gegen die USA (0:2)  verdient zustande kam, weil der Gegner mit mehr Überzeugung agierte.

England v Germany:  3rd Place Play-off - FIFA Women's World Cup 2015
Die deutsche Torhüterin Nadine Angerer absolvierte seit 1996 für Deutschland 146 Länderspiele © Getty Images

Und Angerer schob nun auch der nordkoreanischen Schiedsrichterin Ri Hyang Ok nicht die Schuld in die Schuhe, dass es beim Eingreifen von Tabea Kemme gegen Englands Lianne Sanderson einen Elfmeter gab, den Sara Williams verwandelte (108.).

"Müssen uns hinterfragen"

Ein Treffer, der den Europameister, der sich doch eigentlich den Trostpreis sichern wollte, tief ins Mark traf. Deshalb vergaß Alexandra Popp auch alle Konventionen, als die Fußballerin des Jahres total geknickt resümierte: "Vorne schaffen wir das verflixte Tor nicht und hinten kriegst du wieder so ein Eierding rein. Jetzt fahren wir mit einem kack-Gefühl heim."

Warum das so ist? Fehlt die individuelle Klasse in der Weltspitze, um den Unterschied auszumachen? Oder gelingt es nicht, nachgewiesene Qualitäten in der DFB-Auswahl auf den Platz, in Kanada durchgängig erschwerender Kunstrasen, zu bringen?

Die Andeutung von Führungsspielerin Annike Krahn ließ jedenfalls Interpretationsspielraum: "Es bleibt hängen, was am Ende steht. Wir haben unser großes Potenzial nicht immer so umgesetzt. Da müssen wir uns hinterfragen."

Näher wollte die 30-Jährige diese These nicht ausführen.

Rückendeckung von Niersbach

Fakt ist, dass es keine spielerischen Lösungen gab, als die Hochkaräter kamen. "Letztlich müssen wir festhalten: Je besser der Gegner, desto schwerer haben wir uns getan", gab Neid zu.

34 Torschüsse hatte ihr Ensemble im Spiel um Platz drei, aber die zwingenden Chancen waren an einer Hand abzuzählen. Die beste vergab Verteidigerin Bianca Schmidt freistehend mit dem Kopf in der 117. Minute.

"Wenn du keine Tore machst, kannst du schlecht ein Spiel gewinnen", gestand die Bundestrainerin.

Sicher ist, dass die 51-Jährige - trotz aller Kritik - noch eine Saison weitermacht.

Das Vertrauen des DFB-Präsidenten hat sie: "Mit den Erkenntnissen des Turniers und ihrer Erfahrung wird Silvia Neid die Mannschaft optimal auf Rio vorbereiten", betonte Wolfgang Niersbach.

Er zeigte sich im Großen und Ganzen mit dem Abschneiden bei der WM zufrieden: "Auch wenn es diesmal nicht für ganz oben gereicht hat, bleibt das positive Fazit, dass wir zu
den besten vier Teams der Welt zählen und uns für Olympia qualifiziert haben."

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