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Die Frauenmannschaft von Olympique Lyon bezwingt den VfL Wolfsburg im Elfmeterschießen und gewinnt die Champions League. Bussagli verschießt den entscheidenden Elfmter.

Versteinert lagen Nationaltorhüterin Almuth Schult und ihre Mitspielerinnen vom VfL Wolfsburg auf dem Rasen, minutenlang wollte die Enttäuschung nach dem dramatisch verlorenen Champions-League-Finale gegen Olympique Lyon nicht weichen.

Mit 3:4 im Elfmeterschießen zerplatzte der Traum vom dritten Sieg nach 2013 und 2014 wie eine Seifenblase.

Gegen Lyon verschoss ausgerechnet die von den Französinnen nach Wolfsburg gewechselte Elise Bussaglia den fünften Elfmeter.

Dritter Henkelpott für Lyon

In Tränen aufgelöst verfolgte sie gemeinsam mit ihren neuen Mitspielerinnen um Alexandra Popp, die den VfL mit ihrem 1:1 (0:1) in die Verlängerung gerettet hatte, wie der Henkelpott zum dritten Mal nach 2011 und 2012 in den ohnehin schon üppig gefüllten Trophäenschrank der Lyonerinnen wanderte.

"Es tut mir für die Mannschaft Leid, dass sie sich für den tollen Kampf nicht belohnt hat", sagte VfL-Geschäftsführer Thomas Röttgermann: "Wir haben uns super verkauft. Wir werden die Tränen trocknen und die trotzdem erfolgreiche Saison gebührend feiern."

Inniger Pokalkuss

Aus deutscher Sicht hatte allein Pauline Bremer Grund zum Feiern: Mit Deutschland-Fahne und wilden Jubelsprüngen feierte die Neu-Lyonerin ihre bärenstarke Leistung mit Torvorlage und küsste innig den Pokal.

Beim entscheidenden Elfmeter hatte Saki Kumagai die chancenlose Schult überwunden, nachdem vor Bussaglia bei Wolfsburg auch Nilla Fischer Nerven gezeigt hatte.

Auf Lyoner Seite patzte beim ersten Elfmeter ausgerechnet Ada Hegerberg, die in der 12. Minute auf Vorlage von Bremer den Führungstreffer markiert hatte. Lyon hatte nach überlegener Spielführung bereits wie der sichere Sieger ausgesehen, ehe Popp in der 88. Minute doch noch ausglich.

"Alle sehr geknickt"

"Es sind kaum Worte zu finden", sagte die unter einem Syndesmoseriss leidende Julia Simic bei Europsport: "Jetzt sind alle sehr geknickt. Der nächste Morgen ist noch viel schlimmer. Das tut ganz arg weh."

In der Neuauflage des Endspiels von 2013 in London, das Wolfsburg 1:0 gewonnen hatte, spielte der französische Meister der letzten zehn Jahre über die gesamte Spielzeit gesehen seine bessere Technik und sein höheres Tempo aus.

Dem VfL fehlte es an Dynamik und Selbstvertrauen, insgesamt zu selten kam die Mannschaft von Ralf Kellermann druckvoll vor das Tor der abgezockteren Französinnen.

Lyon mit mehr Druck

Vor 15.117 Zuschauern im Stadio Cittá del Tricolore, darunter DFB-Präsident Reinhard Grindel und Bundestrainerin Silvia Neid, entwickelte Lyon vor allem über Bremer auf der rechten Seite von Beginn an mehr Druck.

Die im Sommer nach Frankreich gewechselte U20-Weltmeisterin hatte großen Anteil am Führungstreffer, als sie in den Strafraum zog, Nationalmannschaftskollegin Kerschowski ausspielte und dann Hegerberg aus spitzem Winkel bediente, die aus kurzer Distanz abschloss.

Der 13. Treffer der norwegischen Torjägerin in dieser Königsklassen-Saison spielte dem taktisch variablem Favoriten, der mit einem Etat von geschätzt sieben Millionen Euro im europäischen Frauenfußball unerreicht ist, voll in die Karten.

Starke Schult

Eine starke Parade von Nationaltorhüterin Almuth Schult gegen Eugenie Le Sommer (26.) verhinderte einen höheren Rückstand.

Lyon stand anschließend tiefer, der VfL versuchte vergeblich, die aufmerksame Abwehr mit Steilpässen in die Spitze zu durchbrechen. Am nächsten kam der VfL dem Ausgleich bei einer Ecke, als Lyon-Kapitänin Wendie Renard den Ball beinahe mit dem Oberschenkel ins eigene Tor bugsierte (31.).

Nach der Pause stand Renard auf der Gegenseite dicht vor dem 2:0, ihr Kopfball wurde von Bussaglia von der Linie gekratzt (48.).

Ausgleich überraschend

Der VfL erhöhte zwar den Druck, doch der Ausgleich durch Popps Kopfballtreffer nach einer Flanke der eingewechselten Tessa Wullaert kam durchaus überraschend.

Nach dem dritten Triumph im DFB-Pokal am Samstag in Köln hatte der VfL noch auf eine große Party verzichtet. Nach der Rückreise am Freitag folgt nun trotzdem am Nachmittag ein Empfang im Wolfsburger Rathaus mit dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt.

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