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Joshua Kimmich (l.) und Jerome Boateng sind sowohl im DFB-Team als auch im Verein im richtigen Umgang mit dem Erfolg gefordert © SPORT1-Montage: Paul Hänel / Getty Images

Hannover - Die deutsche Mannschaft befindet sich in der WM-Qualifikation nach drei Spielen voll auf Kurs. Doch der Weltmeister sollte sich nicht zu sicher fühlen, sonst droht das böse Erwachen.

Drei Spiele, drei lockere Siege. Platz eins der Gruppe C. Die deutsche Nationalmannschaft hat einen perfekten Start in die WM-Qualifikation hingelegt. "Es war eine schöne Woche für uns", sagte Teammanager Oliver Bierhoff nach dem 2:0 gegen Nordirland.

Ob gegen Nordirland oder am vergangenen Samstag beim 3:0 gegen Tschechien oder im September beim 3:0 in Norwegen - die deutsche Elf beherrscht ihre Gegner ähnlich wie der FC Bayern zu Saisonbeginn in der Bundesliga.

Dass das mitunter zunehmend langweilig wirkt, ist weder bei den Münchnern noch bei der DFB-Auswahl wirklich ihnen anzulasten. 

"Die Nordiren haben selbst beim 0:2-Rückstand noch mit Mann und Maus verteidigt", erklärte Thomas Müller: "Da verliert man dann irgendwann ein bisschen die Lust, immer wieder gegen diese Abwehr anzurennen."

Da das bei einem sicheren Vorsprung auch nicht zwingend vonnöten war, waren nach dem Abpfiff fast alle Beteiligten glücklich und zufrieden.

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Doch genau da lauert auch die Gefahr.

Schließlich gerieten die Münchner gegen den ersten schweren Gegner gleich ins Straucheln. Beim 0:1 in der Champions League bei Atletico Madrid bekam das Team von Trainer Carlo Ancelotti seine Grenzen aufgezeigt, anschließend schlug Jerome Boateng Alarm und übte auch Kritik an Mitspielern.

In Hannover war es wieder Boateng, der trotz des Sieges die Schwächen der DFB-Auswahl offen ansprach.

Boateng bleibt auf dem Boden

"Heute waren die ersten 20 Minuten gut, dann haben wir zu viele Fehler gemacht. Insgesamt war das zu wenig gegen so einen Gegner", meinte der Abwehrchef. Er sei "nicht immer kritisch, sondern nur, wenn wir schlecht spielen", erklärte er noch: "Heute war es ein bisschen weniger gut, aber insgesamt noch in Ordnung."

Boateng ist Weltmeister und Champions-League-Sieger. Er weiß, was nötig ist, um die ganz großen Titel zu gewinnen. Es kommt auf Details an, kleinste Nachlässigkeiten können den Erfolg gefährden. Und auch der Bundestrainer will sich nicht auf den bisherigen Erfolgen ausruhen.

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"Wir haben uns vorgenommen, die Qualifikation gnadenlos durchziehen", kündigte Joachim Löw an. Nachdem die EM-Qualifikation vom Schlendrian geprägt war, soll dieser Fehler auf keinen Fall noch einmal passieren.

Bei der EM in Frankreich hatte Deutschland für viele Experten die beste Mannschaft, die auch die besten Leistungen zeigte. Doch in entscheidenden Momenten kam der letzte Pass nicht an oder es fehlte der letzte Kick Entschlossenheit.

Löw ist gefordert. Er muss dafür sorgen, dass seine Spieler hungrig bleiben. Er muss die Spannung hochhalten und die Mannschaft weiterentwickeln. "Wir spielen noch in San Marino, danach haben wir insgesamt zwölf Punkte. Aber dann muss es weitergehen", betonte der Bundestrainer.

Chancenverwertung als Problem

Beim letzten Quali-Spiel des Jahres wird er einigen Etablierten eine Pause geben und junge Spieler testen. Leroy Sane, Niklas Süle und Jonathan Tah, die noch im September dabei waren, aber zuletzt erst einmal mit der U21 die EM-Qualifikation unter Dach und Fach brachten, werden zurückkehren. Auch andere junge Spieler dürfen sich beweisen. Vielleicht auch der Leipziger Davie Selke im Sturm.

Dort bereitet die immer noch fehlende Effizienz im Abschluss Löw Sorgen. Das war auch bei der EM so und wird von hochklassigen Gegnern wie Frankreich gnadenlos bestraft.

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Gegen Nordirland hätte man zwei oder drei Tore mehr erzielen müssen, fand Boateng. Doch auch die Abwehr leistete sich kleine Nachlässigkeiten, die auf Top-Niveau ausgenutzt werden.

Will Deutschland den Weltmeistertitel in zwei Jahren verteidigen, gilt es, einen Schlendrian zu vermeiden, der sich aufgrund der Überlegenheit in der Qualifikation leicht einschleichen kann.

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