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Die UEFA zeichnete William Carvalho als besten Spieler der U21-EM aus
William Carvalho hat sich bei der U21-EM in Tschechien zu einem der begehrtesten Transferobjekte Europas gemausert © Getty Images

München - William Carvalho glänzt bei der U21-EM als kompletter Sechser und weckt Interesse beim FC Bayern. Ein Transfer wäre kostspielig, Carvalhos Stärken aber sprechen für sich.

Wenn man William Carvalho zum ersten Mal Fußball spielen sieht, dann passiert etwas Merkwürdiges, fast schon Magisches.

Sobald der Ball zum ersten Mal in seine Nähe kommt, möchte man Carvalho erst einmal einen gehörigen Tritt in den Allerwertesten verpassen.

Ein scheinbar behäbiger Antritt, noch mal eine Extraberührung bei der Ballannahme, schließlich ein lässiger Pass aus dem Fußgelenk, gerne auch mal über den halben Platz - bis dahin wirkt Carvalhos Attitüde fast überheblich und man hat das Gefühl, der Ball könne niemals sein Ziel finden.

45 Millionen Euro für Carvalho?

Der Ball aber kommt an. Auf den Zentimeter genau. Immer und immer wieder. Und spätestens beim zweiten, dritten Mal merkt man, dass bei dem 23-Jährigen jede einzelne Aktion Hand und Fuß hat.

Genau so soll Carvalho die portugiesischen Junioren im Finale gegen Schweden (ab 20.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVETICKER) zum ersten U21-EM-Titel in der Geschichte führen - ehe er womöglich bald die Fans des FC Bayern verzückt.

Nach Informationen des portugiesischen Correio da Manha sollen die Münchner daran interessiert sein, Carvalho mithilfe einer Ausstiegsklausel über 45 Millionen Euro aus dessen noch bis 2018 laufendem Vertrag bei Sporting Lissabon herauszukaufen.

Eine ordentliche Summe für einen 23-Jährigen, dessen Marktwert aktuell auf gerade einmal die Hälfte beziffert wird. Andererseits bewerben sich zahlreiche Topklubs um Carvalhos Dienste, der FC Arsenal galt bisher als Favorit.

Carvalho selbst äußert sich zu den Spekulationen zurückhaltend. Nach Portugals 5:0-Gala im Halbfinale der U21-EM gegen Deutschland darauf angesprochen, muss er erst einmal lachen - und sagt auf SPORT1-Nachfrage dann nur: "Ich bin Spieler von Sporting, aber alles kann passieren. Wir werden sehen."

Das Risiko eines möglichen Transfers ist für die Interessenten überschaubar: Nach zwei kompletten Spielzeiten in der portugiesischen Liga ist Carvalho längst kein Grünschnabel mehr, für die portugiesische A-Nationalmannschaft spielte er bereits 13 Mal und kam auch bei der WM in Brasilien zwei Mal zum Einsatz.

Prägende Figur von Portugals U21

Welche Fähigkeiten Carvalho mitbringt, zeigt er derzeit bei der U21-EM im Drei-Tages-Rhythmus. Im portugiesischen Spiel ist der Sechser Dreh- und Angelpunkt, spielt im Schnitt sagenhafte 80 Pässe pro Spiel - mit Abstand Turnier-Höchstwert.

Jonas Nohe vor Ort bei der U21-EM in Tschechien
Jonas Nohe vor Ort bei der U21-EM in Tschechien © SPORT1

Zudem beherrscht Carvalho auch den langen Ball, verleiht dem überwiegend auf Kurzpassspiel ausgelegten Konzept der Portugiesen damit eine andere Dimension und glänzt trotz dieser schwierigen Zuspiele mit einer Passquote von 87 Prozent.

Dazu kommt die beeindruckende Statur des 1,87-Meter-Hünen, dessen Nachname übersetzt passenderweise "Eiche" bedeutet. Denn genau so präsentiert sich Carvalho in der Abwehrarbeit.

Herr der Lüfte ist er in Sachen Kopfballduelle ohnehin, auf dem Boden ist Carvalho dank seines robusten Körperbaus ebenfalls kaum beizukommen. Joshua Kimmich versuchte im EM-Halbfinale einmal, im Laufduell mit Carvalho seinen Körper einzusetzen - und landete prompt ziemlich unsanft auf dem Rasen.

Trotz seiner wuchtigen Art versteht es Carvalho jedoch, mit wenigen Fouls auszukommen. Nicht einmal eines pro Spiel leistet er sich bei der U21-EM und blieb bisher ohne Gelbe Karte.

Clevere Zweikampfführung in der Defensive, herausragende Ballbehandlung, gute Spielübersicht - Carvalho bringt das komplette Paket für einen modernen Sechser mit.

"Bei Carvalho gelten eigene Gesetze der Schwerkraft. In seinem Universum dreht sich das Spiel um ihn herum", schrieb der Guardian über ihn.

Wenn man dem Portugiesen überhaupt eine Schwäche vorwerfen mag, dann seine Torausbeute.

Nur ein Treffer in 42 Pflichtspielen für Sporting steht in der abgelaufenen Saison zu Buche, bei der U21-EM ist er noch ohne eigenes Tor. Vielleicht hat sich Carvalho das aber auch fürs Finale gegen Schweden aufgehoben.

Im Eden-Stadion von Prag werden am Dienstagabend in jedem Fall wieder einige Zuschauer ihren magischen Carvalho-Moment erleben.

Bald könnte dieser dann auch in der Münchner Allianz Arena zu bestaunen sein.

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