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Thomas Müller (l.) und Toni Kroos sind mit dem DFB-Team voll auf WM-Kurs © Getty Images

Hamburg - Überzeugende Leistung, überragende Innenverteidiger, Müller als Knipser. Doch es gibt noch Verbesserungsbedarf. SPORT1 nennt die Lehren aus dem Tschechien-Spiel.

Es war eine überzeugende Vorstellung und dementsprechend zufrieden waren Joachim Löw und die deutschen Nationalspieler nach dem 3:0 (1:0) gegen Tschechien.

"Wir haben eine deutsche Mannschaft gesehen, die sehr motiviert war und mit Freude und Fantasie gespielt hat", sagte DFB-Teammanager Oliver Bierhoff im exklusiven SPORT1-Interview.

Und auch SPORT1-Experte Armin Veh lobte im Volkswagen Doppelpass: "Das war souverän. Früher hat es Spiele gegeben, in denen sich die Mannschaft gegen solche Gegner schwer getan hat."

In der Innenverteidigung und im Mittelfeld spielte das DFB-Team phasenweise überragend, Thomas Müller glänzte wie schon beim 3:0 in Norwegen als Doppel-Torschütze.

Einzig die wieder schwache Chancenverwertung bleibt als kleiner Kritikpunkt haften. SPORT1 nennt die Lehren aus dem Tschechien-Spiel.

- Für die WM kann schon gebucht werden

Mit sechs Punkten und 6:0 Toren führt das DFB-Team seine WM-Qualifikationsgruppe souverän an. (Die Tabellen der WM-Qualifikation)

Wenn man davon ausgeht, dass auch am Dienstag gegen Nordirland (ab 20.15 Uhr im LIVETICKER) und im November in San Marino jeweils drei Punkte dazukommen, wäre das WM-Ticket mit zwölf Punkten schon so gut wie im Sack.

- Die Innenverteidiger sind herausragend - nicht nur in der Abwehr

Was Mats Hummels und Jerome Boateng zeigten, verdient nur ein Prädikat: Weltklasse. Auch wenn Tschechien nicht der Maßstab ist und beide kaum Defensivaufgaben zu lösen hatten: Hummels und Boateng stellten den Gegner mit langen Bällen über das halbe Spielfeld vor enorme Probleme.

"Beide Innenverteidiger haben Traumpässe hinten heraus gespielt, haben Drucksituationen umgangen, dadurch waren wir nach vorn brandgefährlich", analysierte Benedikt Höwedes bei SPORT1.

Gegen mutig anlaufende Gegner wie die Tschechen ist das Bayern-Duo mit seinen Diagonal- und Steilpässen eine echte Waffe.

- Wenn es läuft, trifft auch Müller

Zwei Doppelpacks im DFB-Team hintereinander - das hat Thomas Müller bis zum Samstagabend nicht geschafft. Der Bayer hätte sogar noch mehr Treffer erzielen können.

Anders als in München, wo er immer noch auf sein erstes Saisontor in der Bundesliga wartet, gelingen ihm in der Nationalelf die Dinge, die beim FC Bayern nicht klappen wollen.

- Das Problem im Sturm bleibt

Müllers Tore können aber nicht überdecken, dass im DFB-Team die Alternativen im Sturm fehlen. Mario Götze bereitete das erste Tor vor, ein Knipser ist der Dortmunder aber nicht.

"Wenn Mario noch ein paar Abschlüsse mehr hätte, wären wir alle froh", sagte Hummels.

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Mario Gomez ist verletzt, adäquaten Ersatz gibt es aber nicht. Es gibt zu wenige Talente, die nachrücken.

Bierhoff räumte ein, dass die Ausbildung in der Vergangenheit nicht optimal war. "Wir müssen auf Außen und im Sturm Alternativen schaffen", sagte er.

- In der Ausbildung ist Luft nach oben

Er könne sich keinen Linksverteidiger schnitzen, sagte Löw vor vier Jahren vor dem WM-Qualifikationsspiel in Irland. Damals spielte Marcel Schmelzer auf dieser Position.

Der Dortmunder spielt inzwischen keine Rolle mehr, der Bundestrainer vertraut auf Jonas Hector (links) und hat in Joshua Kimmich offenbar seine Idealbesetzung für die rechte Seite gefunden.

Hector spielt beim 1. FC Köln allerdings im Mittelfeld, dort ist auch Kimmich eigentlich zuhause. Beim FC Bayern ist er nicht immer erste Wahl. Hinter Hector und Kimmich klafft zudem eine Lücke.

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"Wir kennen das Problem seit zehn Jahren, haben es aber nicht geschafft, genug Alternativen zu finden", sagte Bierhoff zu SPORT1:

"Man muss sich Ziele setzen und gemeinsam Lösungen finden. Das kommt nicht nur der Nationalmannschaft zugute, sondern auch den Vereinen, wenn wir da besser besetzt sind."

- Leichte Qualifikation als Chance und Risiko

War Deutschland so stark oder der Gegner so schwach? Auf dem Weg zur WM 2018 könnte die Gefahr bestehen, dass die DFB-Elf nicht ausreichend gefordert wird.

Löw könnte nun einerseits ganz bequem seine Mannschaft für die WM einspielen. Andererseits hat er die Möglichkeit, ohne großes Risiko junge Spieler zu testen und den Vielspielern eine Pause zu geben.

"Ich denke, dass der Bundestrainer die richtige Mischung finden wird", sagte Manuel Neuer zu SPORT1.

Schon gegen Nordirland kann Löw etwas ausprobieren.

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