Video

Prag - Die deutsche U21 lässt sich zum EM-Auftakt von Serbien überrumpeln und wacht zu spät auf. Hrubesch ist trotzdem zufrieden, Bittencourt plant schon den Gegenschlag.

Überraschungen sind eine tückische Sache. Nicht nur, dass selbst die gut gemeinten gerne mal nach hinten losgehen. Sondern es gibt auch noch unliebsame, faustdicke, sogar böse Überraschungen.

Im Fußball ist es noch etwas komplizierter - denn oft stellt sich die Frage, was denn überhaupt eine Überraschung ist.

Dass die deutsche U21 zum EM-Auftakt gegen Serbien nicht über ein 1:1 hinaus kam - Überraschung oder nicht? Und die Tatsache, dass die Serben zu Beginn des Spiels den DFB-Junioren gehörig den Schneid abkauften, den vermeintlichen Favoriten dominierten?

Max Meyer: "Waren ein bisschen überrascht"

"Ich denke schon, dass wir am Anfang ein bisschen überrascht waren", sagte Schalkes Max Meyer zur teils überfallartigen Spielweise des Gegners: "Wir sind nicht so richtig ins Spiel gekommen, die Serben waren sehr gut, sehr aggressiv."

Eigentlich sollte das aber für niemanden unerwartet gekommen sein. In der Qualifikation hatten die Serben mit Siegen gegen Italien und Belgien aufhorchen lassen, in den Playoffs dann - soll man sagen überraschend? - Titelverteidiger Spanien bezwungen.

Nicht umsonst hatte Trainer Mladen Dodic vor dem Duell mit dem DFB-Team erklärt, sein Team sei am besten, wenn es gegen die stärksten Mannschaften spiele. Zumindest in der Anfangsphase machte es die deutsche Mannschaft Dodic' Mannen aber auch sehr leicht.

Schwache Anfangsphase ärgert Horst Hrubesch

"Wenn man ihnen diesen Platz lässt, wie wir es die erste halbe Stunde getan haben, dann braucht sich niemand wundern", grantelte DFB-Coach Horst Hrubesch, dessen Team sich zuletzt auch schon in Testspielen gegen die Hochkaräter Italien (2:2) und England (2:3) schwer getan hatte.

Jonas Nohe vor Ort bei der U21-EM in Tschechien
SPORT1-Reporter Jonas Nohe berichtet von der U21-EM in Tschechien © SPORT1

Beispielhaft dafür stand die Szene vor der serbischen Führung: Filip Djuricic hatte 20 Meter vor dem deutschen Tor viel Zeit, sich etwas Geniales zu überlegen, narrte Robin Knoche mit einem Beinschuss und stand mangels Absicherung durch die Nebenleute plötzlich mutterseelenallein vor Marc-Andre ter Stegen.

Der Champions-League-Sieger hatte im deutschen Tor - diesmal nicht wirklich überraschend - erneut den Vorzug vor Bernd Leno und Timo Horn erhalten.

Bauchentscheidung für ter Stegen

Eine Bauchentscheidung, wie Hrubesch nach dem Spiel erklärte: "Ich habe drei gute Torhüter und ich musste mich für einen entscheiden." Der Ex-Gladbacher rechtfertigte seine Aufstellung, als er kurz vor der Pause ein 30-Meter-Geschoss von Serbiens Kapitän Goran Causic noch an die Unterkante der Latte lenkte - und so nach Emre Cans sehenswertem Ausgleichstreffer einen erneuten Rückstand verhinderte.

Nach dem Seitenwechsel fand die deutsche Mannschaft deutlich besser ins Spiel, ter Stegen blieb über weite Strecken beschäftigungslos. Die einzig unliebsame Überraschung in der zweiten Halbzeit war daher die unnötige Gelb-Rote Karte gegen Christian Günter.

"Er berührt mich leicht, dann falle ich", beschrieb der Freiburger die vermeintliche Schwalbe, die zum Platzverweis führte. Es war eine harte, angesichts von Günters übertriebener Theatralik jedoch vertretbare Entscheidung.

Kevin Volland verpasst Siegtreffer

Und trotzdem hätte die deutsche Mannschaft in Unterzahl sogar fast noch den angesichts der Umstände unerwarteten Siegtreffer gelandet. Nach einem 80-Meter-Sprint des eingewechselten Leonardo Bittencourt wurde Kevin Vollands Versuch von der Strafraumgrenze aber in letzter Sekunde geblockt.

Dass so die Belohnung für die Leistungssteigerung seiner Mannschaft letztlich ausblieb, konnte Hrubesch jedoch verschmerzen. "Bei mir ist das Glas jetzt ganz voll, weil ich vor allem in der zweiten Halbzeit den Eindruck gewonnen habe, dass wir bei dem Turnier angekommen sind", erklärte der Nationaltrainer mit Blick auf das zweite Spiel am Samstag gegen Dänemark.

Bittencourt holt zum Gegenschlag aus

Die Mannschaft der Bundesliga-Legionäre Jannik Vestergaard und Pierre-Emile Hojbjerg startete mit einem 2:1 gegen Gastgeber Tschechien siegreich in die EM. Die DFB-Junioren sollten also gewarnt sein.

Die Gefahr, dass sich die deutsche Mannschaft noch einmal so überraschen lässt wie gegen Serbien, sollte nach den Erfahrungen aus dem Auftaktspiel aber ohnehin nicht mehr bestehen.

Ganz im Gegenteil: Zumindest Bittencourt plant bereits den Gegenschlag. Sein Plan? "Dass wir dann selbst überfallartig gegen die Dänen spielen."

Bleibt um der Überraschung willen nur zu hoffen, dass die Dänen das nicht gehört haben.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel