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Ralf Kellermann und Silvia Neid beim Ballon d'Or 2013
Ralf Kellermann (l.) relativiert seine Kritik an der Bundestrainerin © Getty Images

Wolfsburgs Trainer rudert mit seiner Kritik an der Bundestrainerin zurück. Er wolle lediglich eine Entwicklung vorantreiben. Die Aussagen seines Kollegen kritisiert er.

Eine Debatte über ihre Taktik verdirbt Bundestrainerin

Ralf Kellermann, Trainer des VfL Wolfsburg, hat sich von der scharfen Kritik seines Kollegen Colin Bell vom Champions-League-Sieger 1. FFC Frankfurt an Bundestrainerin Silvia Neid distanziert.

"Die Art und Weise der Kritik von Colin Bell geht aus meiner Sicht nicht. Ein Bundesliga-Trainer sollte sich nie öffentlich so äußern", sagte der Welttrainer dem kicker. Er distanziere sich von den Bell-Aussagen, "weil jetzt alles in einen Topf geschmissen wird".

Kellermann selbst hatte im FAZ-Interview gemahnt: "Wie wir uns im Verein technisch weiterentwickeln müssen, so muss sich auch die Nationalelf technisch weiterentwickeln, dass man sich auf engem Raum fußballerisch befreien kann."

Damit habe er nicht Neids Arbeit kritisieren, sondern anregen wollen, dass alle gemeinsam eine Entwicklung vorantreiben. Der 46-Jährige erklärte, er habe am Donnerstag mit Neid telefoniert, um das zu verdeutlichen.

Bell hatte nach dem Halbfinal-Aus gegen die USA (0:2) in mehreren Medien diverse Punkte in der deutschen Spielweise kritisiert: Zu wenig taktische Flexibilität, zu wenig (Wechsel-)Impulse von Neid, nicht erkennbare Matchpläne für die jeweiligen Gegner. Die DFB-Auswahl müsse auf internationalem Top-Niveau die Entwicklung vorgeben "und ihr nicht wie jetzt hinterherlaufen", so der gebürtige Engländer.

Neid hatte am Freitag gekontert. "Ich bin eigentlich dankbar für jede Kritik. Ich hätte es nur gut gefunden, wenn mich meine Bundesliga-Kollegen angerufen hätten. Dann hätte ich es ihnen erklärt, oder wir hätten darüber gesprochen", sagte die 51-Jährige auf der Pressekonferenz vor dem Spiel um den dritten Platz gegen England am Samstag (22.00 Uhr im LIVETICKER).

So habe sie sich mit Bayer Leverkusens Trainer Thomas Obliers in Ottawa ausgetauscht: "Wir haben uns sehr gut unterhalten. Ich denke, so muss es auch gehen, das ist der richtige Weg unter Kollegen."

Das seit langem praktizierte 4-2-3-1-System sei in sich flexibel und variabel, entgegnete sie taktischer Kritik: "Das Allerwichtigste ist, dass unsere Spielerinnen sich in diesem System sehr wohl fühlen, dass jede weiß, was sie wann zu tun hat."

Das sei wichtig für eine Nationalmannschaft, "weil man ja nicht das ganze Jahr Zeit hat, irgendwelche System einzustudieren, so wie das vielleicht in den Vereinen der Fall ist".

Sie freue sich aber darüber, "wenn die Vereine weiter gut arbeiten, unsere Spielerinnen weiter gut in Technik und Taktik ausbilden", sagte Neid: "Dann kann es ja nur positiv weitergehen."

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