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Gerard Pique will seine Nationalmannschaftskarriere nach der WM 2018 beenden © Getty Images

Nach dem "Trikot-Gate" in Albanien kündigt Gerard Pique entnervt seinen Spanien-Rücktritt an und löst eine Staatsdebatte aus. Der Verband hofft auf einen Meinungswechsel.

Es war der Tropfen, der das Fass endgültig zum Überlaufen brachte.

Der unberechtigte Vorwurf der Fans und Medien, er habe beim WM-Qualifikationsspiel gegen Albanien (2:0) aus mangelndem Respekt vor seinem Vaterland die Ärmel seines Langarmtrikots mit den spanischen Landesfarben abgeschnitten, ließ Gerard Pique keine andere Wahl.

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Er kündigte seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft an. Die WM 2018 in Russland werde sein letztes großes Turnier sein, so das Abwehr-Ass des FC Barcelona.

Spanier zeigen Einsicht und Verständnis

Mit dieser Erklärung hat der Verfechter der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung eine Staatsdebatte im Land des entthronten Welt- und Europameisters ausgelöst. Ob das gemeine Volk, Politiker oder Prominente - Spanien diskutiert die Reaktion des 29-Jährigen. Und zeigt zum Großteil Einsicht und Verständnis.

"Alle mit Pique", schrieb ausgerechnet Real Madrids Hausblatt Marca, das den Barca-Profi wegen dessen Abneigung gegenüber den Königlichen immer wieder kritisch beäugt und jede Kleinigkeit - wie etwa sein Blick gen Boden bei der Nationalhymne - zur Last gelegt hatte. 

Weil der in Barcelona geborene Pique nie einen Hehl aus seiner Liebe zu Katalonien machte, jenem wirtschaftlich starken Teil Spaniens, der am liebsten ein eigener Staat wäre, wurde er auch immer wieder von den Fans ausgebuht und ausgepfiffen.

"Im Nationaltrikot immer beispielhaft"

"Er mag seine Ideologie haben, aber auf dem Platz hat er immer alles für Spanien gegeben", sagte der Präsident der katalanischen Volkspartei Xavier Garcia Albiol. Der Popmusiker Alejandro Sanz twitterte Pique an: "Ich danke dir immer für dein Engagement. Eine Umarmung, mein Freund."

"Er verhielt sich bei der Nationalmannschaft immer vorbildlich und beispielhaft. Es wäre schön, wenn du deinen Entschluss überdenken würdest", bat auch Alfredo Relano, der Chefredakteur der anderen großen Madrider Sportzeitung AS, in einem offenen Brief um Entschuldigung für die zuweilen exzessive Berichterstattung über den Innenverteidiger.

Doch jegliche Entschuldigungen kommen offenbar zu spät. "Das ist keine spontane, sondern durchdachte Entscheidung", sagte Pique. Er wolle nur aus Respekt zum neuen Nationaltrainer Julen Lopetegui noch bis 2018 weitermachen und seinen zweiten Weltmeister-Titel erringen.

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Hoffnung auf Rücktritt vom Rücktritt

Beim spanischen Verband hofft man trotzdem noch auf eine längere Zusammenarbeit mit Pique, denn innerhalb der Mannschaft genießt der 1,93-Meter-Mann das volle Vertrauen und die Unterstützung seiner Kollegen.

"Die Atmosphäre ist sehr gut, wir verstehen uns alle hervorragend - auch die Spieler von Barca und Real", versicherte Pique noch kurz vor dem Albanien-Spiel in einem Interview mit TV3. Und Lopetegui beschwichtigte nach der entnervten Rücktrittsrede seines Schützlings: "Wir sollten jetzt erst einmal warten, bis sich die Wogen geglättet haben."

Der Hashtag "#PiqueSeleccion" ist zum Twitter-Trend geworden. Vielleicht versprechen sich die Spanier, Pique - ähnlich wie die Argentinier Lionel Messi - davon überzeugen zu können, dass er über 2018 hinaus gebraucht wird. 

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