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München - Leonardo Bittencourt hat mit der U 21 große Ziele. Bei SPORT1 spricht er über die EM, Olympia 2016 und erklärt, warum ihm Marco Reus einst Ärger im Nationalteam einbrachte.

Großes Talent im deutschen Fußball, Randfigur bei Borussia Dortmund, feste Größe in der deutschen U 21, Fast-Absteiger mit Hannover 96: Leonardo Bittencourt hat in seiner Karriere schon einige Höhen und Tiefen erlebt.

Nach dem Klassenerhalt mit 96 geht der Blick des 21-Jährigen wieder nach vorne - und da wartet zunächst die U-21-EM in Tschechien. Das große Ziel ist der Titel, schon der Halbfinal-Einzug würde die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro bedeuten. Für Bittencourt als Sohn brasilianischer Eltern eine besondere Motivation.

Vor dem EM-Auftakt gegen Serbien (Mittwoch, ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) spricht Bittencourt im SPORT1-Interview über die Stärken der DFB-Junioren, eine mögliche Rückkehr zu Borussia Dortmund, und erklärt, warum ihm Marco Reus einst Ärger bei der Nationalmannschaft einbrachte.

SPORT1: Herr Bittencourt, was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie "Maracana" hören?

Leonardo Bittencourt: Da denke ich natürlich direkt an meine Familie, die in Brasilien lebt - und auch noch in Rio. Das Maracana ist ein sehr, sehr schönes Stadion, wo immer viel los ist.

SPORT1: Ihre Eltern sind Brasilianer: Ist die Sehnsucht bei Ihnen noch etwas größer als bei Ihren Mitspielern, im kommenden Jahr bei den Olympischen Spielen in Rio dabei zu sein?

Bittencourt: Natürlich ist das ein Traum, aber jetzt müssen wir erst mal die Europameisterschaft spielen. Das ist das Turnier, wo es jetzt zählt. Aber natürlich wollen wir über die EM dann auch nach Brasilien kommen. Ich habe den anderen erzählt, dass es da auch sehr schön ist (lacht). Von daher sind die Jungs auch heiß darauf.

SPORT1: Um sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren, müssen Sie bei der EM in der Vorrunde Platz zwei erreichen. Wie schätzen Sie die Chancen in einer Gruppe mit Serbien, Dänemark und Tschechien ein?

Bittencourt: Jedes Spiel fängt bei 0:0 an. Es wird kein leichtes Spiel geben, man darf nicht den Fehler machen und die Gegner unterschätzen. Aber wenn wir alles abrufen und auch die nötige harte Arbeit mit reinbringen, dann wird es schwierig für die Gegner.

SPORT1: Wie würden Sie die deutsche U 21 derzeit beschreiben? Was macht die Mannschaft aus, wo liegen ihre Stärken?

Germany U21 Training Camp - Day 7
Spaß trotz harter Arbeit: Bittencourt (2.v.r.) im U-21-Trainingslager mit Dominique Heintz, Felix Klaus und Kerem Demirbay (v.l.) © getty

Bittencourt: Der Teamgeist macht uns besonders stark. Wir setzen uns auch in der Zeit nach dem Training gerne zusammen, verbringen Zeit miteinander und haben Spaß. Da gibt es niemanden, der sich auf seinem Zimmer verschanzt und sein eigenes Ding macht.

SPORT1: 2012 ging es für Sie von Cottbus nach Dortmund und nach einem Jahr beim BVB weiter zu Hannover 96. Wie beurteilen Sie selbst Ihre Entwicklung in den letzten drei Jahren?

Bittencourt: Das Jahr in Dortmund, als ich nicht so viel gespielt habe, hat mich reifer gemacht. Dann bin ich nach Hannover und habe dort in zwei Jahren knapp 60 Spiele gemacht. Mit meiner Entwicklung kann ich zufrieden sein. Jetzt steht die EM vor der Tür, da kann man sich auch noch mal beweisen.

SPORT1: Bei der U 21 treffen Sie in Horst Hrubesch auf einen Ihrer größten Förderer. Wie wichtig war er für Ihre Karriere?

Faroe Islands v Germany - UEFA Under21 Euro 2015 Qualifier
U-21-Nationaltrainer Horst Hrubesch (r.) trainierte Bittencourt einst schon bei der deutschen U 18 © getty

Bittencourt: Ich habe Horst Hrubesch sehr viel zu verdanken. Ich kenne ihn jetzt schon seit knapp fünf Jahren, weil wir in der U 18 schon zusammengearbeitet haben. Er war enorm wichtig für meine Entwicklung, weil er sehr geradlinig ist und immer auch sagt, was einem noch fehlt, was man noch braucht, aber auch, was man gut macht. Diese direkte Art hat mich sehr weit nach vorne gebracht, wenn nicht sogar zu dem Spieler gemacht, der ich heute bin.

SPORT1: Sie haben kurz nach Ihrem Wechsel zu Hannover gesagt, Sie hätten sich in Dortmund die Schusstechnik von Marco Reus abgeschaut, würden Sie aber noch nicht perfekt beherrschen. Wie groß waren seither Ihre Fortschritte?

Bittencourt: Marco hat eine besondere Schusstechnik. Dann kam ich mit dieser Schusstechnik immer zum DFB und der Trainer hat gesagt: "Nee, Leo, hör auf damit. Du machst was anderes" (lacht). Dann habe ich mich eher auf etwas anderes spezialisiert. Aber natürlich habe ich das immer noch drin. Nicht ganz so perfekt wie Marco, aber das geht halt alles über Training.

SPORT1: Der BVB hat in diesem Sommer eine Rückkaufoption. Vor einigen Wochen wollten Sie sich angesichts des Abstiegskampfes mit Hannover noch nicht zu Ihrer Zukunft äußern. Der Klassenerhalt ist gelungen - wie steht es um Ihre Zukunft?

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Robert Lewandowski (2.v.r.) und Co. feiern mit Bittencourt sein einziges Bundesliga-Tor im Trikot des BVB © getty

Bittencourt: Jetzt habe ich das erste Ziel geschafft, das war, nicht abzusteigen. Das war mir enorm wichtig. Jetzt ist das nächste Ziel die Europameisterschaft. Von daher mache ich mir da jetzt erst mal überhaupt keine Gedanken, was mit Dortmund ist. Das lasse ich im Moment alles beiseite. Ich habe schließlich auch noch einen Vertrag über zwei Jahre in Hannover. Ich konzentriere mich erst mal auf die EM. Alles andere wird man sehen.

SPORT1: Mit welchem Ziel fahren Sie nach Tschechien?

Bittencourt: Wir haben in der Mannschaft ein klar formuliertes Ziel: Wir haben die Qualität, diesen Titel zu gewinnen und wir wollen darum spielen. Dass es nicht einfach ist, versteht sich von selbst. Jetzt liegt unser Fokus erst mal auf Serbien und wir wollen dann Schritt für Schritt weitergehen.

SPORT1: Und dann geht's ab ins Maracana ...

Bittencourt: Dann geht's erst mal ab in den wohlverdienten Urlaub (lacht) - und dann 2016 ins Maracana.

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