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Der spanische Innenverteidiger ist enttäuscht und verkündet seinen Rücktritt nach der WM 2018. "Einige Leute wollen mich nicht im Team haben", erklärt Pique.

Gerard Pique wurde Weltmeister, er wurde Europameister. In Barcelona nennen sie den Abwehrspieler in Anlehnung an den deutschen Kaiser ehrfurchtsvoll "Piquenbauer", seine Frau ist ein weltbekannter Popstar.

Doch in weiten Teilen Spaniens wird der stolze Katalane nicht geliebt, sondern oft sogar verachtet und beschimpft - und darauf hat Pique nun keine Lust mehr.

"Es gibt Leute, die glauben, es sei besser, wenn ich nicht hier wäre", sagte der tief enttäuschte 29-Jährige nach dem 2:0 (0:0) in Albanien: "Die WM 2018 in Russland wird mein letztes Turnier mit der Nationalmannschaft sein." 

"Keine spontane Entscheidung"

In zwei Jahren ist Pique erst 31. Über den Rücktritt habe er zwar "schon lange" nachgedacht.

"Die Entscheidung ist nicht heute gefallen, sie ist nicht spontan", sagte der Innenverteidiger. Doch die Vorkommnisse während des WM-Qualifikationsspiels und danach waren "der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat", sagte Pique.

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In Shkoder war der Abwehrchef in einem Langarm-Trikot aufgelaufen, im Übrigen nicht als einziger Nationalspieler. Pique hatte aber die langen Ärmel abgeschnitten, um ein wärmendes, bequemeres Funktionsshirt (mit langen Ärmeln) darunterziehen zu können. So weit, so normal. 

Trikot-Gate bringt Fass zum Überlaufen

Doch sofort nach dem Anpfiff entlud sich in den sozialen Medien ein Sturm der Entrüstung. Die Pique-Gegner echauffierten sich, der Innenverteidiger habe die Ärmel von einem Kurzarm-Trikot abgeschnitten - genau über der Stelle, wo auf der luftigeren Trikot-Version eigentlich die spanischen Nationalfarben als Ringe die Ärmel zieren. Pique, der Vaterlandsverräter.

"Was heute passiert ist, passt zu dem, was in den vergangenen Jahren passiert ist. Ich bin all diese Kritik leid, manche Leute haben mir die Freude genommen, hierher zu kommen. Ich habe keinen Spaß mehr", sagte er.

Weil der in Barcelona geborene Innenverteidiger nie einen Hehl aus seiner Liebe zu Katalonien machte, jenem wirtschaftlichen Teil Spaniens, der am liebsten ein eigener Staat wäre, wurde er immer wieder ausgebuht.

Verband nimmt Pique in Schutz

Jede Kleinigkeit wird Pique zur Last gelegt. Ein ähnliches Beben hatte er verursacht, als er während der EM 2016 vor der Partie gegen Kroatien angeblich bewusst den Mittelfinger zeigte - während die spanische Nationalhymne lief. Bei der Marcha Real soll er zudem immer wieder zu Boden gucken. Ein weiterer Affront?

"Von alledem hat er genug", schrieb die Madrider Sportzeitung Marca und listete die Skandälchen um den Weltklassespieler auf, der mit dem FC Barcelona viermal die Champions League gewann.

Der spanische Verband RFEF sah sich genötigt, eine Pressemitteilung zum Trikot-Wirbel zu veröffentlichen und Pique in Schutz zu nehmen. Die spanischen Zeitungen ruderten am Montag zurück.

Lopetegui hofft auf Kehrtwende

"Wir sollten uns alle ein wenig beruhigen und warten, bis sich die Wogen geglättet haben. Aber ich kann Pique verstehen, der Vorwurf mit dem Trikot ist vollkommen lächerlich", sagte Spaniens neuer Nationaltrainer Julen Lopetegui.

Nach einem weiteren verkorksten Turnier steht der Nachfolger von Vicente del Bosque auch so schon vor einer großen Herausforderung, der Unruhe innerhalb und außerhalb seiner Mannschaft entgegenzuwirken. 

"Ich lasse Julen jetzt nicht im Stich. Wir haben die Sache gemeinsam begonnen und bringen sie auch zum Ende. Es wäre unglaublich, würden wir 2018 Weltmeister werden", sagte Pique, der 85 Länderspiele auf dem Buckel hat.

Weil Italien überaus glücklich 3:2 (1:0) in Mazedonien gewann, bleibt es in der Gruppe G beim erwarteten Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden Fußballgrößen.

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