vergrößernverkleinern
Benjamin Henrichs hat in dieser Saison schon auf beiden Außenpositionen verteidigt © Imago

München - Benjamin Henrichs ist der Aufsteiger der letzten Monate bei Bayer Leverkusen. Auf den 19-jährigen Außenverteidiger werden erstaunliche Lobeshymnen gesungen.

Ömer Toprak warnte. Er kennt das Geschäft.

Die üblichen Schlagzeilen, den ganzen Hype, das große Geschrei um neue Talente. Lobhudeleien, Schulterklopfer, die üblichen Begleiterscheinungen eines steilen Aufstiegs, bei dem auch immer ein Absturz möglich ist.

Denn immer nur nach oben geht es für den Nachwuchs in den seltensten Fällen.

"Erstmal muss er noch ein paar Spiele machen", versuchte Toprak den Ball flach zu halten. Zeit und Geduld seien deshalb ganz besonders gefragt.

"Ein unglaublicher Spieler"

Benjamin Henrichs juckt das alles wenig bis gar nicht. Überschwängliches Lob von seinen Mannschaftskollegen ("total unaufgeregt"), von seinem Trainer ("er ist ein unglaublicher Spieler") und Sportdirektor Rudi Völler ("seine Entwicklung ist außergewöhnlich")?

Das Eigengewächs von Bayer Leverkusen kontert solche Aussagen mit einer beeindruckenden Mischung aus Stolz und Lässigkeit.

"Das freut mich natürlich. Ich versuche so weiterzuspielen und alles aus mir herauszuholen", sagte der 19-Jährige SPORT1. Wie ein Profi.

Henrichs seit der F-Jugend im Verein

Der ist er offiziell erst seit April 2015, als er seinen ersten Profivertrag unterschrieb. Seit der F-Jugend spielt er bei Bayer, sein Bundesliga-Debüt feierte er im September vergangenen Jahres. Den darauf folgenden Aufstieg hat er auch seinem Trainer zu verdanken.

Roger Schmidt hatte im Wintertrainingslager den Geistesblitz, Henrichs vom offensiven Mittelfeldmann zum Außenverteidiger umzuschulen. Ein Volltreffer. Stück für Stück entwickelte er sich zum Stammspieler, zuletzt überzeugte er in der Champions League beim 1:1 in Monaco und beim 2:0 gegen Borussia Dortmund. Sowohl auf der linken als auch auf der rechten Seite.

Hauptsache spielen

"Ob nun links oder rechts, das ist mir relativ egal, die Hauptsache ist, dass ich spiele", sagt Henrichs nur. Inzwischen hat er Gefallen und seinen Spaß an der neuen und anfangs natürlich ungewohnten Aufgabe gefunden.

Der offensiv veranlagte Henrichs überzeugt durch Schnelligkeit, Wendigkeit und Technik, mit seinem Timing im Vorwärtsverteidigen ebenso wie mit seinem defensiven Zweikampfverhalten. Als Außenverteidiger gehört er zu den Schlüsseln in Schmidts System.

Daneben ist der Sohn eines Deutschen und einer Ghanaerin flexibel einsetzbar, in der U19 spielte er bei der EM im Sommer noch im zentralen Mittelfeld. Zuletzt feierte er sein Debüt in der U21, für die er nun für die EM-Qualifikation gegen Russland am Freitag (ab 18 Uhr im LIVETICKER) und in Österreich am 11. Oktober erneut nominiert wurde.

Tah und Brandt als Vorbilder

Dass er zuletzt vom DFB mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold ausgezeichnet wurde, nimmt er als Inspiration. Denn vor ihm haben bereits seine Teamkollegen Julian Brandt (20) und Jonathan Tah (20) diese Auszeichnung erhalten.

"Damit trete ich in ihre Fußstapfen. Die beiden haben bereits A-Nationalmannschaft gespielt, und natürlich nimmt man sich die beiden als Vorbild", sagte er SPORT1.

Video

Bundestrainer Joachim Löw kann in der Ära nach Philipp Lahm Spieler mit Potenzial und den richtigen Anlagen auf den Außenpositionen gut gebrauchen. Spieler wie Henrichs.

DFB "nur eine Frage der Zeit"

"Ich gehe alles Schritt für Schritt an. Ich habe zuletzt meine ersten Erfahrungen bei der U21 gesammelt, ein paar Einsatzminuten bekommen und bin dankbar dafür. Das ist eine große Sache für mich", sagte Henrichs.

Auch der vermeintlich bremsende Kollege Toprak outet sich letztlich als Henrichs-Fan. Dass der Youngster demnächst dauerhaft internationales Niveau erreicht, ist dem Türken zufolge "nur eine Frage der Zeit".

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel